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Gerlef Gleiss wurde verabschiedet

Gerlef Gleiss am Beratungstelefon
Gerlef Gleiss am Beratungstelefon
Foto: Christian Schmid

HAMBURG (KOBINET) Gestern fand die Trauerfeier für den langjährigen Streiter für die Rechte und Selbstbestimmung behinderter Menschen, Gerlef Gleiss, in Hamburg statt. In einem gestern veröffentlichten Nachruf des Erlanger Zentrums für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL) schreibt Dinah Radtke, dass mit Gerlef Gleiss ein leidenschaftlicher Verteidiger des Rechtes aller behinderter Menschen auf ein selbstbestimmtes Leben gestorben ist.

"Er kämpfte für weniger staatliche Bevormundung und für mehr individuelle Entscheidungsmöglichkeiten. Er kämpfte gegen Mitleid und das Nicht-ernst-nehmen durch Nichtbehinderte, gegen Abschiebung in Sondereinrichtungen und Ausgrenzung durch bauliche Barrieren. Er kämpfte gegen Aussortieren nach Nützlichkeit durch die moderne Medizin und Kosten-Nutzen-Rechnungen in der Gesundheits- und Sozialpolitik. Mit Gerlef verlieren wir, die Selbstbestimmt-Leben-Bewegung, einen provozierenden Mahner, der uns stets aufforderte, nicht den beschwichtigenden Zusagen der Vertreter_innen von Politik und Behörden zu glauben. Er forderte uns stets auf, genau hinzusehen und Entscheidungen zu hinterfragen. Er warnte vor gesellschaftspolitischen Entwicklungen, die die Selbstbestimmung einschränken oder sogar das Lebensrecht gefähren würden. Gerlefs Tod ist ein großer Verlust für uns alle. Wir haben einen großen Kämpfer verloren. Wir in der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung werden uns bei unseren zukünftigen Auseinandersetzungen um unsere Rechte immer an Gerlefs unermüdlichen Einsatz erinnern. Mir persönlich wird immer sein Scharfsinn, sein weißer Wuschelkopf und seine wilden T-Shirts in Erinnerung bleiben", schreibt Dinah Radtke vom ZsL Erlangen.