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Barrierecheck am Gießener Hauptbahnhof

Heike Leopold testet WC-Tür
Heike Leopold testet WC-Tür
Foto: ZsL Gießen

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Heike Leopold testet WC-Tür
Foto: ZsL Gießen

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Heike Leopold testet WC-Tür
Foto: ZsL Gießen

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Heike Leopold testet WC-Tür
Foto: ZsL Gießen

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Heike Leopold testet WC-Tür
Foto: ZsL Gießen

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Heike Leopold testet WC-Tür
Foto: ZsL Gießen

GIEßEN (KOBINET)

GIEßEN (KOBINET) Behinderte Mitarbeiter des Zentrums selbstbestimmt Leben Gießen erkundeten die Zugänglichkeit des neu umgestalteten Bahnhofsgeländes sowie des Bahnhofgebäudes für Rollstuhlnutzer und blinde Menschen in Gießen. Sie stießen dabei auf neue und alte Barrieren.



Vor kurzem war bereits seitens einiger Betroffenenorganisationen kritisiert worden, dass innerhalb einer Sperrzone vor dem Haupteingang lediglich Taxen und Busse verkehren dürfen, während es gehbehinderten Menschen nicht gestattet ist, sich mit ihren Fahrzeugen dem Bahnhofsgebäude zu nähern. Für das Team des ZsL Gießen stand hingegen vor allem das Bahnhofsinnere im Mittelpunkt des Interesses. Hier konnte Markus Drolshagen, ein blinder Mitarbeiter der ZsL-Beratungsstelle, viele positive Ansätze erkennen, die Menschen mit einer Sehbehinderung die Orientierung erleichtern. Dazu gehören vor allem die so genannten tastbaren Leitstreifen auf den Bahnsteigen und dem Vorplatz. Durch solche rillenförmige Muster im Asphalt werden blinde Menschen, die dem Verlauf mit ihrem Langstock folgen, zu wichtigen Orientierungspunkten wie der Eingangstür, den Treppenabgängen oder am Bahnsteig entlang geleitet. Besonders dann, wenn man sich auf einer großen Freifläche bewegt, so Markus Drolshagen, sind in der Regel keine Hauswände oder andere Orientierungshilfen vorhanden. Dann stellen solche Leitstreifen eine wertvolle Hilfestellung dar. Umso bedauerlicher ist daher nach Ansicht des ZsL Gießen, dass diese bisher in der Bahnhofshalle selbst fehlen. Gerade hier wäre es sinnvoll, eine Leitlinie vom Haupteingang quer bis zu den Ausgangstüren am Bahnsteig 1 zu verlegen und rechtwinklig davon Leitstreifen zum Reisezentrum und dem WC-Center abzweigen zu lassen. Auch in der Unterführung wären tastbare Bodenmarkierungen hilfreich, die auf die Aufgänge zu den einzelnen Gleisen hinweisen.

Sehr gelungen empfand der spät erblindete Stammkunde der Bahn jedoch die Beschilderung in Blindenschrift, die an den Treppengeländern eindeutig auf die Lage von Bahnsteigen und des Hauptgebäudes hinweist. Insgesamt sind die Orientierungshilfen also gut durchdacht und bieten blinden und sehbehinderten Menschen, trotz einiger Lücken im Streifen-Leitsystem, wertvolle Unterstützung. Nach Drolshagens Einschätzung dürfte es für die Betroffenen jedoch auch bei einem noch so lückenlos konzipierten Unterstützungssystem kaum möglich sein, sich auf einem fremden Bahnhof völlig eigenständig zu orientieren: „Ich selbst bin jedenfalls immer dankbar, wenn mir ein Passant seine Hilfe anbietet.“

Die Zugänglichkeit des Bahnhofs, insbesondere im Bahnhofsgebäude, wurde auch von Heike Leopold, Vorstandsmitglied des ZsL Gießen, exemplarisch für RollstuhlnutzerInnen begutachtet. Abgesehen von der Sperrzone, die bereits mehrfach kritisiert wurde, ist die Erreichbarkeit des Bahnhofes mit dem Rollstuhl mit großen Umwegen verbunden oder gar nicht möglich. Wie zum Beispiel bei der neu umgebauten Brücke, die einen Zugang vom Alten Wetzlarer Weg zum Bahnhof bietet. Diese verfügt über eine Rampe deren Steigung für RollstuhlnutzerInnen ohne Begleitung nicht zu überwinden ist. Aber auch die Rampe, die vom Bahnhofsvorplatz zum Eingang des Gebäudes führt, sei laut Heike Leopold trotz schwacher Steigung schwierig alleine zu befahren.

Desweiteren bekomme man ohne Hilfe die Türen zum Bahnhofsgebäude sowie die zu den Gleisen nicht auf. Im Inneren des Gebäudes stößt man auf ein weiteres Hindernis, zumindest wenn man die Toiletten benutzen möchte. Die neuen Sanitäranlagen konnte Heike Leopold nicht öffnen, da die Tür zu schwergängig ist. Das gesonderte Behinderten-WC, direkt bei den Eingangstüren, muss man mit einem EU genormten Schlüssel öffnen, den Schwerbehinderte möglicherweise nutzen, oder man bezahlt einen Euro. Jedoch ist auch hier die Tür schwergängig, so dass Heike Leopold nicht in der Lage war, diese zu öffnen. Erst recht nicht in dem Zeitfenster von ein paar Sekunden während die Tür entriegelt ist. Gehbehinderte Menschen stoßen im Bahnhofsgebäude, wie an vielen anderen Bahnhöfen auch, auf ein weiteres Hindernis welches die Deutsche Bahn betrifft: Wenn man im Rollstuhl reist, muss man sich immer beim Servicepoint anmelden und stößt dabei auf ein Kommunikationshindernis aufgrund der Höhe des Schalters, was zu recht als sehr unangenehm empfunden wird. Das ZsL Gießen hofft auf weitere Veränderungen und appelliert an die Verantwortlichen von Stadt und Bahn, das Gesamtkonzept des Bahnhofs neu zu diskutieren und mit den Betroffenen gemeinsam Lösungen zu finden, um Barrierefreiheit stetig zu verbessern.