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Wer überprüft barrierefreies Bauen?

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Foto: ht

FREIBURG (KOBINET) Bei seiner Tätigkeit als Wohnraumberater in Freiburg und Südbaden stößt Gernot Wolfgang vom Verein Lebensraum für Alle in Freiburg immer öfter Neubauten im Wohnungsbau aber auch im Pflegeheimbereich, die nicht barrierefrei sind. Nach vielen Gesprächen mit dem Baurechtsamt, der Heimaufsicht, Behindertenbeauftragten, dem Landeswirtschaftsministerium, Pflegekräften und vielen anderen, die alle nur mit den Schultern gezuckt hätten, aber kaum Mittel sehen, diese Zustände zu verhindern, hat sich nun der Verein mit diesen Problemen an die Presse gewandt. "Es kann doch nicht sein, dass aus Inkompetenz oder Renditedenken gesetzliche Vorgaben gar nicht oder mangelhaft beachtet werden", kritisiert Gernot Wolfgang.

Wer überprüft barrierefreies Bauen in Pflegeheimen?

Gernot Wolfgang, Vorsitzender des Vereins Lebensraum für Alle, berät seit vielen Jahren ehrenamtlich Menschen, die aus Alters- oder Krankheitsgründen umbauen müssen. Da viele ältere Menschen in Altbauten leben, müssen Umbauten zunächst mit dem Vermieter bzw. mit der Eigentümergemeinschaft abgeklärt werden. Aber selbst wenn alle zustimmen, gibt es oft Situationen, in denen nur noch ein Umzug in ein Pflegeheim bleibt. Leider musste er nicht nur in alten, sondern in neuerbauten Pflegeheimen die Erfahrung machen, dass die Wohnbereiche für Rollstuhl- oder Rollatornutzer*innen und auch für viele andere Alterskrankheiten nicht geeignet sind. Sie erfüllten in diesem Bereich nicht die gesetzlichen Vorgaben der DIN. Zwar werde in den Werbebroschüren der Pflegeheime immer von Hilfe zum selbstbestimmten Leben der Bewohner*innen geschrieben, aber tatsächlich seien die räumlichen Verhältnisse so, dass für jeden Toilettengang Hilfe notwendig ist. Pflegebedürftige, die einen Rollstuhl nutzen, die sich zuhause bislang selbst auf die Toilette umsetzen konnten, könnten das wegen der beengten Verhältnisse in den Bädern mancher Heime nun nicht mehr. Das sei nicht nur ein Stück verlorener Würde und Selbstbestimmung, sondern auch die Pflegekräfte würden durch die räumliche Enge in ihrer schweren Arbeit behindert, berichtet der in Freiburg ansässige Verein.

Gernot Wolfgang fragte bei der Heimaufsicht und beim Baurechtsamt, warum solche Heime genehmigt werden. In beiden Ämtern sah man keine Möglichkeit, so etwas zu verhindern. Man argumentierte mit Vorgaben, die weder das Wirtschaftsministerium noch die Verbraucherzentrale für Pflegeheime akzeptieren wollen. "Das ist schon deshalb nicht nur verwunderlich und empörend, weil es neben der Landesbauordnung reichlich Broschüren auf dem Markt gibt, die das barrierefreie Bauen in allen Einzelheiten und selbst für Laien verständlich in Checklisten beschreiben", betont Gernot Wolfgang.

Wer überprüft barrierefreies Bauen bei den städtischen Wohnungsbaugesellschaften?

Nun ist es bekanntlich der Wunsch der meisten Menschen, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Dazu müssten allerdings die Wohnungen barrierefrei sein. Aber immer wieder wird Gernot Wolfgang bei Beratungsgesprächen Zeuge, dass sogar in jüngster Zeit gebaute Wohnhäuser nicht die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Selbst private Bauherren unterliegen den Vorschriften der LBO (§ 35 Wohnungen), dass in Wohngebäuden mit mehr als zwei Wohnungen, die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar und die Wohn- und Schlafräume, eine Toilette, ein Bad und die Küche barrierefrei nutzbar und mit dem Rollstuhl zugänglich sein müssen, betont Gernot Wolfgang. "Warum bauen dann städtische Wohnungsbaugesellschaften nicht grundsätzlich barrierefrei oder zumindest nach gesetzlichen Vorgaben? Nur so können Menschen bis ins hohe Alter zuhause wohnen bleiben, entlasten den Staat vom Bau teurer Pflegeheime und mindern den Bedarf an Pflegekräften. Die stationäre Pflege hat einen Anteil von 27 Prozent aller zu Pflegenden. Sie ist seit Jahren die teuerste Variante und gilt auf Dauer nicht finanzierbar. Durch den Demografischen Wandel – also bei einem zunehmenden Anteil von Pflegebedürftigen – müssen die Kommunen einen immer größer werdenden Anteil der Kosten tragen."

"Beteiligt am Bau von Pflegeheimen sind Investoren, Bauträger, Architekten und Träger von Heimen. Kontrolliert werden sollten sie von Baurechtsamt und der Heimaufsicht. Alle genannten Institutionen werden ihrer Aufgabe nicht gerecht. Auch beim städtischen Wohnbau gibt es keinerlei Prüfinstanzen, die die Baupläne – spätestens jedoch die Ergebnisse kontrollieren", betont der Verein. Lebensraum für Alle macht sich daher zusammen mit seinen Partnern dafür stark, ein selbstbestimmtes Leben für Alle einzufordern. Das sei auch das Ziel der Wohnraumberaterschulungen des Vereins. Als Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung stehe der Verein zu deren Forderungen, grundsätzlich barrierefrei zu bauen bzw. eine vernünftige Lösung bieten zu können, wenn die Pflege zuhause nicht mehr geleistet werden kann. Was aber sollen Wohnraumberater*innen Betroffenen aufgrund der beschriebenen Situation raten? Das fragt sich Gernot Wolfgang aus Freiburg.