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Linke Behindertensprecherin bei Maikundgebung behindert

Doris Sorge, Sprecherin der LAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik Hessen und Jochen Nagel, GEW-Vorsitzender Hessen.
Doris Sorge, Sprecherin der LAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik Hessen und Jochen Nagel, GEW-Vorsitzender Hessen.
Foto: Doris Sorge

KASSEL (KOBINET) Der 1. Mai 2013 sollte für Doris Sorge ein ganz besonderer Tag werden. "Das wurde er auch, nur etwas anders als ich gedacht hatte", berichte die Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Selbstbestimmte Behindertenpolitik Hessen - DIE LINKE heute den kobinet-nachrichten.

"Durch meine Gehbehinderung konnte ich seit über 10 Jahren leider an keiner Maikundgebung mehr teilnehmen.  Also kaufte ich mir ein Lastenfahrrad. Mit dieser Gehhilfe kann ich als Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Selbstbestimmte Behindertenpolitik Hessen jetzt alle Veranstaltungen besuchen. Auf die Maikundgebung in Kassel hatte ich mich besonders gefreut, weil Jochen Nagel, der GEW–Vorsitzende in Hessen, der Hauptredner war, den ich persönlich kenne.

Mein neues Fahrrad hatte ich mit Fähnchen der LINKEN geschmückt und natürlich ist am Vorderaufbau – wie man auf dem Foto gut erkennen kann – das  LINKEN Logo zu sehen. Einem der Organisationssekretäre war das dann doch wohl etwas zu bunt. Er forderte mich auf, den Platz 'umgehend' zu verlassen. 'Infostände' seien 'nicht erwünscht'. Auch mein vorsichtiger Hinweis, dass es sich um eine Gehhilfe handele, konnte ihn nicht überzeugen.

Geschmückte Rollatoren sollen also eine Gehhilfe, Fahrräder ein Infostand sein. Natürlich habe ich mich nicht vom Platz verdrängen lassen. Ich blieb sitzen und habe Jochen Nagel zugehört, der sich aktiv für Inklusion einsetzt und in seiner Mairede auch die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen, also auch der Menschen mit Behinderungen, am gesellschaftlichen Leben gefordert hat.

Dieses Beispiel zeigt erneut, wie schwer es ist, Inklusion zu leben. Die UN–Behindertenkonvention sieht eine Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben vor.  Die Konvention soll eine vielfältige Gesellschaft ermöglichen. In dieser Vielfalt haben alle Menschen einen Platz – auch auf Maikundgebungen. Der 1. Mai erinnert an die Durchsetzung des Achtstundentages. Der Tag soll an die Ziele der Arbeiterbewegung erinnern. Gemeinsam wollen wir auch heute (!)  noch die  Emanzipation der Arbeiterklasse und die konkrete Verbesserung unserer  Lebensbedingungen erreichen.

Bleibt zu wünschen, dass in Zukunft auch Organisationssekretäre sich mehr für Inklusion einsetzen und kleinkarierte Auslegungen über die Frage von 'Infostand oder nicht' unterlassen. Dann können wir wirklich gemeinsam für die Verbesserung der Lebensbedingungen aller Menschen kämpfen.

Spaltung schwächt unsere Bewegung und erschwert die Durchsetzung unserer Interessen.  Nur ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Parteien und außerparlamentarischen Organisationen bringt uns dem Ziel einer emanzipatorischen und inklusiven Gesellschaft näher."

KASSEL (KOBINET) Kategorien Nachrichten

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/scdim50