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Kein Gespür der Ungleichbehandlung

Porträtfoto  Ursula Lehmann
Porträtfoto Ursula Lehmann
Foto: Rolf Barthel

BERLIN (KOBINET) Uschi Lehmann ist mit ihrem Elektrorollstuhl viel in Berlin unterwegs. Und da trifft sie auf viele Leute, die sie von verschiedenen Gremien oder Aktivitäten kennen. Ein zufälliges Zusammentreffen mit einem Oberkirchenrat der evangelischen Kirche auf der Straße hat die engagierte Streiterin für die Rechte behinderter Menschen diese Woche jedoch aufgewühlt. Als der Kirchenvertreter begann den gefundenen Kompromiss für die Einrichtung einer Stiftung für Anerkennung und Hilfe für ehemalige Heimkinder, die in Behinderteneinrichtungen und Psychiatrien Unrecht und Leid erfahren mussten, zu loben, platzte ihr der Kragen. Denn für Uschi Lehmann ist dieser Kompromiss alles andere als in Ordnung und das fehlende Gespür für Ungleichbehandlungen nervt sie noch mehr.

"Da werden behinderte Menschen, die genauso wie die anderen ehemaligen Heimkinder aus der Jugendhilfe ohne Sozialversicherung hart arbeiten mussten, mit einem Fünftel der Rentenersatzleistung abgespeist und dann wird uns noch ohne jegliches Unrechtsbewusstsein das als tolle Lösung verkauft, da geht mir der Hut hoch", erklärte Uschi Lehmann. Was ihr Blut so in Wallung bringt ist die Regelung, die nun mit der Einrichtung einer Stiftung für Anerkennung und Hilfe kommen soll, wonach diejenigen, die in Behinderteneinrichtungen und Psychiatrien ohne die Abführung von Sozialversicherungsbeiträgen hart arbeiten mussten, nur maximal 3.000 bzw. 5.000 Euro Rentenersatzleistungen bekommen sollen. Diejenigen, die in Jugendhilfeeinrichtungen so arbeiten mussten, bekommen bis zu 25.200 Euro Rentenersatzleistungen. "Was soll daran toll sein, wenn die Arbeit von uns nur ein Fünftel weniger wert ist, wie die von Nichtbehinderten. Das ist und bleibt eine große Sauerei", schimpft Uschi Lehmann, die selbst leidvolle Erfahrungen während ihrer Zeit im Heim machen musste.