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Kunst, wo Bier gebraut wurde

Im Sudhaus hat nun ein Café eröffnet
Im Sudhaus hat nun ein Café eröffnet
Foto: Edgar Goldstein

BERLIN (KOBINET) Berliner Kindl wurde bis 2005 im Neuköllner Rollbergviertel gebraut. In dem unter Denkmalschutz stehenden Klinkerbau hat sich jetzt ein Zentrum für zeitgenössische Kunst etabliert. Im Sudhaus gibt es nun auch noch ein Café, das kürzlich eröffnet wurde. Der Berliner kobinet-Korrespondent hat sich dort mal umgeschaut und bemerkenswerte Lösungen für Besucher entdeckt, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Der neue Kunsttempel will als eine privat finanzierte Institution neben wechselnden Ausstellungen internationaler Gegenwartskunst auch kulturellen Veranstaltungen Raum bieten.

Im imposanten Sudhaus wurde jetzt ein Café eröffnet. Die Gastronomie offeriert auch vegetarische Gerichte. Die sechs riesigen Kupferkessel haben Patina angesetzt. Sie waren einst die größten Sudpfannen Europas. Gäste aus aller Welt kamen hierher, um den „Palast Berliner Bierkultur" zu besichtigen. Heute kommen international renommierte Künstler in das KINDL-Zentrum für zeitgenössische Kunst.

Der neue Kunsttempel will als eine privat finanzierte Institution neben wechselnden Ausstellungen internationaler Gegenwartskunst auch kulturellen Veranstaltungen Raum bieten. Mehr als 5 000 Quadratmeter stehen im dreigeschossigen Maschinenhaus und im 20 Meter hohen Kesselhaus zur Verfügung.

Nachdem das deutsch-schweizerische Ehepaar Burkhard Varnholt und Salome Grisard das Gebäude-Ensemble der ehemaligen Kindl-Brauerei erworben hat, begannen im Herbst 2012 die aufwendigen Sanierungsarbeiten. „Dabei galt es, den Auflagen des Denkmalschutzes nachzukommen und heutigen Ansprüchen der zu erwartenden Besucher gerecht zu werden", war vom Technischen Leiter Edgar Goldstein zu erfahren. Tatsächlich sind die Bemühungen um moderne barrierefreie Lösungen nun deutlich zu erkennen in dem Gebäude, das mit seiner Fassade aus rotem Backstein von 1926 bis 1930 errichtet wurde.

Das umliegende Viertel zwischen Hermann- und Rollbergstraße war damals ein Arbeiterviertel wie der „rote Wedding". Kommunisten und Sozialdemokraten wurden wie ihre jüdischen Mitbürger nach der Machtergreifung der Nazis verfolgt, in sogenannte Konzentrationslager gesperrt und ermordet. Heute wohnen im mitunter noch als „Problemkiez" benannten Rollbergviertel etwa 6 000 Menschen aus mehr als 30 Nationen, vor allen türkischstämmige Deutsche und Einwanderer arabischer Herkunft.

Im Kesselhaus ist bei freiem Eintritt noch bis zum 28. Mai 2017 das Videoprojekt „Olympia" von David Claerbout zu sehen. Ausgangspunkt für den belgischen Künstler war das Berliner Olympia-Stadion, wo Adolf Hitler 1936 die Olympischen Spiele eröffnete und mit seinem Architekten Albert Speer auf ein Tausendjähriges Reich spekulierte.

Der langsame Zerfall der Architektur ist auf einer monumentalen Leinwand schon andeutungsweise zu sehen. Flechten und andere Pflanzen fangen an zu wuchern. Echtzeit- und Wetterdaten sind in Claerbouts digital gerechnetem Stadion einbezogen.

KINDL-Zentrum für zeitgenössische Kunst
Am Sudhaus 3
12053 Berlin
Mittwoch bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet