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Schluss mit Stigmatisierung hochgewichtiger Menschen

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Foto: ht

Berlin (kobinet) Anlässlich des heutigen World Obestiy Day wendet sich Kirsten Kappert-Gonther, Sprecherin für Gesundheitsförderung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, gegen die Stigmatisierung dicker Menschen im Gesundheitswesen. Der World Obesity Day, Welttag der Adipositas, bietet Anlass, um die Aufmerksamkeit auf die Diskriminierung und Stigmatisierung zu richten, die hochgewichtige Menschen im Gesundheitswesen erfahren", teilte die Abgeordnete in einer Presseinformation mit.

"'Übergewicht' wird in Deutschland nach Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch den Body Mass Index (BMI) ermittelt. Die Kritik an dieser Art der Messung wird zunehmend lauter. Eine Einordnung in Gewichtsklassen nur anhand des BMI ist willkürlich und hat keinen Mehrwert", erklärte Kirsten Kappert-Gonther.

Über die Hälfte der deutschen Bevölkerung gelte laut Statistischem Bundesamt als "übergewichtig" oder "adipös". Das gesellschaftliche Klima gegenüber hochgewichtigen Menschen sei jedoch oftmals feindlich. Davon sei auch das deutsche Gesundheitswesen im hohen Maße betroffen. "Hochgewichtige Menschen haben mit negativen Einstellungen und Vorurteilen ihnen gegenüber zu kämpfen. Betroffene berichten, dass sie sich in der Behandlungssituation nicht ernstgenommen fühlten oder all ihre Symptome auf das Gewicht rückgeführt wurden. Dabei helfen Diäten im Krankheitsfall oft nicht weiter und ersetzen keine Therapie. Gesellschaftliche Körperideale können, insbesondere für Mädchen und junge Frauen, gesundheitsgefährdend sein", so Kirsten Kappert-Gonther, .

"Dicke Menschen erfahren im Schnitt eine kürzere Behandlungsdauer und ihnen werden negative Eigenschaften wie mangelnde Motivation zugeschrieben. Zudem besteht eine materielle Versorgungslücke. Eine optimale Versorgung hochgewichtiger Patientinnen und Patienten ist nicht überall sichergestellt. Statt dicke Menschen zu stigmatisieren und Patientinnen und Patienten nicht ernst zu nehmen, muss es eine gute Versorgung für alle geben. Schuldzuweisungen zu Lasten der Hochgewichtigen sind unangebracht und kurzsichtig. Dicke Menschen haben wie alle anderen das Recht, im Gesundheitswesen mit Respekt und Würde behandelt zu werden, wie auch in allen anderen Teilbereichen des gesellschaftlichen Lebens", stellte die Politikerin klar.

Auf der Homepage https://adipositas-selbsthilfe.com gibt es übrigens eine Datenbank zu Kliniken, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Betroffene, wie die Adipositas Selbsthilfe Interessengemeinschaft mitteilte.

Berlin (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sabo349

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Step Han Ri
04.03.2020 11:25

Ja, Schluss mit der Stigmatisierung Hochgewichtiger, ABER auch Schluss mit der Verharmlosung von Übergewicht.

Stigmatisierung ist eine Sache.
Übergewichtigen (Pardon, „hochgewichtigen“) Menschen sollte geholfen werden.

Das große Aber folgt:
Erstens: Übergewicht darf nicht verharmlost werden, wie es bereits in Amerika mit der Fat Acceptance Bewegung der Fall ist.
Zu viel Körperfett korreliert stark mit Gesundheitsproblemen und kann zu Gelenkerkrankungen, Tumorerkrankungen, Rückenschmerzen, Bluthochdruck, Herzleiden, Gefäßverkalkungen und Diabetes führen. Die Folgekrankheiten davon sind Zehen- und Fußamputationen und ein früher Tod.
Etwas Übergewicht ist eine Sache, aber Adipositas ist gefährlich und jemand mit über 50 Kilo zu viel auf den Rippen ist nicht gesund! Es ist in meinen Augen schon seltsam, dass es in Amerika eine Fett-Akzeptanz-Bewegung gibt, aber keine Alkohol-Akzeptanz-Bewegung oder eine Raucher-Akzeptanz-Bewegung. Zu viel Übergewicht, zu viel Alkohol, zu viel Rauchen sind schädlich für die Gesundheit. Das sind Fakten.

Zweitens: Der BMI ist erst einmal nur ein Anhaltspunkt, aber zusammen mit der Messung des Bauchumfangs kann er ein gutes Ergebnis liefern, ob ein Mensch übergewichtig oder stark übergewichtig ist und wo genau das zu Problemen führen könnte.
Hand aufs Herz hier: Es ist ein Unterschied, ob ein männlicher Bodybuilder mit Waschbrettbauch mit einem BMI von 26-29 in den Spiegel guckt oder eine Frau mit einem BMI von über 40.

Drittens: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.
Letztendlich ist jeder Mensch einzigartig und jeder Mensch darf seine eigenen Entscheidungen treffen. Die Angebote in Deutschland sind da. Es gibt Kochkurse bei den Krankenkassen, es gibt Sportkurse, man kann sich Training vom Arzt verschreiben lassen.
Sofern man etwas tun kann, sollte man auch etwas tun.

Michael Günter
Antwort auf  Step Han Ri
04.03.2020 19:34

"Letztendlich ist jeder Mensch einzigartig und jeder Mensch darf seine eigenen Entscheidungen treffen. Die Angebote in Deutschland sind da. Es gibt Kochkurse bei den Krankenkassen, es gibt Sportkurse, man kann sich Training vom Arzt verschreiben lassen. Sofern man etwas tun kann, sollte man auch etwas tun."

Hmm,
ich bin mir noch nicht sicher, ob es so stimmt, dass Schwergewichtige immer in der Lage sind eine Entscheidung zu treffen, ob sie dies sein wollen...
Klassisches Beispiel Behindertenhilfe, Aufnahme eines Menschen mit Down Sysndrom: "Aber achten sie ja darauf, dass er/sie nicht zuviel isst!" - angesicht eines BMI von in der Regel deutlich über 30 eigentlich eine Frechheit sowas bei Aufnahme in einer Einrichtung zu erwähnen.

ich habe eine Reihe von Menschen mit Down Syndrom kennengelernt, unter genau 2 Gruppen davon hatten einen BMI innerhalb des "gesetzten" Rahmens: hochgradig essgestörte Personen (sorry, wer mir erzählt, er isst NUR Salat wegen des Gewichts, ist essgestört!) und solche die Aufgrund von Alter / Gebrechen nichtmehr in der Lage waren, selbständig auf ihre Nahrungzufuhr zu achten!
Der BMI ist kein Maßstab, weil er inhaltlich nicht solche Situationen beachtet, dies gilt etwa auch für Menschen aus Samoa oder Querschnittgelähmte, einfach wil die kaum noch Muskeln an den Beinen haben....
Die Versorgungssituation ist dennoch grottenschlecht, erst neulich hat mir eine Case Mangerin aus einem KH erzählt, dass sie einen Patienten nicht entlassen konnte, weil keine Nachsorgeorganisation ein entsprechendes Bett, geschweige denn einen passenden Duschstuhl gehabt hätte...

Step Han Ri
Antwort auf  Michael Günter
05.03.2020 15:10

Ich bezog mich in meinem Kommentar auf den Otto Normalverbraucher. An Menschen mit geistigen Behinderungen hatte ich da jetzt nicht gedacht.

„Aber achten sie ja darauf, dass er/sie nicht zuviel isst!“

Ist das eine Unverschämtheit?

Wenn die Person aufgrund ihrer geistigen Gesundheit nicht selbst auf sich achten bzw. die Folgen ihres Handelns einschätzen kann, sage ich: Nein, ist es nicht, weil die Verantwortung dann nicht zu 100% bei der betroffenen Person liegt.

Ich habe in meinem näheren Umfeld einen Fall erlebt mit jemand, der/die im hohen Alter eine geistige Behinderung, Schlaganfall und Diabetes hatte. Besagter Fall war andauernd in Kur oder in Krankenhäusern und war dort gut eingestellt.Dann kam er/sie nach Hause und die Angehörigen stopften ihn/sie mit Kuchen und Fleischkäseweck voll und wunderten sich, dass das Gewicht aus dem Ruder lief und er/sie wieder in Kur musste.

Ein BMI von 30 heißt Adipositas und die Folgen, die ich in meinem Post schon angeführt habe. Da sollte schon was getan werden und das geschieht nun einmal primär über
die Ernährung oder sogar nur über die Ernährung, wenn Sport nicht möglich ist.

Wie das mit Down-Syndrom genau aussieht, weiß ich nicht, aber das ist in dem hier kommentierten Beitrag auch nicht erwähnt. Es wird allgemein gehalten, also habe ich auch allgemein darauf geantwortet.

Das Stigma wegzumachen ist gut, aber Übergewicht und dessen Folgen zu verharmlosen, ist gefährlich.

Michael Günter
Antwort auf  Step Han Ri
05.03.2020 19:00

Hmm,
ich finde, dass es schon anmaßend ist einem erwachsenen Menschen zu sagen, er dürfe nicht mehr als seinen Teller voll essen, obwohl noch genug da ist - und er dieses Essen auch noch bezahlt hat!
Nebenbei hatte ich genau auf das gleiche Phänomen hingewiesen, was sie selbst als Beispiel nehmen: Nur um "Daheim" keine Diskussionen zu haben wird vollgestopft, aber in der Einrichtung muss gehungert werden. Eltern die meinen ihre "Kinder" wären zu dick, sollen dies bitte mit ihnen ausdiskutieren und dies nicht zur "Beziehungsbelastung" außerhalb werden lassen...
Ferner ist es auch zusätzlich anmaßend, weil ein BMI mittlerweile in unserer Umwelt eher zum Standard wird...

Step Han Ri
Antwort auf  Michael Günter
05.03.2020 20:42

„ich finde, dass es
schon anmaßend ist einem erwachsenen Menschen zu sagen, er dürfe nicht mehr als seinen Teller voll essen, obwohl noch genug da ist - und er dieses Essen auch noch bezahlt hat!“

Ich habe leider nicht den kompletten Kontext zur Situation, die Sie beschreiben.

Ich hatte es so verstanden, dass besagte Person in der Behindertenhilfe arbeitet, aber daheim ernährt wird. Deshalb werde ich auch nicht weiter darauf eingehen, weil ich erstens nicht alle Informationen habe, und zweitens, weil das am Thema vorbei geht.

„Ferner ist es auch zusätzlich anmaßend, weil ein BMI mittlerweile in unserer Umwelt eher zum Standard wird...“

Wie weiter oben gesagt, ist der BMI erst einmal nur ein Anhaltspunkt und zwar ein sehr zuverlässiger. Sie erwähnten in Ihrem Beispiel jemandem mit einem BMI von 30. Sofern besagte Person in diesem Beispiel kein professioneller Gewichtheber ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass besagte Person gefährlich
viel Körperfett an sich hat, relativ hoch.
Selbst wenn jemand einen ‚normalen‘ BMI hat, kann er*sie zu viel Körperfett haben (auch „skinny fat“ genannt).
Wichtig ist es in meinen Augen, dass man etwas macht, um auch bis ins hohe Alter hinein gesund zu bleiben.

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