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Nach dem Fest

Harald Reutershahn
Harald Reutershahn
Foto: Harald Reutershahn

FRANKFURT AM MAIN (KOBINET) Und wieder drehen wir uns in der nächsten Runde um die Sonne. Auf der immer gleichen langen Bahn von 939,9 Millionen Kilometern. Immer im Kreis herum, doch der Kapitalismus geht nicht kaputt dabei.

Selbst dem Kapital geht das inzwischen auf den Keks, weil alle längst überfälligen gesellschaftlichen Erneuerungen und fortschrittlichen Entwicklungen aufgehalten werden. Selbst die Hyperkatastrophe des Klimawandels, keine Bedrohung für die gesamte Menschheit war jemals größer als diese, schmeißt den Kapitalismus nicht aus der Bahn.

Der weltweite wirtschaftliche Niedergang ist klar erkennbar und wird von keinem bezweifelt, der noch halbwegs bei Verstand ist. Begleitet von der zunehmenden Automatisierung der Produktionsprozesse werde es dem Kapitalismus bald unmöglich sein, auch nur den jetzigen Lebensstandard der einstigen Mittelschicht der nördlichen Hemisphäre aufrechtzuerhalten, schrieb einen Tag vor Weihnachten Cord Reichelmann in der FAZ unter der Überschrift "Die Revolution soll sich beeilen".

Der soziale Reformstau hierzulande ist inzwischen gewaltig. Ein längst fälliges Gesetz zur Sozialen Teilhabe wird es genauso wenig geben wie einen echten gesetzlichen Mindestlohn und die Rückkehr zum umlagefinanzierten staatlichen Rentensystem. Eingeschläfert sind die sozialen Bewegungen im Land. Die Uhren, die man leise ticken hört, sie sind nicht die Wecker, die auf ein allmähliches Erwachen hoffen lassen. Im Gegenteil, es droht uns auch noch ein nationalistischer Rums in Europa.

Unübersehbar nehmen die nicht enden wollenden aggressiven Vorstöße der Privatwirtschaft in den Restbereich sozialstaatlicher Leistungen zu. Als sei dagegen kein Kraut gewachsen.

Mir möchte dazu allmählich nur noch Hermann Hesse einfallen:

Von der Tafel rinnt der Wein,
Alle Kerzen flackern trüber,
Wieder bin ich denn allein,
Wieder ist ein Fest vorüber.

Traurig lösch ich Licht um Licht
In den still gewordnen Räumen,
Nur der Wind im Garten spricht
Ängstlich mit den schwarzen Bäumen.

Ach, wenn dieser Trost nicht wär,
Müde Augen zuzumachen …!
Und ich fühle kein Begehr,
Jemals wieder aufzuwachen.


FRANKFURT AM MAIN (KOBINET) Kategorien Kolumne

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