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Harry Hieb informiert über Ungerechtigkeiten

Harry Hieb
Harry Hieb
Foto: NITSA

ULM (KOBINET) Harry Hieb arbeitet seit über 15 Jahren bei der AIRBUS GROUP als Softwareentwickler im Bereich der RADAR Technik. Das Unternehmen hat vor kurzem einen Film über das selbstbestimmte Leben mit Assistenz und die Arbeit von Harry Hieb veröffentlicht und dabei die Problematik der Anrechnung des Einkommens- und Vermögens aufgegriffen. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Harry Hieb über die Bedeutung des Films und wie dieser zustande kam.

kobinet-nachrichten: Wie die kobinet-nachrichten am 21. März berichteten, hat die AIRBUS Group einen 8-minütigen Film über Sie, Ihr selbstbestimmtes Leben mit Assistenz und Ihre Arbeit gedreht. Wie kam es dazu?

Harry Hieb: Für mich war es immer wichtig, meinen Arbeitgeber nur dann mit Themen, die meine Behinderung betrafen, zu konfrontieren, wenn es außerhalb meiner Macht stand, selbst hierfür eine Lösung zu finden. Das betrifft zum Beispiel Reisetätigkeiten, die ich aufgrund meiner Assistenz nur geplant wahrnehmen kann. Bei der Problematik der Einkommens- und Vermögensanrechnung sah ich das nicht so.

kobinet-nachrichten: Und dennoch nimmt Ihr Arbeitgeber in dem Film u.a. zur Einkommens- und Vermögensanrechnung aus unternehmerischer Sicht Stellung.

Harry Hieb: Richtig. Im vergangenen Sommer, genauer gesagt nach der Veröffentlichung des Abschlussberichts der AG Bundesteilhabegesetz, habe ich meine Meinung geändert. Dem Abschlussbericht war u.a. eine Stellungnahme der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) beigefügt, in der gefordert wurde, Leistungen aufgrund des Subsidiaritätsprinzips weiterhin einkommens- und vermögensabhängig zu gestalten. Mich hat das sehr geärgert, da Menschen mit Behinderung von der BDA offensichtlich nicht als Arbeitnehmer wahrgenommen werden. Also sprach ich mit meinem Arbeitgeber.

kobinet-nachrichten: Wie hat dieser darauf reagiert?

Harry Hieb: Ausgesprochen positiv! Sicher, ich musste viel erklären. Wer kennt schon die Problematik der Einkommens- und Vermögensanrechnung? Kaum jemand. Doch sobald verstanden wurde, welche Auswirkungen diese hat, zum Beispiel keine Partnerschaft, keine Altersvorsorge und kaum Anreize für eine Karriere, war die Reaktion immer die Gleiche: Kopfschütteln.

kobinet-nachrichten: So kam es zu dem Film?

Harry Hieb: Es ist sehr schwierig und absolut ungewöhnlich für ein großes Unternehmen, sich zu einem sozialpolitischen Thema öffentlich zu äußern. Gleichwohl wollte man mich und mein Engagement beim Netzwerk für Inklusion, Teilhabe, Selbstbestimmung und Assistenz (NITSA) unterstützen. Von Unternehmensseite aus wurde also überlegt, wie man sich hier einbringen kann. Die Idee zum Film wurde geboren. Nicht ohne Grund trägt der Film das NITSA-Motto "Selbstbestimmt leben mit Assistenz!" als Titel.

kobinet-nachrichten: Was erhoffen Sie sich von dem Film?

Harry Hieb: Erst einmal hat mir mein Arbeitgeber mit dem Film ein Werkzeug an die Hand gegeben, mit dem ich u.a. bei Bundes- und Landtagsabgeordneten vorstellig werden kann. Gerade mit Blick auf den völlig missglückten Arbeitsentwurf zum Bundesteilhabegesetz wird deutlich, dass wir noch weit mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten müssen. Der Film wird mit Sicherheit gute Dienste dabei leisten und selbstverständlich soll er so viel wie möglich geteilt werden. Meinem Arbeitgeber danke ich an dieser Stelle ausdrücklich für sein Engagement.

Außerdem hege ich die Hoffnung, dass andere Betroffene ebenfalls versuchen, mit ihren Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen. Vielleicht ist darunter der eine oder andere, der, in welcher Form auch immer, unser Anliegen unterstützt. Wenn wir bei der Einkommens- und Vermögensanrechnung noch etwas bewegen möchten, dann müssen wir, davon bin ich überzeugt, unsere Arbeitgeber mit ins Boot holen.

kobinet-nachrichten: Ich wünsche Ihnen hierbei viel Erfolg und danke für das Gespräch.

Link zum Film mit Harry Hieb