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4.200 Menschen erhielten finanzielle Anerkennung

Josef Ströbl an der alten Einrichtungsmauer in Montabaur beim Fernsehinterview
Josef Ströbl an der alten Einrichtungsmauer in Montabaur beim Fernsehinterview
Foto: kobinet/omp

BERLIN (KOBINET) Bis Ende November 2018 haben sich rund 10.300 Betroffene beziehungsweise deren Vertretungen an die Beratungsstellen der Stiftung "Anerkennung und Hilfe" gewandt. Das geht aus einer Antwort (19/7009) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (19/6498) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor. Die Stiftung hat im Jahr 2017 ihre Arbeit aufgenommen, um ein Hilfesystem für Kinder und Jugendliche zu errichten, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie untergebracht waren und dort Opfer von Gewalt und Missbrauch wurden. In der Antwort heißt es weiter, dass bisher an knapp 4.200 Menschen finanzielle Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen gezahlt wurden, die sich auf rund 46 Millionen Euro belaufen.

Am 13. Mai 2019 sollen auf einer Veranstaltung des Bundes zur öffentlichen Anerkennung des in den genannten Einrichtungen erlebten Unrechts erste Ergebnisse einer bundesweiten wissenschaftlichen Aufarbeitung vorgestellt werden, heißt es weiter im Informationsdienst Heute im Bundestag. Die Arbeits- und Sozialministerkonferenz hatte Ende letzten Jahres beschlossen, dass die Antragsfrist für Leistungen aus der Stiftung von ursprünglich Ende 2019 nun bis zum 31.12.2020 verlängert wird. Dafür hatten sich Betroffene wie Josef Ströbl und Martin Hackl und Verbände wie die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) eingesetzt.

"Es ist gut, dass man nun länger Anträge stellen kann. Es ist aber genauso wichtig, dass die betroffenen Einrichtungen und die Stiftung behinderte Menschen besser informiert. Vor allem brauchen diese eine gute Beratung und Unterstützung. Denn die Zeit damals war für uns nicht leicht", erklärte Josef Ströbl. Leicht sei es für Einrichtungen, in denen es damals schlimm zuging, sicherlich auch nicht, ihre eigene Geschichte aufzuarbeiten. "Das müssen die aber unbedingt tun, denn für uns Betroffene war das eine sehr schlimme Zeit", sagte Josef Ströbl gegenüber den kobinet-nachrichten. Im September 2018 hatte er sich mit UnterstützerInnen nach Montabaur begeben, wo er damals hinter Mauern untergebracht wurde und hat mit Menschen gesprochen, die sich an diese Zeit erinnern. Seine Lehre daraus lautet: "Gerade Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf brauchen Menschen, die sie vor, bei und nach der Antragstellung entsprechend begleiten und unterstützen." Vor allem gelte es auch genau hinzuschauen, wo es damals Medikamententests gab, denn dieser Teil der Geschichte ist nach Ansicht von Susanne Göbel von der ISL noch viel zu wenig aufgearbeitet.

Link zur Stiftung Anerkennung und Hilfe

Link zum kobinet-Bericht vom 17. Dezember 2018