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Prostitution wohin?

Foto zeigt Martin Theben
Dr. Martin Theben
Foto: sch

Berlin (kobinet) Anlässlich einer heute im Paul-Löbe-Haus stattfindenden interfraktionellen Sitzung von Politikerinnen aus Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD zum Thema „Prostitution wohin?“ äußerte sich Rechtsanwalt Dr. Martin Theben kritisch.

"Diese unter einem vermeintlich ergebnisoffenen Titel tagende interfraktionelle Veranstaltung dient allein dazu, dem sogenannten Sexkauf-Verbot nach dem Nordischen Modell den Weg zu ebnen. Wie in Schweden und anderen europäischen Ländern soll auch in Deutschland die Inanspruchnahme sexueller Dienste unter Strafe gestellt werden", so Theben.

"Wer diesem Modell zustimmt, muss wissen, dass er dadurch nicht nur das sexuelle Selbstbestimmungsrecht von in der Prostitution tätigen Menschen beseitigt. Auch würden sämtliche Ansätze von Sexualassistenz und Sexualbegleitung gefährdet werden", meint der Rechtsanwalt. Menschen mit Behinderungen, deren Angehörige und gesetzliche Betreuer, aber auch Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe sähen sich bei Einführung eines solchen Verbotes der Strafverfolgung ausgesetzt.

"Ein Sexkauf-Verbot ändert nichts an der Situation von Zwangsprostituierten, beschneidet aber in verfassungswidriger Weise Menschenrechte. Außerdem wird, wie schon bei der Einführung des Prostituiertenschutzgesetzes, die Diskussion weitestgehend über die Köpfe der Betroffenen hinweg geführt", kritisiert der Jurist.

Was für Menschen mit Behinderungen gelte und gerade auch von Politikerinnen und Politikern der SPD akzeptiert werde, müsse auch für in der Prostitution tätige Menschen und deren Selbstvertretungsorganisationen gelten. Deshalb solidarisiert sich Theben mit all jenen, die gegen ein Sexkauf-Verbot eintreten.

Rechtsanwalt Theben lebt und arbeitet in Berlin. Er unterstützt unter anderem die Kampagne SEXARBEIT IST ARBEIT und das Schwarmkunst-Projekt Strich-Code-Move.

Ein Gedanke zu „Prostitution wohin?

  1. Torsten Pickert

    Ich glaube, niemand ist stolz darauf, sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu müssen. Ein generelles Verbot von Prostitution und Sexarbeit (was ja dann wohl auch Sexualbegleitung und Sexualassistenz einschließen würde ) verschärft das Problem. Sowohl Anbieter/innen als auch Nutzer/innen würden in den Untergrund oder in die Illegalität gedrängt, was dann gerade Ausbeutung vereinfacht. Und darum geht es doch: Menschen vor Ausbeutung und missbrauch zu schützen. Gerade für Menschen mit Behinderung ist irgendeine Form der sexuellen Dienstleistung häufig die einzige Chance überhaupt Erfahrung zu machen. Ich bin selbst 40 Jahre alt, seit meiner Geburt behindert und nutze seit knapp 10 Jahren sexuelle Dienstleistungen. Ich hatte noch nie eine Freundin. Seit ich aber meine Sexualität durch sexuelle Dienstleistungen erfahren und erkunden darf, geht es mir viel besser. Statt also über generelle Verbote zu diskutieren sollten wir klare Rahmenbedingungen schaffen und dafür sorgen, dass nur zulässig ist, was einvernehmlich ist. Nein heißt Nein und das immer und auf allen Seiten. Eine einvernehmliche sexuelle Dienstleistung ist nichts verwerfliches. Ich danke allen freiwilligen Sexarbeiter/innen für Ihre Dienstleistungen und Offenheit.

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