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Neuer Bluttest: Geschäft mit der Angst

Corinna Rüffer
Porträtfoto Corinna Rüffer
Foto: Rolf Barthel

Berlin (kobinet) Zum "Unity"-Bluttest, der heute auf den deutschen Markt kommt und der u.a. Mukoviszidose vorgeburtlich erkennt, stößt bei der Sprecherin für Behindertenpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Corinna Rüffer, auf Kritik. Mit dem vorgeburtlichen Bluttest auf Mukoviszidose komme nun ein weiterer Test auf den Markt, der keine Heilung verspricht. Die Pränataldiagnostik entwickele sich damit immer mehr in Richtung Eugenik und Selektion. Denn für die Behandlung von Mukoviszidose sei das nachgeburtliche Screening ausreichend.

"Anbieter solcher Tests werben damit, Schwangeren eine unbeschwerte Schwangerschaft zu ermöglichen. Sie versprechen Sicherheit. Tatsächlich erreichen sie das Gegenteil. Denn Schwangere müssen sich mit immer mehr Erkrankungen oder Behinderungen auseinandersetzen, die ihr Kind haben könnte. Und sie müssen sich klar werden, was es bedeutet, welchen Test zu machen und ob sie das möchten. Ein mögliches positives Ergebnis muss invasiv abgesichert werden. Dann stellt sich bei einem positiven Befund die Frage nach dem Abbruch einer Schwangerschaft, die sich die Frau eigentlich gewünscht hat. Eine unbeschwerte Schwangerschaft sieht anders aus", erklärte Corinna Rüffer.

"Die Anbieter solcher Tests wollen mit ihrem Produkt Geld verdienen. Dass sich mit fortschreitenden Testmöglichkeiten die Erwartungshaltung an Schwangere verschiebt, ein gesundes und nicht behindertes Kind auf die Welt zu bringen, nehmen sie in Kauf. Und sie tragen mit ihrem Angebot auch dazu bei, dass ein Leben mit Beeinträchtigung als etwas ausschließlich Negatives erscheint, das es zu vermeiden gilt. Dass ein Leben mit Mukoviszidose ein erfülltes und schönes Leben sein kann, gerät vollkommen aus dem Blick", betonte Corinna Rüffer.

6 Gedanken zu „Neuer Bluttest: Geschäft mit der Angst

  1. Martin Theben

    Sehr geehrter Herr Friedrich,
    Ihre Offenheit in allen Ehren, aber ich finde Krankheit und Behinderung als Zumutung zu qualifizieren, die es aus dem Genpool zu eliminieren gilt, gegenüber den betroffenen Menschen als mehr als übergriffig, diskriminierend und auch anmaßend.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Theben

  2. Thomas Friedrich

    Ein zehn Wochen alter Fötus ist keine Person, sondern eine empfindungslose Zellformation. Ich sehe nicht, was dagegen spricht, einen Fötus in diesem frühen Stadium abzutreiben und neu anzufangen, wenn so dem zukünftigen Kind ein Leben ohne schwere Krankheit ermöglicht wird. Das Argument, der Test erlaube keine Heilung, ist unsinnig; denn offensichtlich ist es besser, eine Krankheit von vornherein zu vermeiden als nachträglich notdürftig zu behandeln.

    Ich hoffe, dass wir erbliche Krankheiten und Behinderungen in Zukunft vollständig aus dem Genpool eliminieren werden, damit niemand mehr unter diesen Zumutungen leiden wird. Ein möglichst leidfreies und qualitativ gutes Leben ist das, was jeder Mensch verdient.

    1. Sven Drebes

      Ich empfehle Ihnen, noch mal zur Entstehung von Mukoviszidose zu recherchiieren. Die Krankheit entsteht, wie übrigens auch Trisomien, durch Mutation, unabhängig von den Genen der Eltern. Sie lässt sich also nicht aus dem "Genpool" entfernen, was immer das auch sein soll.
      Die Welt wäre übrigens deutlich "leid-ärmer", wenn die eine Hälfte des Geldes, das in Genforschung fließt, für den Abbau von Barrieren und die andere für die Behandlung von Symptomen ausgegeben würde sowie endlich das Vorurteil aus den Köpfen vieler Menschen verschwinden würde, dass Behinderung immer mit Leid verbunden ist. Das kann durchaus bei einigem der Fall sein, während andere mit der (medizinisch gesehen) gleichen Behinderung ein sehr gutes Leben führen.

    2. Thomas Friedrich

      Mukoviszidose gilt nicht umsonst als Erbkrankheit. Wenn jeder Elternteil ein defektes Gen in sich trägt, dann liegt die Wahrscheinlichkeit für ein krankes Kind bei 25%. Von einer Unabhängigkeit von den Genen der Eltern kann also keine Rede sein. Zwar gibt es auch Neumutationen, aber anders als beim Down-Syndrom betreffen diese nur einen Bruchteil der Fälle. Außerdem könnten diese ebenfalls durch einen Bluttest festgestellt und verhindert werden. Wenn man wollte, könnte man dafür sorgen, dass in Zukunft nie wieder ein Mensch an Mukoviszidose leiden wird.

      «Die Welt wäre übrigens deutlich "leid-ärmer", wenn die eine Hälfte des Geldes, das in Genforschung fließt, für den Abbau von Barrieren und die andere für die Behandlung von Symptomen ausgegeben würd»

      Was ist besser: Einem Kind mit Kinderlähmung einen Rollstuhl zu bezahlen oder durch Impfung dafür sorgen, dass es gar nicht erst an Kinderlähmung erkrankt? Und warum sollte für Mukoviszidose etwas anderes gelten, nur weil diese Krankheit nicht durch Viren, sondern durch kaputte Gene verursacht wird?

      Eine Krankheit oder Behinderung gar nicht erst zu haben, ist immer besser als eine Symptombehandlung.

    3. Sven Drebes

      Sie vergleichen Äpfel mit Eiern. Bei der Impfung gegen Kinderlähmung (oder FSME oder...) verhindern Sie die Krankheit / Behinderung, das Kind bleibt aber dasselbe. Das Gleiche gilt übrigens für Verkehrsregelm, Arbeitsschutz usw. Ein Schwangerschafsabbruch nach einem diagnostizierten Gendefekt führt aber nicht dazu, dass ein Leben - möglicherweise - mit weniger "Leid" verbunden ist, sondern dass das Leben gar nicht erst beginnt. Oder, banalisierend-rechnerisch formuliert: Wenn man ein fiktiv-"perfektes" Leben mit 100% annimmt und sich mal vorübergehend auf Ihre Annahme einlässt, ein Leben mit Mukoviszidose läge bei deutlich weniger, z.B. 50, 60 oder 70%, dann führt der Schwangerschaftsabbruch zu 0%. Dabei bleibt jetzt mal völlig unberücksichtigt, dass es hunderte Gründe gibt, warum ein Leben bei 50, 60 oder 70% sein kann. Ebenso außer Acht bleibt die Feststellung, dass niemand einem Leben Werte zuordnen kann (und sollte).
      Deshalb distanziere ich mich auch von jeglichen "Zahlenspielen".

  3. Annika

    Das ist ja genau das, was man befürchtet hat, wenn man den Trisomie Test zulässt.
    Dass weitere Selektionstests folgen werden und Kinder, die nicht "perfekt" sind, nicht mehr leben dürfen oder deren Eltern angefeindet werden, wenn sie sie doch zur Welt kommen lassen. Die Frage stellt sich, was man noch alles feststellen kann und will- und was dann als Grund zur Abtreibung reicht, das Geschlecht, die Sehstärke, Augenfarbe, sexuelle Orientierung, Übergewicht...Es ist beschämend und erschütternd und befördert eine rechte Ideologie!

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