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Bunt ist schöner: Poster für Diversität und Inklusion von Kassandra Ruhm

Brücke mit Textaufschrift, die im Beitrag erläutert ist
Brücke mit Aufschrift, die im Text erläutert ist
Foto: Kassandra Ruhm

Bremen (kobinet) "Bunt ist schöner", so lautet der Titel eines Poster-Projektes von Kassandra Ruhm. Die Poster zeigen Menschen in verschiedenen Lebenssituationen. Zu sehen sind Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung und Herkunft. Nach dem Motto "Nichts über uns, ohne uns" startete Kassandra Ruhm dieses Posterprojekt über Inklusion und Diversität. Die Poster gibt es nicht nur im Internet, sondern auch an zentralen Orten in Bremen zu sehen. Bei ihrer Mitfahrt von Bremen nach Hamburg mit der Reisegruppe NIemand hat Kassandra Ruhm der Gruppe ein Poster für den Bundespräsidenten mitgegeben. Darauf steht: "Ich wünsche mir, dass bei den sogenannten 'Normalen' ankommt, dass sie nicht das Recht haben, behinderte Menschen auszuschließen oder zu benachteiligen. Bloß weil es für sie selbst komfortabler ist. Teilhabe ist unser Recht, kein freiwilliges Almosen."

In folgendem Interview zum Poster-Projekt erklärt Kassandra Ruhm, worum es ihr dabei geht:

Wie kam es dazu, dass Sie dieses Projekt gestartet haben?

Eines Nachts kam mir plötzlich die Idee, eine Serie von gesellschaftspolitischen Postern zu machen. Darauf sollten Menschen aus unterschiedlichen Lebenssituationen zu Wort kommen, die im gesellschaftlichen Blick manchmal zu wenig berücksichtigt werden. Natürlich sind ein Schwerpunkt des Projekts die Sichtweisen von behinderten Menschen. Aber es kommen zum Beispiel auch schwule, lesbische oder schwarze Menschen zu Wort oder welche "mit Migrationshintergrund" oder oder oder.

Ich finde, dass es viele Parallelen zwischen unterschiedlichen Diskriminierungsformen gibt. "Schwul" wird auf Schulhöfen genauso als Schimpfwort verwandt, wie "Spasti" oder "behindert". (Scheinbar) muslimische Menschen erleben manchmal, auf ein einziges Merkmal, nämlich ihre Religion reduziert zu werden und daraufhin eine Reihe von Eigenschaften, Verhaltensweisen und Meinungen zugeschrieben zu bekommen. Andere Eigenschaften oder Gruppenzugehörigkeiten treten hinter der (vermeintlichen) Zugehörigkeit zum Islam zurück. Wenn vielleicht auch nicht ganz so ausgeprägt und mit anderer Geschmacksrichtung, habe ich als Rollstuhlfahrerin oft Ähnliches erlebt. Häufig werden mir Eigenschaften zugeschrieben, die wenig mit mir zu tun haben. "Hilflos" bin ich zum Beispiel selten, wenn Fremde anwesend sind. Erwartet wird es hingegen regelmäßig von mir. Ob ich lesbisch bin oder nicht, spielt allerdings kaum noch eine Rolle. Zugehörig soll ich in der Gruppe "behindert" sein.

Von schwarzen Freund_innen und Bekannten habe ich ähnlich wie von vielen behinderten Menschen gehört, dass ihre beruflichen Kompetenzen und ihre Fähigkeiten beizeiten ausgeblendet oder sie als weniger klug angesehen wurden. Um nur ein paar der Parallelen zwischen den verschiedenen Gruppen zu benennen. Außerdem denke ich, dass wir alle zusammen gehören. Deshalb wollte ich gerne ein gemeinsames Projekt machen. Nach dem nächtlichen Einfall dazu hat mich die Idee nicht mehr los gelassen. Nach ein paar Tagen stand fest, dass ich versuchen will, das Projekt umzusetzen. Mit einem neuen Poster jede Woche, ein ganzes Jahr lang.

Was war der Auslöser?

Die Freude und die Begeisterung, meine Projektidee, die mir so gut gefällt, tatsächlich umsetzen zu können. Naja, in gewisser Hinsicht war außerdem ein Auslöser, dass es noch vieles gibt, das sich ändern sollte, wenn wir eine faire Gesellschaft haben wollen, und das ein Poster verdient hätte. Weil es schöner ist, in einer "bunten" Gesellschaft zu leben. Mit Respekt und anständigen Chancen für alle Menschen gleichermaßen.

Wieso haben Sie das Medium Poster gewählt?

Poster sind so leicht und praktisch an vielen verschiedenen Orten zu benutzen. Letztes Jahr habe ich zum Protesttag eine Videoinstallation mit dem Titel "Herzlich Willkommen" entwickelt, die an 17 Orten in Bremen gleichzeitig in Dauerschleifen lief. Das war richtig toll. Aber es war für die Orte viel aufwendiger, sich zu beteiligen und nicht so lange sichtbar, als wenn man Poster aufhängt.Außerdem mag ich Poster einfach gerne.

Soll das Projekt über Bremen und Deutschland hinaus gehen?

Ja, klar! Das ist der wichtigste Bestandteil meines Projekts: Ich stelle fertige Druck-Dateien für die Poster zum Download auf meine Homepage, in der Rubrik "Bilder". Die Druck-Datei kann man sich einfach auf einen USB-Stick ziehen, zum nächsten Copy-Shop, der gute Farb-Digital-Drucke in DIN A 3 anbietet und das Poster dort ausdrucken lassen. Farbdrucke in DIN A 3 sind meist sehr preisgünstig zu haben, für rund 1 €. So kann man sich die teuren Versandkosten sparen. Den kostenlosen Internet-Download habe ich eingerichtet, weil mein Ziel ist, dass die Poster sich möglichst gut verteilen und an vielen verschiedenen Orten genutzt werden können.

Wer alles kann Ihre Poster aufhängen?

Alle Menschen, die Zugang zum Internet haben, um die Druckdateien herunter zu laden. Eine kleinere Auflage jedes zweiten Posters lasse ich in DIN A 2-Größe für die Verwendung in Bremen drucken. Theoretisch kann ich Poster auch zuschicken, aber allein das Porto kostet 6 €, dazu 1,50 € für die Versandrolle. Deshalb fand ich die Lösung mit den Druck-Dateien auf meiner Homepage besser. Aber mit diesen 3 Möglichkeiten sollten alle, die wollen, die Poster bekommen können.

Sprechen Sie auch Menschen aus anderen Ländern an?

Das Gute am Internet ist, dass es nicht an Staatsgrenzen gebunden ist. Zumindest von einigen Ausnahmen abgesehen. Deshalb ist egal, ob man bei mir im Stadtteil, in Österreich oder auf einem anderen Kontinent sitzt, wenn man sich die Poster online ansehen oder die Druckdateien herunterladen will. Die Schrift auf meinen Postern ist deutsch. Wenn jemand Zugang zu internationalen Netzwerken hat und es Bedarf gibt, könnte ich theoretisch Poster übersetzen lassen. Jetzt ist das noch nicht in Planung. Aber ich bin offen, bei Interesse angesprochen zu werden. Als Modelle sind auch Menschen auf den Postern, die ursprünglich aus anderen Ländern kommen und aus dem einen oder anderen Grund in meiner Nähe waren. Die habe ich vorm Fotografieren angesprochen und sie nicht einfach überrascht. Aber ich glaube, so war die Frage nicht gemeint, oder? 😉

Wie haben Sie Ihre Modelle gefunden?

Ich lebe in einem sehr "bunten" Umfeld. Da ich selbst als lesbische Rollstuhlfahrerin zwei "Minderheiten" angehöre, in einem Haus wohne, in dem Menschen aus 10 unterschiedlichen Nationen leben, an einer Universität arbeite und ein kontaktfreudiger Mensch bin, war es gar nicht so schwer für mich, die Modelle zu finden. Die meisten kannte ich vorher schon flüchtig oder näher oder es sind Freunde von Bekannten.

Was erhoffen Sie sich für das Projekt?

Dass es möglichst viele Menschen teilen und weiterleiten. Damit die Poster an vielen Stellen genutzt werden und zum Weiterdenken anregen können.

Am meisten wünsche ich mir natürlich, dass die Poster helfen, Vorurteile abzubauen und Missstände zu verbessern. Dass sie Menschen die Lebenssituation von anderen vertrauter und dadurch den Umgang miteinander angenehmer machen. Ich habe mir eine Menge Arbeit mit dem Projekt gemacht, weil ich möchte, dass meine Poster mithelfen, unsere Gesellschaft fairer, bunter und schöner zu machen. Dafür ist jedes Verbreiten eine gute Hilfe! Ein dickes Danke an alle, die es tun!

Link zu den Postern und zu weiteren Infos

Für blinde und sehbehinderte Menschen gibt es übrigens Beschreibungen der Poster als Hördateien. Für mehr Infos und für Absprachen: mail[at]kassandra[minus]ruhm.de Bitte eine Telefonnummer für Rückrufe angeben.