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Von wegen „Nie wieder …“

Harald Reutershahn
Harald Reutershahn
Foto: hjr

UNBEKANNT (KOBINET) Vor 75 Jahren, am 1. September 1939, überfiel Hitlerdeutschland Polen und begann damit den 2. Weltkrieg. 80 Millionen Menschen verloren dabei ihr Leben, Hunderte Millionen trugen schwere Behinderungen davon, wurden obdachlos und vertrieben, hungerten und lebten in furchtbarstem Elend. Unüberschaubar war das Grauen für die Überlebenden. Von irrsinnigen Weltmachtstrategen getrieben lag Deutschland im Sterben, und die Welt, sie lag in Scherben. Ohne Sinn und ohne Verstand. Was hat man in Deutschland daraus gelernt?

Was hat man in Deutschland daraus gelernt? Wieder müssen wir heute erleben, wie von Tag zu Tag die Kriegsgefahr wächst. Und unser Land wird immer weiter darin verwickelt von einer unverantwortlichen Regierung, die mit dem Feuer zu spielen bereit ist. 75 Jahre nach der Hölle des 2. Weltkriegs und 100 Jahre nach der Hölle des 1. Weltkriegs werden unter dem Motto "Deutschland muss endlich wieder Verantwortung übernehmen in der Welt" deutsche Soldaten erneut in Kriegseinsätze gejagt, und "deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt". Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" von gestern will die Bundesregierung im Rahmen der NATO weitere Truppen nach Osteuropa schicken.

Die Bundesregierung hat entschieden, Waffen in den Irak und nach Kurdistan zu liefern. Dazu wurde ein Szenario gestrickt, um uns weiszumachen, dies sei angesichts der Lage im Irak "alternativlos". Trotz des Verbots im Grundgesetz liefert die Bundesregierung schon seit vielen Jahren Waffen in Krisenregionen: Panzer werden an Saudi-Arabien geliefert, U-Boote nach Israel. Frieden wurde damit nirgends geschaffen. Und jetzt soll eine neue Schwelle bundesdeutscher Kriegspolitik überschritten werden. Neue Feindbilder und Kriegsschauplätze werden uns präsentiert. Was dahinter steckt, wird klar, wenn man sich an die vorlaut geäußerten Ansichten des Ex-Bundespräsidenten Horst Köhler erinnert, nämlich dass sich Deutschland bei der Sicherung von Ressourcen in der Welt tatkräftig beteiligen müsse.

Der SPD-Vorsitzende und Wirtschaftsminister Gabriel erklärt uns die Lage im Irak und weshalb man mit deutschen Waffen eingreifen müsse, so: "Das ist die Vorbereitung eines Völkermords, eines Genozids." Um nichts anderes gehe es dort, sagte er über die barbarischen Angriffe der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Noch im vorigen Jahr waren diese Terroristen in Syrien aktiv mit modernen Waffen aus den USA und anderen NATO-Staaten ausgerüstet und für ihren Kampf gegen das Assad-Regime und die syrische Bevölkerung als "Freiheitskämpfer" gefeiert worden. Nun sind sie mit diesen Waffen in den Irak eingefallen. Toll. Und jetzt sollen die Kurden mit unseren Waffen gegen unsere ehemaligen "Freiheitskämpfer" um unsere Freiheit kämpfen. Ekelhaft.

"Wir, der Westen, sind immer die Guten, weil wir Freiheit, Demokratie und Menschenrechte auf unsere Fahnen schreiben, wenn wir Krieg führen. Wir sind auch immer unschuldig, wenn wir dabei Länder besetzen, Städte zerstören, Zivilisten ermorden, Menschen foltern usw. – das sind 'Kollateralschäden', die wir zwar anrichten aber nicht beabsichtigen. Das tun nur die Bösen", sagte der Journalist Mathias Bröckers am 27. August in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau". Der Bevölkerung einen solchen Schwarz-Weiß-Film auf Kindergartenniveau vorzuführen und es als Realität zu verkaufen, das sei die grundlegende Manipulation, der wir derzeit durch die Medien ausgesetzt seien.

Wir Behinderten dürfen uns von Kriegstreibern am allerwenigsten manipulieren und an der Nase herumführen lassen, denn wir vergessen niemals, dass Adolf Hitler ebenfalls am 1. September 1939 die als "Euthanasie" bezeichnete Tötung von "lebensunwertem Leben" anordnete. Wir wurden als "unnütze Fresser" und als "Ballastexistenzen" bezeichnet. In diesem Geiste werden wir heute noch immer behandelt als "Belastung des Sozialstaats". Die soziale Euthanasie beseitigt uns Tag für Tag aus der Gesellschaft. Dem Vergessen entgegen: Lasst uns konsequent sein und den Ungeist der alten Kameraden stoppen.

UNBEKANNT (KOBINET) Kategorien Kolumne

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/slm1478