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Reger Austausch zu Werkstätten und Alternativen

Bild vom Treffen im ZsL Kassel
Bild vom Treffen im ZsL Kassel
Foto: Susanne Göbel

KASSEL (KOBINET) Roland Frickenhaus und Heinz Becker sind am 3. Dezember 2018 mit einem Offenen Brief an die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) und an die Werkstatträte Deutschland (WRD) an die Öffentlichkeit gegangen. Der mittlerweile von über 100 Organisationen und Einzelpersonen unterstützte Offene Brief mit der Kritik an der geäußerten Haltung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention durch Werkstätten, hat mittlerweile eine Reihe von Aktivitäten ausgelöst und gestern bei einem ersten Treffen zu einem Austausch zwischen verschiedenen Akteuren in diesem Bereich in Kassel geführt.

Trotz Sommerpause waren gestern über 20 der 117 Unterstützer*innen des Offenen Briefes der Einladung von Roland Frickenhaus und Heinz Becker zu einem Austausch ins Kasseler Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen gefolgt. Mit dabei war auch ein Vertreter der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen und von den Werkstatträten Deutschland, die sich der geäußerten Kritik stellten und im gemeinsamen Austausch nach Lösungen für die Verbesserung der Situation von behinderten Menschen, die in Werkstätten arbeiten, suchten. 

Während des zum Teil sehr persönlichen Austausches schilderten die Teilnehmer*innen ihre Erfahrungen und Positionen zur Beschäftigung in Werkstätten. Vor allem machten sich diese aber auch Gedanken darüber, wie das bisherige nicht den Grundsätzen der UN-Behindertenrechtskonvention entsprechende System verändert und zu gleichberechtigten Arbeitsverhältnissen umgewandelt werden könnte. Das Budget für Arbeit spielte dabei genauso eine Rolle, wie die Kritik an den Bedingungen in manchen Werkstätten und die Unwilligkeit der Arbeitgeber*innen behinderte Menschen zu beschäftigen. 

Also genug Stoff, um dran zu bleiben und sich auch weiterhin in die Diskussion um die Staatenprüfung Deutschlands im Bereich der Werkstätten für behinderte Menschen und der Schaffung von Alternaitven einzumischen. Daher ist für Anfang nächsten Jahres ein weiteres Treffen zum vertieften Austausch anvisiert. 

Link zum Offenen Brief und zur Liste der Unterzeichner*innen

Link zum kobinet-Bericht vom 6. März zum Offenen Brief

9 Gedanken zu „Reger Austausch zu Werkstätten und Alternativen

  1. rgr

    Eine Gleichberechtigung von Arbeitsverhältnissen könnte auch potentielle private Anbieter locken in das Geschäft mit der Aufbewahrung von erwerbsfähigen und nicht erwerbsfähigen Behinderten einzusteigen. Der Betrieb von Werkstätten für Behinderte könnte dann wie jeder andere Profit orientierte Betrieb von Statten gehen. Die anvisierte Entgeltfindungskommission könnte dazu tiefere Aufschlüsse über betriebswirtschaftliche Details zu Tage fördern die das Gesundstoßen privater Anbieter aussichtsreich macht. Ist das Geschäft der Werkstätten erstmal konfektioniert winken Wachstumsaussichten. Obgleich naheliegend, haben die Teilnehmer des oben berichteten Treffens dennoch sicherlich an etwas anderes gedacht. Nur an was?

  2. rgr

    "Vor allem machten sich diese aber auch Gedanken darüber, wie das bisherige nicht den Grundsätzen der UN-Behindertenrechtskonvention entsprechende System verändert und zu gleichberechtigten Arbeitsverhältnissen umgewandelt werden könnte."

    Es wird nicht klar was die Teilnehmer unter System und Arbeitsverhältnissen verstanden haben. Gleichberechtigung der Arbeitsverhältnisse könnte auch eine Erweiterung des Begriffes 'erster Arbeitsmarkt' werden, wenn sich denn der Gesetzgeber anschicken würde, einen solchen Begriff zu füllen - was ein Leichtes wäre.

    Bis es so weit ist könnten noch Vorschläge beigebracht werden die klipp und klar legen was am System und was an den Verhältnissen terminiert gehört.

    1. Raimund Barkam

      Wenn ich den angegebenen Link anklicke, werde ich zwar auf eine Internetseite namens 'disq.us' weitergeleitet, aber die Seite bleibt leer.

  3. Raimund Barkam

    *C.u.b.a = C-ultur
    u-nd
    B-egegnungszentrum
    A-chtermannstraße

    Hier im C.u.b.a gibt es auch die Langzeitarbeitsloseninitistive Rat+Tat, sowie 'Arbeitslose brauchen Medien'.

  4. rgr

    Es ist gut davon zu hören, dass das Treffen zu einem regen Austausch geführt hat. Nach mehr als einem halben Jahr Stille, das erste öffentliche Lebenszeichen. Die Initiative wurde hier in Leserbriefen aber auch von Anfang an kritisiert. Gisela Maubach hatte sich da zuerst zu Wort gemeldet. Leider hat sich Gisela ob ihres Ärgers daraufhin aus den Leserbriefaktivitäten zurück gezogen.

    Mich interessiert nun vorrangig die Frage, wie mit der Tatsache umgegangen wird, das der Gesetzgeber zum einen an der Aufgabe 'Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt' steif festhält, obgleich dieser Auftrag in den vergangen Jahrzehnten nicht eingelöst werden konnte. In den Augen der Betroffenen kann sich dies als ein unauflösbares Dilemma darstellen, zumal die Gründe für das Versagen unter Fachleuten eigentlich unstrittig sein sollten.

    Dennoch werden die Gründe bei den Betroffenen gesucht. Ein Totschlag Postulat lautet z.B.: "fit machen für den ersten Arbeitsmarkt". Dabei geht es aber nicht um mangelnde Fitness von Behinderten, sondern um eine menschenrechtswidrige Ausgrenzung durch Arbeitgeber.

    Zuletzt haben die Grünen dieses Festhalten an einem nicht einlösbarem Auftrag in der Sitzung am 6. Juni zur Anpassung der Berufsausbildungsbeihilfe und des Ausbildungsgeldes erneut bekräftigt und dem Regierungsentwurf einfach mal zugestimmt. Auch die FDP hat dem zugestimmt. Die Linken hatten sich ohne eigenen Antrag zur dritten Lesung der Stimme enthalten.

    Frage: Hat sich über den von mir skizzierten Stillstand in Regierung und Opposition irgendwer bewegt? Oder sehe ich nur Schwarz?

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