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Oscar Pistorius vor Gericht

Ausschnitt aus Spiegel-Artikel über den Paralympics-Sieger
Ausschnitt aus Spiegel-Artikel über den Paralympics-Sieger
Foto: sch

JOHANNESBURG (KOBINET) Oscar Pistorius, dem der Mord an dem 29-jährigen Model Reeva Steenkamp vorgeworfen wird, hat morgen vor Gericht in Pretoria zu erscheinen. Beobachter erwarten, dass der Prozess schon nach wenigen Minuten bis August wieder vertagt wird. Staatsanwaltschaft und Polizei brauchen noch mehr Zeit für ihre Ermittlungen. Die Verteidigung des 26-jährigen Prothesensprinters hat wohl nichts einzuwenden.

Mehr als die bekannte Aussage von Oscar Pistorius, er habe seine Freundin in der Nacht zum Valentinstag aus Versehen erschossen, weil er sie für einen Einbrecher hielt, wird vom „schnellsten Mann der Welt ohne Beine“ nicht kommen. Was in dieser finsteren Nacht geschah, beschäftigt indessen weiter die Medien. Das Nachrichten-Magazin Spiegel (3.6.13) sucht Antworten auf die Frage: Wer ist der Mann, dem nun der Prozess gemacht wird? 

Die Spiegel-Journalisten haben mit vielen Leuten aus dem Umfeld des prominenten Angeklagten gesprochen, auch mit Wilfried Daniels, der bis 2009 Leichtathletik-Nationaltrainer in Südafrika war und vor acht Jahren Pistorius kennenlernte. "Was mich an Oscar immer beeindruckt hat: sein Selbstvertrauen. Aber die Grenze zwischen Selbstvertrauen und Arroganz ist schmal. Und Oscar hat sie überschritten", sagt er. "Oscar dachte irgendwann, die Sonne gehe nicht auf, bevor er aus dem Bett steigt." 

Der Johannesburger Korrespondent der Berliner Zeitung schrieb in der Wochenendausgabe, dass das globale Sport-Idol seine Siegesgewissheit verloren habe. Der Mann habe noch kurz nach der Tat gesagt: "Ich werde das überleben. Ich gewinne immer." Doch inzwischen zitiert ihn sein enger Freund Mike Azzie mit ganz anderen Worten: „Ich bin ein gebrochener Mann“, soll ihm die einstige Ikone der Sportwelt jüngst anvertraut haben.

"Vielleicht wollte er seine Freundin tatsächlich nicht ermorden. Vielleicht ist er ein paranoider Freak. Ein Cowboy, der nicht mehr klar denken konnte vor Angst", heißt es am Ende des Spiegel-Berichts. "Oder ist er doch ein Killer? Ein Waffennarr, der genau wusste, was er tat, als er abdrückte?" Der Richter werde versuchen, Antworten zu finden, was genau am Morgen des 14. Februar passiert ist.

Mit Staatsanwalt Gerrie Nel hat die Anklage einen ihrer herausragenden Juristen aufgeboten, mit dem Advokaten Barry Roux vermochte Pistorius einen der Staranwälte des Landes anzuheuern, so der für Zeitungen und Magazine im deutschsprachigen Raum schreibende Afrika-Korrespondent Johannes Dieterich aus Johannesburg. Rund 4 000 Euro am Tag kostet der Anwalt.