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Gehörloser Förderschullehrer ist Vorbild

Jahan Daschty ist Förderschullehrer in der LWL-Münsterlandschule.
Jahan Daschty ist Förderschullehrer in der LWL-Münsterlandschule.
Foto: LWL/Rütershoff

MÜNSTER (kobinet) Jahan Daschty - gehörloser Förderschullehrer ist Vorbild für Kinder an der LWL-Münsterlandschule. Jahan Daschty ist wie seine Schülerinnen hörgeschädigt und ging früher selbst zur Förderschule. Heute ist er Inspiration für seine Schüler und motiviert sie zu außergewöhnlichen Projekten.

"Wer kennt die Antwort?", fragt Förderschullehrer Jahan Daschty in die Schülerrunde der Klasse 7. Schüler Lukas überlegt kurz, greift nach dem fingergroßen Mikrofon und spricht leise seine Antwort hinein. In den lautsprachorientierten Klassen der Münsterlandschule des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) läuft der Unterricht über drahtlose Signalübertragungsanlagen, sogenannte FM-Anlagen, die die Stimme des Lehrers sowie die der Schüler in Form von Ultrakurzwellen an Audioschuhe, die an die Hörgeräte gesteckt werden, sendet.

Jahan Daschty rückt das Blatt Papier unter der Dokumentenkamera gerade, sodass alle Schüler an der Projektionswand die Begriffe mitlesen können, die er in die Lücken des Textes einsetzt. Auf dem Plan steht Englischunterricht, obwohl Daschtys eigentliche Fächer Deutsch und Sozialwissenschaften sind, die er neben der Sonderpädagogik in Köln studiert und 2014 mit dem Referendariat an der Münsterlandschule beendet hat.

Der 33-jährige Förderschullehrer hatte recht früh eine Vorstellung davon, was er beruflich machen möchte: Er wollte mit Jugendlichen zusammenarbeiten und ihnen mit seiner Höreinschränkung ein Vorbild sein. Der Lehrerberuf bot ihm diese Möglichkeit. Der Pädagoge Daschty selbst ist von Geburt an nahezu gehörlos und schon als Kind durch Hörgeräteunterstützung mit Lautsprache aufgewachsen. Mit 16 Jahren lernte er die Gebärdensprache, weil er sich mit seinen Freunden aus der Schule austauschen wollte. Vor sechs Jahren entschied er sich dann für eine implantierte Hörprothese, ein so genanntes Cochlea-Implantat. Im Unterschied zu Hörgeräten, die die Lautstärke von Geräuschen erhöhen, übernehmen Cochlea-Implantate die Funktion der beschädigten Teile des Innenohrs (der Cochlea). Mithilfe des Implantats war es ihm möglich, das Hörvermögen in Ansätzen wieder herzustellen. Selbst hatte er in seiner eigenen Schulzeit nur hörende Lehrerinnen gehabt und kann sich sehr gut in die jungen Menschen hineinversetzen, wie es ist, mit einer Hörbeeinträchtigung zu leben. "Es gibt leider das Vorurteil, dass Gehörlose minderbegabt seien. Aber ein Gehörloser kann genauso gute Lösungsansätze haben wie jemand, der hört", sagt Daschty. Mancher Schulstoff würde von den Schülern nur etwas kleinschrittiger erarbeitet, was wiederum mehr Zeit für das Verständnis benötige, so Daschty weiter.

Im Unterricht kommen auch sehr häufig digitale Medien zum Einsatz, mit denen die Schüler experimentieren dürfen. Erst im letzten Jahr nahm die Klasse an einem Wettbewerb teil, bei dem sie mit ihren selbstgemachten Videos den ersten Platz belegte. Neben der Gruppenarbeit baut der Lehrer aber auch immer wieder Elemente der Einzelarbeit ein. "Die Hörpausen während der Einzelarbeit können die Ohren der Schüler zwischendurch akustisch etwas entlasten", so der Lehrer. Passgenau zum Stichwort Pause blinkt die Pausenglocke über der Tafel. "Und jetzt haben nicht nur unsere Ohren eine Pause verdient", sagt Daschty lächelnd und lässt die Klasse in die Pause gehen.