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Inklusion in Baden-Württemberg aus anderer Sicht

Britta Schade
Britta Schade
Foto: ZsL Stuttgart

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Britta Schade
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Britta Schade
Foto: ZsL Stuttgart

STUTTGART (KOBINET) Am Donnerstag hatten die kobinet-nachrichten eine Presseinformation der baden-württembergischen Sozialministerin Katrin Altpeter über eine Fachtagung zur Inklusion aufgegriffen. Britta Schade vom Stuttgarter Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen in Stuttgart hat sich nun zu Wort gemeldet und ihre Eindrücke von der Fachtagung und zur angestrebten Inklusion in Baden-Württemberg geschildert.

Während Sozialministerin Katrin Altpeter den Beteiligungsprozess der Betroffenen lobt, sieht Britta Schade, das anders. „Beim sogenannten Gülstein Prozess zur Dezentralisierung der Großeinrichtungen waren hauptsächlich diejenigen vertreten, die eher für den Erhalt der Einrichtungen sind – wir waren nicht vertreten auch keiner sonst aus unserem Umfeld, lediglich Gotthilf Lorch konnte erstreiten mit dazu kommen. Wer eine echte Inklusion will, sollte auch diejenigen einbeziehen, die schon viele Erfahrungen mit dem Leben mitten in der Gesellschaft haben“, so Britta Schade.

„Bei der Veranstaltung ist mir wieder einmal deutlich geworden, wie gefährlich das Wunsch – und Wahlrecht sein kann, wenn dieses hauptsächlich dafür genutzt wird, den Erhalt der Sondereinrichtungen zu rechtfertigen. Auf dem Podium waren Vertreter von Trägereinrichtungen, die Kirche, der Städte- und Gemeindetag, der Behindertenbeauftragte und die Vertreter der Parteien, die für Fragen zum Thema Behinderung zusändig sind. Nur Frau Pagel-Steidel, die Geschäftsführerin vom Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (LVKM) sprach als Betroffenenvertreterin, aber vorrangig als Befürworterin für den Erhalt der Sondereinrichtungen. Mehrfach wurde erwähnt, dass die Menschen mit Behinderung ja nicht gefangen wären in den Einrichtungen und nicht an den Gitterstäben rütteln, dass sie zunehmend zwangsfixiert werden in Rollstühlen aus Personalmangel, dass sie Medikamente bekommen, damit die alle zwei Tage geregelt aufs Klo gehen etc. wurde natürlich nicht erwähnt. Dafür wurde immer und immer wieder wiederholt, dass die Auflösung der Komplexeinrichtungen schwierig ist, viel Geld kostet, aber ja doch etwas ist, was voran getrieben werden muss, aber immer ohne Zeitangaben oder konkrete Zielvorstellungen.“

„Wir als Menschen mit Behinderung fühlten uns in dieser Veranstaltung als Kostenfaktor – Inklsuion ist teuer, muss von den Unbehinderten für uns gemacht werden, ist schwer und kaum machbar. Und – natürlich immer wieder das Totschlagargument: was passiert mit den schwer mehrfach behinderten Menschen, die nicht inkludiert werden können – angeblich. Die blieben angeblich übrig und mensch könne die Menschen aus den Einrichtungen ja nicht einfach raus nehmen und ihnen ihr zuHause nehmen. Dabei fand ich besonders heftig was einer sagte: ‚die Einrichtungen haben ja eine lange Geschichte – mehr als 160 jahre – sie sind ja zum Schutz der Menschen mit Behinderung da‘. Dazu frage ich mich natürlich, ob es dabei nicht vorrangig um den Schutz der Gesellschaft vor ihnen geht, bis hin zum Töten gleich zu Beginn der Nazizeit. Es wurde nicht erwähnt. dass es ein Menschenrecht ist, frei zu leben, es wurden keine Modelle aufgeführt, wie Inklusion gehen kann. So war auch zum Schluss nach der Podiumsdiskussion nur noch eine kurze Zeit zur Verfügung, in der ZuschauerInnen was sagen konnten. Das war aber sehr sehr knapp, so dass es so gut wie keine Möglichkeit gab, unsere Sichtweise darzustellen.“