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Berliner Behindertenparlament tagt im Juni

Foto zeigt Dominik Peter
Dominik Peter
Foto: BBV

Berlin (kobinet) Erstes Berliner Behindertenparlament kommt im Juni zusammen. Das erfuhr kobinet heute von Dominik Peter vom Berliner Behindertenverband. Das Behindertenparlament findet am 18. Juni von 11:00 bis 17:00 Uhr im Berliner Abgeordnetenhaus statt.

Ein breites Bündnis aus Verbänden der Behindertenselbsthilfe unterstützt die Initiative von Christian Specht, Selbst-Vertreter im Vorstand der Berliner Lebenshilfe. Menschen mit jeglicher Art von Behinderung und chronischer Krankheit oder die sie vertretene Angehörige können sich für eine Teilnahme bewerben.

"Das Behindertenparlament soll die Vielfalt der Behinderungen und der Organisationen in Berlin ausgewogen abbilden. Besonders wichtig ist es Christian Specht und dem Vorbereitungsteam, dass im Behindertenparlament auch Menschen mit geistiger Beeinträchtigung und Menschen mit psychischen Behinderungen gleichberechtigt vertreten sind", so eine gemeinsame Pressemitteilung. Abzüglich der Plätze für Assistenzgebende und Gäste soll es Platz für ca. 80-120 Vertreter_Innen im Behindertenparlament geben.

Welche Themen wird die Debatte umfassen?

Zu den fünf Themen Arbeit, Bildung, Mobilität, Wohnen sowie Gesundheit/Pflege werden zurzeit in Fokusgruppen Anträge an das Behindertenparlament erarbeitet. Diese Anträge werden von den Teilnehmenden diskutiert und verabschiedet. Sie sind Handlungsaufträge an die Politik.

Für eine möglichst barrierefreie Teilhabe wird ein umfassendes Unterstützungskonzept erarbeitet. Die Herausforderung, das Abgeordnetenhaus für eine bisher nicht da gewesene Menge von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen zu ertüchtigen, stellt eine enorme Herausforderung dar. Von Assistenz, über Rampen, Dolmetschen in einfache Sprache, Schriftsprache, Gebärdensprache, Leitsysteme und ausreichend barrierefreie Sanitärräume bis hin zu einem Evakuierungsplan ist Einiges an Logistik zu gewährleisten.

Abgeordnete begleiten das Projekt seit Sommer 2019

Unterstützung hat das Präsidium des Abgeordnetenhauses zugesichert, Abgeordnete aus Regierungs- wie Oppositionsparteien begleiten das im Entstehen befindliche Projekt seit Sommer 2019. Als partizipatives Element aus der Zivilgesellschaft soll das Behindertenparlament ein wichtiges Sprachrohr werden, die selbstvertretenen Interessen von Menschen mit Behinderungen aus ganz Berlin direkt an die Politik und die Öffentlichkeit zu adressieren.

Berlin (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sjqrx17



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16Lesermeinungen

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1

Teutonien kennt keine Demokraten und keine Republikaner. Es sind nur Partizipanten. 'Hauptsache repräsentativ' hieß es aber auch schon in der kaiserlichen Ständeversammlung. Weiter sind die noch nicht.

Das ist der wesentliche Grund warum die UN-BRK dort keine Wurzeln schlagen kann. Und das ist der wesentlich Grund warum es in größeren zeitlichen Abständen immer wieder zu erfolgreichen und spektakulären Angriffen von Rechts kommt. Es gibt dort keine Verteidigung.

Ich finde es wird Zeit das sich der Entwicklungshelfer Thomas Gill von der Landeszentrale für politische Bildung Berlin erklärt, wenn es nicht schon obsolet zu spät ist.

2

Es ist gut, dass es in Berlin eine Versammlung von Interessenvertreter*innen behinderter Menschen gibt.

Als leidenschaftlicher Verfechter der parlamentarischen Demokratie habe ich mehrere Probleme mit dieser Veranstaltung.
- Der Name "Behindertenparlament" ist unpassend und irreführend. Das, was da am 18. Juni stattfindet, ist eine Versammlung von Interessenvertreter*innen, aber kein Parlament. Was dabei beschlossen wird, sind also Forderungen ohhe jede Verbindlichkeit. Die Bezeichnung "Parlament" sollte für Gremien reserviert bleiben, die verbindliche Beschlüsse für das jeweilige Gebiet fassen können.

- Wir würden (zu Recht) dagegen protestieren, wenn die Handwerkskammer ein "Handwerker-Parlament" oder der ADAC ein "Autofahrerparlament" veranstalten würden.
- Ja, es gibt Kinder- und Jugendparlamente. Das sind aber oft Veranstaltungen der politischen Bildung oder Gremien zur Beteiligung von Menschen, die aufgrund ihres Alters nicht wählen dürfen.
- Über die Zusammensetzung eines Parlaments darf keine intransparente Vorbereitungsgruppe entscheiden, es muss gewählt werden.
- Genau so problematisch ist, dass Anträge in "Fokusgruoppen" vorbereitet werden, von denen bestenfalls nur die Beteiligten wissen, wie sie zustande kommen, und nicht von "Mitgliedern" der Versammlung.

Also bitte, gebt der Veranstaltung einen Namen, der ihrem Charakter gerecht wird und vor allem keine falschen Erwartungen weckt!

3

Sehr geehrter Sven Drebes.

Ich teile ihren konservativen Ansatz zur Verwendung des Begriffes Parlament. Gar nicht geht alles was in Kategorien wie 'Schwatzbude' von Rechts herein kommt.

Die Behinderten der Berliner Linkspartei haben gerade auf ihrer öffentlichen Vorstandssitzung diesen Vorschlag unterbreitet: 'Rat der in Berlin Behinderten'. So können Grüne sich an Treffen verschiedener 'Ratschläge' erinnert fühlen und wir Roten träumen von republikanischen Räten. So, jeder wie er mag. Hauptsache schön breit angelegt.

Schönen Abend wünscht,
Götz Wilhelm Renger

- - - - - Der nächste Tag - - - - -

Ein republikanisches Projekt könnte Antworten auf drängende Fragen geben:

Wie erreichen wir eine Skalierung und Verstetigung der Versammlung?
Antwort: Dafür wird eine ständige Infrastruktur benötigt.

Wie vermeiden wir Engführungen in der Debatte?
Antwort: Durch das Recht Debattenpunkte erneut auf die Tagesordnung zu hieven.

Warum sollten wir einen republikanischen Aufbruch wagen?
Antwort: Wir müssen Einhegungsversuchen von Rechts-Oben aktiv begegnen, da sie alle nur in Bornierungen und Leid münden.

- - - - - Der dritte Tag - - - - -

Womit sich die Versammlung sicher wird auseinandersetzen müssen sind die Gefahrenklippen der politischen Verstolperung. Zu große zeitliche Abstände zwischen den Versammlungen bringen die Themen nicht in Bewegung, sondern würgen sie ab. Partizipation darf keine Selbstbestimmung ersetzen oder unsere Zeit, unsere Kraft oder unsere Geduld über Gebühr beanspruchen. Parlament, Rat und Beirat sind politisch gesehen nicht ein und die selbe oder die gleiche Sache. Ein Rat kann auch Aufgaben übernehmen, welche (vielleicht auch nur scheinbar) abseits des politischen Geschehens liegen, oder er kann sie zurückweisen. Ein Rat holt auch Ratschläge ein oder fasst diese, um nach Innen, wie auch nach Außen unterschiedliche Adressaten zu erreichen. Sowas schafft niemand allein nur mit einem großen, lauten Sprachrohr! 80-120 Augen, Ohren und/oder Seelen müssen das dann auch tragen. Ein Beirat (§6 Berliner Landesgleichberechtigungsgesetz ) muss sich da schon sehr viel mehr an Abläufe im Abgeordnetenhaus und in der Verwaltung gebunden sehen, da sie meist die Tagesordnung und damit die Debatteninhalte bestimmen. Ein Parlament wird es nicht, weil die Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind und eine Form des 'Ersatzes für ein Parlament für ...,' darf es nicht sein.

4

Wo Sie die Räte feiern: Was macht so ein "Behindertenparlament" mit den Behindertenbeiräten? Wäre es nicht besser, an der Zusammensetzung und den Befugnissen / Möglichkeiten dieser Beiräte zu arbeiten, statt etwas daneben zu setzen?

5

Sehr geehrter Sven Drebes.

Der Zweck heiligt die Mittel

Ich möchte die Fragen zur Organisation zweckmäßig und zeitgemäß beantworten.

Öffentlichkeit herzustellen ist teuer. Eine barrierefreie Öffentlichkeit für 80-120 Personen herzustellen wird noch teurer. Eine bauliche und finanzielle Lösung könnte das Berliner Abgeordnetenhaus anbieten. Die Organisation einer so großen und breiten Veranstaltung bedarf der Entwicklung. Eindrücke, Erfahrungen und Initiativen werden anfänglich immer und immer wieder aus der Versammlung an die Versammlungsleitung gerichtet werden. Dieser Prozess braucht Zeit und könnte auf einer zweiten Versammlung für innere Angelegenheit ausgelagert werden. Wichtig ist: Es gilt das öffentlich gesprochene oder gebärdete Wort. Alles wird an Ort und Stelle und in Echtzeit mündlich oder per Gebärde eingebracht, beraten und entschieden. Es wird ein 1a Wort Protokoll gefertigt, wobei Protokoll Profis aus dem Abgeordnetenhaus um Tipps, Tarife und Techniken angefragt werden sollten.

Schriftliche Eingaben, Anträge, Berichte, Antworten, Protokolle, Grußadressen und was des schriftlichen noch so gibt wird als Anschlag in einer einzigen chronologischen Reihenfolge und ohne unübersichtliche, weil abzweigende Unterkategorien auf einer Webseite im Internet veröffentlicht. Was da nicht erschienen ist, das gilt nicht.

Wir werden kommen um zu bleiben

In der TAZ vom 6.1.2020 lese ich die Äußerung der Abgeordneten Stefanie Fuchs (Die Linke) : "Längerfristig sei das Ziel, dass es das Behindertenparlament nicht mehr brauche, da Menschen mit Behinderung im gewählten Abgeordnetenhaus mitstreiten. Viele Menschen in Berlin lebten mit Beeinträchtigungen, ihr Anteil sei aber parlamentarisch nicht ausreichend repräsentiert, sagt Fuchs."

Der Abgeordneten Fuchs schwebt so etwas vor wie ein Beirat Behinderter in Abhängigkeit von Abgeordneten des Abgeordnetenhauses vor, der seine erste und vornehmste Legitimation aus einer generell mangelnden Erfüllung der Repräsentanz Behinderter im Abgeordnetenhaus ziehen soll. Vielleicht wird es so etwas wie ein Schaulaufen zukünftiger Politiker. Jeder fängt mal klein an. Und zwar gleich doppelt belastet als Sprecher in eigener Sache und als Delegierter. Der Titel Vertreter war auch schon genannt. So soll sich schnell die Spreu vom Weizen trennen.

Dazu sage ich: Nein danke. Das ist Aufgabe der Parteien. Parlamentarische Demokratie kooptiert sich nicht. Das geht mit Links schon gar nicht, Frau Abgeordnete Fuchs.

Weg und Abseits von den Katzentischen

Die selbstbestimmteste Form sich in einer Demokratie zu organisieren ist der Rat, welcher seinen Zweck und seine Legitimation aus einem republikanischen Anspruch heraus postuliert. Öffentlichkeit und Gerechtigkeit für alle in Berlin Behinderten herzustellen. Barrieren abzubauen, obsolete Institutionen und gesellschaftliche Strukturen abzubauen, Einhegungsversuchen von rechts oben zu begegnen, gemeinsam Antworten auf die Schrecken zu finden die uns die AfD bereitet hat und Behinderte aus der Enge der Einrichtungen zu befreien heißt: der republikanische Zweck.

Alle verschrobenen und vermachteten Fragen nach Repräsentants, Proporz, delegiertem Hinterzimmer Auftrag, Verdiensten, der Dauer einer Zugehörigkeit und Legitimation können wir ein für allemal klären: Zutritt hat jeder Berliner und jede Berlinerin mit Schwerbehindertenausweis. Menschen ohne Schwerbehindertenausweis können wir einen vorläufigen Ausweis stellen, den wir selber drucken und austeilen. Alle in der Rolle von Abgeordneten, Senatoren, Verwaltungsangestellten, Geschäftsführern und geladenen Gästen reden nur wenn sie gefragt werden und ihnen das Wort erteilt wird und nur zur gestellten Frage. Das gilt auch für Behinderte in den vorgenannten Rollen. Die Rollen sind beim Betreten des Plenums durch gut sichtbare Zeichen mit Namen an der Kleidung zu kennzeichnen.

Behinderte Minderjährige, Menschen mit Lernschwierigkeiten und Schutz suchende Menschen ohne geklärten Aufenthaltsstatus genießen Privilegien bei der Einnahme von Zeit und Raum. Ihr Platz ist in der Mitte und ihnen allein ist der Vortritt zum begrenzten Platzangebot, bei der Besetzung von Redelisten und bei der Priorisierung von Tagesordnungspunkten zu gewähren.

Es lebe die Republik!

6

Hallo Götz Renger,

wie gesagt, ich hate seht viel von einer Veranstaltung, bei der behinderte Menschen zusammen kommen, um ihre Interessen zu vertreten und zu bündeln. Das kann dann von mir aus auch im Abgeordnetenhaus stattfinden, auch wenn es in Berlin bestimmt barriereärmere Orte gibt.
Das "Berliner Behindertenparlament", wie es jetzt geplant ist, wird aber wahrscheinlich weder Ihren noch meinen Ansprüchen gerecht. Das fängt beim Datum (ein Donnerstag tagsüber) an, geht mit einem wenig transparenten Auswahlverfahren weiter und hört damit nicht auf, dass Anträge schon erarbeitet werden, bevor überhaupt feststeht, wer im Parlament sein wird.

Ein paar Punkte Ihres letzten Beitrags möchte ich aber hinterfragen:
- Warum soll eine Versammlung behinderter Menschen das Privileg bekommen, die Ressourcen des Abgeordnetenhauses zu nutzen? Wir würden uns ja vermutlich beide dagegen wehren, wenn die Handwerkskammer oder die Verbände der Autofahrer das beanspruchen würden.
- Der Schwerbehindertenausweis ist doch ein fragwüürdiges Kriterium, und Ausweise von "Bürgen" sind ähnlich fragwürdig.
- Und schließlich: Woher nehmen Sie die Hoffnung, dass eine echte Versammlung behinderter Menschen ein Instrument gegen "rechts oben" sein kann? Romantisieren Sie "uns" da nicht? Ich weiß aus eigener Anschauung, dass es nicht nur behinderte Unionsanhänger und -Abgeordnete gibt, sondern auch AfD-Abgeordnete und -Wähler, die behindert sind / werden.

7

Hallo Sven Drebes.

Zur ersten Frage fällt mir nur eine Vermutung ein: Das Abgeordnetenhaus ist dem Vorhaben wohl gesonnen und möchte es unterstützen.

Die zweite Frage berührt viele psychisch Beeinträchtige aber auch einen großen Teil von Kindern und Jugendlichen in Sondereinrichtungen und Alte ohne Schwerbehindertenausweis. Personen dieser Gruppen sollten ihre Sache auch öffentlich vertreten und an unserer Seite streiten können. Die gesetzlichen Grundlagen zur Anerkennung einer Behinderung hinken noch immer hinter der UN-BRK hinterher. Da müssen wir einer Separierung und einer Aus- und Abgrenzung zuvor kommen, bzw. wir sollten uns Voraus schauend verhalten.

Und schließlich meine Bitte: Sollte ich anfangen zu Romantisieren und in ein 'wir und die' verfallen, dann fahren Sie mir bitte unverzüglich in meine Parade und beenden sie solchen Unfug. Was wir nicht machen sollten ist, bei der vorherrschende Einteilung in 'Betroffenheiten' und 'Identitäten' mitzumachen. Mein Blut ist nicht röter als Ihr Blut oder das eines jeden anderen Menschen. Genau gegen dieses Gebot richtet sich die einhegende Gewalt von rechts oben. Die will uns am liebsten Einzeln und schön nacheinander in passenden Gängen und Portionen abfrühstücken.

An mir aber sollen sie sich den Hals verrenken.

Herzlich Ihr
Götz Wilhelm Renger

8
Michael Günter

Hallo Herr Renger,
ich befürchte, auch wenn ich mir hier manche Beiträge durchlese, dass die Einhegungsversuche, nicht von Oben-Rechts kommen, sondern ein immanentes Problem auch in der Behindertenselbstvertretung sind!
In dem Thread zur "Brief zu Bundestagsteilhabebedarf angekommen" habe ich schonmal auf das Kernproblem hingewiesen. Viele Forderungen nach Partizipation (Teilhabe) und Selbstbestimmung gehen doch am - sorry - harten Kern vorbei und betreffen nur die Begüterten (allein das auf dieser Plattform verlinkte Material zum Thema Partizipation aus Sicht des BeB treibt einem doch die Tränen in die Augen...).

9

Hallo Herr Günter.

Die Modernisierung partizipativer Angebote von Seiten der Einrichtungen oder Dienste für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder psychischen Einschränkungen ist hier nicht das Thema. Die 3. politische Dimension der BeB Anstrengung spielt sich wohl so ab, das man vom Gestern kommend einer Zukunft zugehen möchte.

Gleichwohl wäre es naiv und gar zu armselig sich zu wünschen, es möge Orte geben an denen wichtige politische Dimensionen wie Rechts und Links und Oben und Unten quasi aufgehoben seien (z.B. weil kommunikativ nicht verfügbar). Nach dem Motto: Wir treffen keine Vorsorge, weil es bei uns keine Gefahr von Rechts gibt, denn Politik hat in unserer Einrichtung nichts zu suchen.

Also bitte nicht Abschweifen oder auf Nebenwidersprüchen ausrutschen.

10
Michael Günter

Hallo Herr Renger,
doch die "Neuausrichtung" der Anstaltsträger ist hier sehr wohl Thema - denn diese werden zu dieser Veranstaltung auch geladen!
Eben aus diesem Grund wies ich auf den "harten Kern" hin - das sind diejenigen die bei der Veranstaltung eben nicht zu Wort kommen werden, weil sie keine Worte haben - womit rechts-links, oben-unten nicht obsolet werden, sondern im Gegenteil mitbedacht werden müssen!
Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer, diese Mitmenschen waren gar nicht an dem ganzen Rumgeschiebe, was uns gerade als BTHG auf die Füße fällt exakt Null beteiligt!
Mir geht es nicht um Nebenwidersprüche,
sondern systemimmanente Exklusion, vor der diese Mitmenschen nicht geschützt werden, während sich die - sorry- "etablierten
Selbstvertreter" irgendwo Schnittchen reinhauen...oder über die örtlichen Begebenheiten hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit sinieren...
Behinderung ist ein soziales Faktum, der ganze Diskurs ist politisch (und man kann nicht nicht-kommunizieren, also sprechen auch die, die es nicht können in dem Diskurs!).

11

Sehr geehrter Michael Günter.

Das Problem, das sie da noch nicht von Anfang bis zum Ende komplett durchdacht haben, legen Sie mir als unvollständiges Rätsel zum Ausmalen vor. Ich möchte einerseits schmunzeln und andererseits reist mich meine republikanische Räson davor immer wieder zurück.

Es gibt Antworten auf die Frage, was eine Assistenz zur Überwindung von Barrieren tun muss. Und es gibt wohl noch mehr Antworten darauf, was eine Assistenz tunlichst zu unterlassen hat. Auf Letzteres wird noch in der Interaktion selbst hingewiesen und das wird sofort und noch am selben Ort sanktioniert. Zwischenrufe sind aus der Versammlung ja erlaubt und sind ein gängiges Mittel im zivilen Umgang miteinander. Mit der schon erwähnten Einschränkung, das Vertreter von Institutionen nur reden, wenn sie aus der Versammlung dazu aufgefordert werden und die Versammlungsleitung ihnen das Wort auf Zeit gegeben hat und nur so lange nicht Abgeschwiffen wird oder andere Moral Suasion zu beenden ist.

Deutschland ist wahrlich nicht das Land republikanischer Tugenden, deshalb tut der Deutsche sich damit bis heute schwer. Frankreich und USA sehen da schon ganz anders aus. Als Erinnerung und Wiederholung dessen, was ich bereits hier dargelegt habe.

Jeder und jede in Berlin Behinderte ist souveräner Teil des republikanischen Rates. Der republikanische Auftrag dieses Rates lautet: eine Politik aus der ersten Person Singular zu ermöglichen, zu verteidigen und zum Wohle der Allgemeinheit zu entfalten.

Wer als Assistentin oder Assistent für einen oder mehrere Klienten spricht, stellt diese Anwesenden namentlich vor. Die Klienten müssen per Zeichen klar machen, dass das Gesagte ihrem Willen entspricht oder das es ergänzt werden muss oder das Nachfragen bestehen. Stellt sich noch im Vortrag oder in der Interaktion selbst heraus, das für eine Institution das Wort ergriffen wird, statt wie vorgesehen für den Souverän, dann wird der sichtbar zu tragende Behindertenausweis durch die Versammlungsleitung durch ein Institutionenkärtchen ersetzt. Die Inkonsistenz einer Institution ist nicht das Problem des Rates. Das muss die Institution selber klären. Der Rat kann misslungene Assistenz und damit misslungene Kommunikation nur feststellen. Oder die Person wird von der Versammlungsleitung entfernt und darf sich um einen späteren Termin bemühen, wo über seinen erneuten Zutritt zur Versammlung beraten und entschieden wird.

Das alles per Anschlag zur Einrichtung eines Tagesordnungspunktes auf der schon erwähnten einen chronologischen Liste schriftlicher Sachen die den Rat betreffen. Und bitte keine Werbung einfüllen oder feuchten public relation Träumen nachgehen. Dafür gibt es weitlich andere und bessere Orte.

Und wo kneift es Sie nun noch?

- - - - - um den Verdächtigungen zu vor zu kommen - - - - -
Ich bin nicht Institutionen feindlich. Jeder und Jede die das Wort ergreift, darf selbstverständlich zur besseren politischen Einordnung dessen, was zur Sprache gebracht werden muss, seine Vereinsmitgliedschaft in seiner namentlichen Vorstellung erwähnen. Aber eben nur kurz. Wenn die aufgezählte Liste der Titel der wichtigen Wichte zu lang wird, dann ist Schluss mit autoritären Gemache. Ich denke das sich die Zivilgesellschaft und die Institutionen verändern müssen. Ich möchte ihr Profil unverfälscht zur Geltung gebracht wissen. Keine doppelt und dreifachen unilateralen Auftritte und damit keine unnötigen Belastungen eines oder einer jeden Einzelnen mehr. Das schafft Übersicht und Klarheit und das sind wir uns schuldig.

12
Michael Günter

Hmm,
so romantisch-sympathisch wie historisch-bekannt mir ihr räterepublikanischer Ansatz erscheint, so lese ich ziemlich genau nichts davon in den 2 Artikeln, die bisher zu dem Thema hier verlinkt wurden...

Andererseits lese ich durchaus Vorfestlegungen - 80-120 "Behinderte", was mir angesichts einer Einwohnerzahl von 3,6 Millionen und demnach statisch rund 350.000 "Behinderten" doch eher lachhaft gering erscheint.

Ebenso fehlt mir eine klare Aussage des Berliner Senats zu der Veranstaltung, etwa in der Form, dass sämtliche Assistenzleistung, die einzelne Teilnehmer zu Teilhabe daran benötigen, nicht auf deren jeweilige Budgets angerechnet werden - und dass sämtliche Dolmetscherleistungen komplett übernommen werden. Wenn dadurch gewisse Personengruppen im Rat also gar nicht vertreten sind/sein werden, dann frage ich mich, wie der Rat dies feststellen soll? Dies geht nur, wenn die Assistenz, wie sie schreiben, misslungen ausgeführt wird, aber nicht wenn ganze Gruppen fehlen!

"Der republikanische Auftrag dieses Rates lautet: eine Politik aus der ersten Person Singular zu ermöglichen, zu verteidigen und zum Wohle der Allgemeinheit zu entfalten." - nochmal, was ist mit denen, die sich nicht äußern können? Sorry, sie vertreten hier einen Capability-Ansatz, der Fähigkeiten wie Zustimmungs-, Selbstbestimmungs- und Partizipationsfähigkeit voraussetzt! Partizipation ist allerdings gar keine Fähigkeit, sondern macht den Mensch zu Menschen, ganz im Sinne eines "Schön, dass sie da sind!" oder philosophischer: Der Mensch ist zu begreifen als singulär plural (J.-L.Nancy) oder wie Lucien Seve es vor fast 50 Jahren definierte:
"Das Individuum ist einmalig im wesentlich Gesellschaftlichen seiner Persönlichkeit und gesellschaftlich im wesentlich einmaligen seiner Persönlichkeit..."

13

Sehr geehrter Herr Günter.

Die erste Frage habe ich nicht zu beantworten. Sagen sie bitte wer ihnen antworten soll.

Ihre Geringschätzung eines vermeintlich lachhaften Platzangebots kann Ihnen schnell im Halse stecken bleiben wenn die Besucherzahlen zurück gehen.

Drittens: Eine Frage der Kostenübernahme richten Sie bitte an einen Vertreter des Senates, wenn es Zeit ist. Sie äußern: "Wenn dadurch gewisse Personengruppen im Rat also gar nicht vertreten sind/sein werden, dann frage ich mich, wie der Rat dies feststellen soll?" Das ist aber keine Frage. Die Antwort müssen Sie liefern, wenn es Zeit ist.

Sie gehen mir auf den Keks wenn Sie insistieren: "nochmal, was ist mit denen, die sich nicht äußern können? Sorry, sie vertreten hier einen Capability-Ansatz, der Fähigkeiten wie Zustimmungs-, Selbstbestimmungs- und Partizipationsfähigkeit voraussetzt!"

Tu ich das? Weil ich auf vollständiger, gleichberechtigter und reflexiver Kommunikation bestehe?

Für wen schwadronieren Sie hier stellvertetend herum? Zeigen Sie sich und geben Sie Antworten, wenn Sie es gut mit der Revolution meinen.

14
Michael Günter

Hmm,

sie fahren aber schnell hoch...

Zu ihren Fragen: Ja, tun sie indem sie Standardfähigkeiten für
die Teilnahme festlegen. Was ist denn mit denen, die sich nicht
äußern könne habe ich gefragt - konkret mal sog. schwerstmehrfach
behinderte Mitmenschen oder Wachkoma"patienten" oder solchen mit
Locked-in-Syndrom? Ihre Antwort ist erneut ein Hinweis auf
Fähigkeiten, diesmal also Reflexionsfähigkeit und die Fähigkeit
vollständige Kommunikation realisieren zu können - beides unter
dem Vorsatz von Gleichberechtigung.

Jetzt bedeutet Gleichberechtigung nicht automatisch
Nichtdiskriminierung, sonst hätte man sich die UN-BRK gleich
schenken können, denn die Gleichberechtigung ist in den
Menschenrechten seit mehr als 70 Jahren schriftlich verfasst...
Ich schreibe auch hier nicht im Auftrag, noch sehe ich mich als
Missionar, allerdings bringt man Diskurse nicht schweigend voran...

15

Sehr geehrter Michael Günter.

Reflektionsfähigkeit setze ich in einem Mindestmaß voraus, auch wenn sie von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgebildet sein mag. Ich zählte aber nicht die Reflektionsfähigkeit zu den Voraussetzungen einer gelungenen Kommunikation. Da steht das Adjektiv 'reflexiv'. Reflexive Kommunikation bedeutet: sich (auf das Subjekt) zurückbeziehend; rückbezüglich
Die Geste ist also: 'Ja, ich sehe Sie.' 'Ja, ich verstehe warum Sie das in ihrer Lage so sagen.'

Die 'Vollständigkeit' ergibt sich aus einem gelungenen Dialog durch Nachfragen und Ergänzung und der Feststellung, das nun alles gesagt wurde.

Die 'Gleichberechtigung' soll Ungleichheit kompensieren und setzt eben gerade nicht Gleichheit voraus.

Und weiter:
Ich bestehe darauf, das Assistenten nur assistieren wenn ihre Klienten anwesend sind und der Wille des Klienten oder der Klientin deutlich bezeugt ist. Das Mikro abdrehen würde ich bei jedem Robin Hood in grüner Strumpfhose der nur mal eben allgemein für Witwen und Waisen sammeln möchte.

Und hier meine Rückfrage: Wie würden Sie denn ihre Rechte als immobiler Wachkoma Patient vertreten wissen wollen?

Sicher soll sich nicht jeder an ihnen Reiben dürfen und sie als Deko missbrauchen. Und das sehe ich leider oft. Das gibt jedesmal einen Heiden Krach.

Und schließlich: Meine PatVerfü beinhaltet kein politisches Mandat. Ich denke aber jetzt darüber nach ein politisches Mandat explizit in meiner PatVerfü auszuschließen und danke Ihnen für die Anregung.

Eine letzte (reflexive) Frage noch: Werden Sie, so wie ich, persönlich behindert? Kurz: Sind sie ein Behinderter? Und wenn nein, für wenn sprechen Sie stellvertreten?

16
Michael Günter

Hallo Herr Drebes,
ich finde Parlament schon passend - da wird halt geredet oder gebabbelt, wie die Hessen sagen....
Ihr inhaltlicher Hinweis auf die beschränkte Reichweite greift zwar in gewisser Weise, andererseits hüpfen bei unseren Meinungsvertretern genügend Präsidenten von Sonstwas rum.
Wesentlich ist doch, dass wir Partizipation ergreifen können...