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Signal für Vielfalt und Inklusion aus Erfurt

Beleuchtetes Hinweisschild auf die ISL-Mitgliederversammlung der Messe Erfurt
Beleuchtetes Hinweisschild auf die ISL-Mitgliederversammlung der Messe Erfurt
Foto: kobinet/omp

Erfurt (kobinet) Der Selbstvertretungsverband behinderter Menschen, Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL), hat von seiner Mitgliederversammlung in Erfurt ein starkes Signal für Vielfalt und Inklusion ausgesandt. "Menschenrechte müssen nicht nur erkämpft, sondern auch immer wieder verteidigt werden. Dabei ist die Zusammenarbeit und die Solidarität mit anderen Gruppen, die für Vielfalt und Inklusion eintreten, nötiger denn je“, betonte die Geschäftsführerin der ISL, Dr. Sigrid Arnade zum Abschluss der Veranstaltung, die am 15. und 16. November in der Messe Erfurt stattfand.

"Um echte Vielfalt und Inklusion im Alltag leben zu können, müssen behinderte Menschen auch mitten in der Gesellschaft leben, arbeiten und von Anfang an im Bildungswesen dabei sein. Nur so lernt man sich kennen und setzt sich gegenseitig füreinander ein“, erklärte Dr. Sigrid Arnade. Die UN-Behindertenrechtskonvention biete hierfür einen klaren Rahmen und Wegweiser, was die Verantwortlichen zu tun haben, um die Gesellschaft inklusiv zu gestalten, so dass auch eine gleichberechtigte Teilnahme an Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten für alle möglich ist.

"Dabei geht es entscheidend darum, dass behinderte Menschen selbst bestimmen können, wie sie leben wollen, und dafür die nötige Unterstützung bekommen. Das bisherige weitgehend auf Aussonderung ausgerichtete System der sogenannten Behindertenhilfe muss daher grundlegend umgestaltet werden“, betonte Dr. Sigrid Arnade. Den Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dass intensiv beatmete Menschen zukünftig nur noch in Ausnahmefällen zu Hause unterstützt werden sollen, erteilten die Mitglieder der ISL eine klare Absage. Derartige Pläne wären ein Schritt zurück in finstere und überwunden geglaubte Zeiten. Ebenso lehnen die ISL-Mitglieder Billig-Pflegemodelle mit osteuropäischen Pflegekräften ab, weil dadurch die Selbstbestimmung der Betroffenen unterlaufen werde: "Die osteuropäischen Pflegekräfte arbeiten als Selbständige und sind als solche nicht weisungsgebunden", erläutert Dr. Sigrid Arnade. "Das steht im Widerspruch zu dem von uns praktizierten Arbeitgebermodell, bei dem alle Kompetenzen und Befugnisse bei den behinderten Personen liegen.“

Über all den Aktivitäten für Vielfalt und Inklusion müsse die Partizipation auf Augenhöhe stehen, denn gut gemeint sei nicht immer gut gemacht. Zudem gäbe es zum Teil fundamentale Interessensunterschiede. Ein Betreiber eines Heimes, muss beispielsweise darauf achten, dass die Betten gefüllt und das Personal weiterbeschäftigt werden kann. Behinderte Menschen, die selbstbestimmt mitten in der Gesellschaft leben wollen, kämen demgegenüber in den Diskussionen zur Gestaltung von Angeboten bisher viel zu wenig zu Wort. "Deshalb brauchen wir klare Standards für die Partizipation behinderter Menschen auf Augenhöhe ganz nach dem Motto: ‚Nichts über uns ohne uns‘“, betonte Dr. Sigrid Arnade. Das Land Thüringen habe mit der Förderung der LIGA Selbstvertretung als politische Interessen- und Selbstvertretung von Menschen mit Behinderungen und deren Verankerung im Landesgesetz zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetz als maßgebliche Interessenvertretung behinderter Menschen wichtige Schritte getan, die hoffentlich Schule machten.