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Diversity-Kompetenz hat in der Justiz noch kaum Stellenwert

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Foto: omp

BERLIN (KOBINET) Anlässlich des 1. Deutschen Diversity-Tags mahnt das Deutsche Institut für Menschenrechte zu einem wertschätzenden und professionellen Umgang in der Justiz mit Vielfalt und Unterschiedlichkeiten von Menschen.

"Diversity-Kompetenz hat in der Justiz nahezu noch keinen Stellenwert", kritisiert Beate Rudolf, Direktorin des Instituts. Die Folge davon seien Barrieren beim Zugang zum Recht. Wenn Anwaltschaft, Richterschaft, Staatsanwälte und Staatsanwältinnen kein Bewusstsein besäßen für Unterschiedlichkeiten und für die immer noch damit verbundenen Chancenungleichheiten und Ausschlussmechanismen in der Gesellschaft, könnten sie auch nicht effektiv mit den vielfältigen Parteien kommunizieren oder sie angemessen vor Gericht vertreten, so Beate Rudolf. "Der Zugang zum Recht aber ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Menschenrechte und daher zu sichern."

Fehlende Diversity-Kompetenz kann auch dazu führen, dass Diskriminierungen erst gar nicht erkannt werden. "Nur ein Bruchteil aller Diskriminierungsfälle gelangt in die anwaltliche Beratung und ein noch kleinerer Teil führt zu Gerichtsverfahren", bedauert Nina Althoff, Juristin und Leiterin des Projekts "Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt" am Deutschen Institut für Menschenrechte. Deutschland sei aber menschenrechtlich zu einem effektiven Rechtsschutz gegen Diskriminierung verpflichtet.

"Die juristische Aus- und Fortbildung sollte um Diversity-Trainings und Sensibilisierungsmaßnahmen zu Ausschließungsmechanismen wie Rassismus und Sexismus ergänzt werden", fordert Nina Althoff. Bislang fehle ein solches Angebot weitgehend. Das Projekt "Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt" entwickelt solche Informations- und Fortbildungsmodule mit dem Ziel, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in Diversity und menschenrechtsbasiertem Diskriminierungsschutz zu qualifizieren. Langfristiges Ziel des Projekts ist es, solche Fortbildungen in die Curricula der juristischen Bildungsträger aufzunehmen. Das Projekt stützt sich auf Kooperationspartner wie das Deutsche Anwaltsinstitut (DAI), den Deutschen Anwaltverein (DAV) und die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK).

Diversity meint eine Vielzahl von Dimensionen wie ethnischer Hintergrund, Religion, Behinderung, Geschlechtsidentitäten, sexuelle Vielfalt, Alter oder Lebenskonzepte. Informationen zum Projekt "Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt" gibt's unter http://ots.de/YyxOV

Online-Handbuch "Aktiv gegen Diskriminierung": http://www.aktiv-gegen-diskriminierung.de/

Das Projekt "Anwaltschaft für Menschenrechte und Vielfalt" ist im Januar 2012 gestartet und auf drei Jahre angelegt. Es wird im Rahmen des XENOS-Programms "Integration und Vielfalt" durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

BERLIN (KOBINET) Kategorien Nachrichten

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sajkrw1