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Bessere Vergütung beruflicher Betreuung

Budget, Geldscheine
Budget, Geldscheine
Foto: Irina Tischer

BERLIN (KOBINET) Die Bundesregierung hat den Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung der Betreuer- und Vormündervergütung vorgelegt (19/8694). Ausgehend vom Koalitionsvertrag sei darin eine Erhöhung der Vergütung um 17 Prozent in einem modernisierten System von Fallpauschalen vorgesehen. Mit den vorgeschlagenen Änderungen solle eine rechtstechnisch einfach und schnell umsetzbare, Qualitätsaspekte berücksichtigende und angemessene Anpassung der seit mehr als 13 Jahren unveränderten Vergütung beruflicher Betreuer erfolgen, die insbesondere auch geeignet sei, eine existenzsichernde Finanzierung der Betreuungsvereine sicherzustellen, berichtet der Informationsdienst Heute im Bundestag.

Link zum Gesetzentwurf

Der Bundesverbands der Berufsbetreuer hat vor kurzem die langjährige Forderung bekräftigt, dass alle Formen der stellvertretenden Entscheidung durch ein System der unterstützten Entscheidungsfindung zu ersetzen sind – ein gemeinsames Verfahren, durch das der Klient befähigt werde, eigene Entscheidungen in der persönlichen Lebensführung zu treffen. Weiter sollen professionelle Qualitätsstandards für die Mechanismen unterstützter Entscheidungsfindung angewandt werden.
 
"Durch unterstützte Entscheidungsfindung wirken Klienten souverän am Entscheidungsprozess mit – ihr Selbstbestimmungsrecht wird gesichert. Dies ist aus unserer Sicht eine betreuungsrechtliche Pflicht“, sagt Thorsten Becker, Vorsitzender des Berufsverbands der Berufsbetreuer (BdB). Der Prozess sei jedoch zeitaufwändig. "Zu den gegenwärtigen Rahmenbedingungen ist jedoch eine unterstützungsorientierte Betreuungspraxis nach den Maßstäben der UN-Behindertenrechtskonvention schwer möglich. Wir brauchen dringend mehr Zeit für die persönliche Arbeit mit unseren Klienten.“ Aktuell können Berufsbetreuer pro Klient und Monat durchschnittlich 3,3 Stunden abrechnen. Schon jetzt arbeiten Berufsbetreuer 4,1 Stunden pro Monat und Klient; sie leisten also 0,8 Stunden unbezahlte Mehrarbeit.
 
Der UN-Fachausschuss verlangte bereits 2015 von der Bundesregierung, die Betreuung zu professionalisieren. Er unterstützte damit den BdB in seiner jahrelangen Kritik an den Rahmenbedingungen in der deutschen Betreuungspraxis. Der BdB sah sich schon damals in seiner Forderung nach Anerkennung des Berufes "Betreuer/in" ebenso bestätigt wie nach Aufstellung verbindlicher Qualitätsstandards für die Berufsausbildung und -ausübung. Auf Grundlage eines Berufsgesetzes und einer Kammer will der BdB die Qualität in der Betreuung künftig sichern.