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Wie gehts weiter mit der Aktion Mensch?

Ottmar Miles-Paul
Ottmar Miles-Paul
Foto: sch

BERLIN (KOBINET) In Berlin wurde gestern das Jubiläumsjahr der Aktion Mensch eingeläutet. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul war im ewerk dabei. Heute macht er sich in seinem Kommentar Gedanken darüber, was wäre wenn, die Aktion Mensch heute noch Aktion Sorgenkind hieße. Wie geht es weiter mit der Soziallotterie? Wer spielt die erste Geige in Deutschlands größter privater Förderorganisation.

Kommentar von Ottmar Miles-Paul

Als gestern der mit Aktion Mensch beschriftete Ballon in Berlin aufstieg, gab es keine Misstöne gegenüber Deutschlands größter privater Förderorganisation. Das wäre vor 20 Jahren noch ganz anders gewesen, als diese Organisation noch Aktion Sorgenkind hieß.

30 Jahre lang hatten die Wohltäter in diesem Land damals keinen Anstoß daran genommen, dass behinderte Menschen als Sorgenkinder bezeichnet wurden und dass damit gutes Geld gemacht werden konnte. Während die Behindertenbewegung auf Distanz zu diesem Image und den damit verbundenen Fördermitteln ging, bauten die Wohlfahrtskonzerne nicht nur große Einrichtungen, in denen die Wohlfahrtsmanager nie wohnen würden, sondern auch ihre Lobby aus.

Behinderte Menschen spuckten dieser gewachsenen Dreifaltigkeit aus Wohlfahrt, der Aktion Sorgenkind und dem ZDF damals kräftig in die Suppe und forderten die Namensänderung und eine Veränderung der Förderpolitik. Dank guter personeller Konstellationen und einem kreativen Veränderungsprozess gelang damals der Kurswechsel des Tankers Aktion Sorgenkind. Und dieser Kurswechsel macht es heute auch leichter, selbstbewusst auf die Geschichte der Aktion Mensch zu schauen.

Doch ist damit alles gut? Stellen wir uns einmal vor, fünf Jahre nach In-Kraft-treten der UN-Behindertenrechtskonvention hätten wir noch eine Aktion Sorgenkind. Wie peinlich wäre dies? Genau so peinlich wie der Begriff Anstalt, den noch so manche Behinderteneinrichtung im Namen und damit verbunden wahrscheinlich auch noch im Geiste führt.

Die Dankbarkeit der Aktion Mensch müsste also all denjenigen gegenüber grenzenlos sein, die für die Namensänderung hart gekämpft haben. Doch genau betrachtet haben diejenigen, die auch mit dem Begriff des Sorgenkindes gut leben konnten, nichts von ihrer Macht des großen Geldes abgegeben. Die Wohlfahrtsverbände spielen nach wie vor die erste Geige bei der Aktion Mensch als ob es beispielsweise keinen Deutschen Behindertenrat oder den Slogan gäbe: Nichts über uns ohne uns.

Behinderte Menschen und ihre Organisationen werden zum Teil zwar gut von der Aktion Mensch gefördert und immer wieder bei Veranstaltungen einbezogen, das aber auf einer good will Basis statt durch eine echte Teilhabe an der Macht. So wichtig die 2010 begonnene Umsteuerung der Aktion Mensch auf die Förderung von Inklusionsprojekten war, so wichtig ist endlich auch die konsequente Beteiligung behinderter Menschen bei der Aktion Mensch.

Die Herausforderung der Zukunft liegt entscheidend darin, ob es der Aktion Mensch gelingt, auch in diesem Punkt authentischer zu werden. Denn behinderten Menschen wird es zukünftig nicht mehr genug sein, ein paar Krümmel abzubekommen. Wir wollen die ganze Bäckerei, so hieß es vor kurzem bei einer Veranstaltung der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland ISL. Darauf wird sich nicht nur die Politik einstellen müssen.