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Kritik am Aufsichtsrat der Duisburger Werkstätten

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Foto: ht

DUISBURG (KOBINET) "Das Skandalgehalt, von dem niemand etwas gewusst haben will", so titelt die WELT einen Bericht über das mit 376.000 Euro pro Jahr weit überhöhte Gehalt der mittlerweile gefeuerten Geschäftsführerin der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Mittlerweile gibt es auch heftige Kritik am Aufsichtsrat, in dem neben der Stadt Duisburg auch VertreterInnen der Lebenshilfe und des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte vertreten sind und Verantwortung tragen.

Eberhard Kanski, Landeschef beim Bund der Steuerzahler, sieht dem Bericht der WELT zufolge "eine Koalition des Wegschauens“. Man könne sich auch nicht vorstellen, dass der Aufsichtsrat nichts bemerkt haben will. Kanski spricht von einem Totalversagen, heißt es in der WELT. Mit der fristlosen Kündigung ist der Duisburger Werkstätten-Skandal also noch längst nicht vom Tisch gewischt, denn mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die gefeuerte Geschäftsführerin und den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden. Ungeklärt bei dieser ganzen Geschicht ist auch, wieviel eigentlich die behinderten Menschen, die in der Werkstatt arbeiten, verdienen, bzw. wieviel sie aufgrund des überzahlten Gehaltes weniger verdienten. Im Wirkungsbereich des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) lag der Durchschnittsverdienst der Menschen, die in der Werkstatt arbeiten und dort unterstützt werden sollen, im Jahr 2016 bei 181 Euro. Unbestritten scheint zwischenzeitlich, dass die überzogene Höhe der Entlohnung der Chefin auch Auswirkungen auf geringere Löhne der Werkstattbeschäftigten hatte.

Der Werkstätten-Skandal von Duisburg dürfte also die Staatsanwaltschaft und die Medien trotz der Entlassung der ehemaligen überzahlten Chefin noch eine geraume Zeit weiterbeschäftigen. Während sich die Lebenshilfe und der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte in Duisburg, die jeweils mit 25 Prozent an der Werkstatt beteiligt und entsprechend im Aufsichtsrat vertreten sind, bisher noch hinter der Stadt Duisburg, die 50 Prozent der Anteile hält, wegducken, darf man sich fragen, wo diese ihre Aufsicht im Sinne der Betroffenen wahrgenommen haben und inwieweit auch sie versagt haben. Bisher ist es für diese Organisationen noch bequem, sich hinter der Stadt wegzuducken und die Füße still zu halten. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) fordert nicht nur die Offenlegung der Bezahlung von Führungskräften in Einrichtungen und bei Dienstleistungsanbietern im sozialen Bereich, sondern auch Grenzen für angemessene Gehälter.

Link zum Bericht in der WELT vom 19. August 2018