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Digitaler Sozialstaat braucht Wohlfahrtsverbände als Front Office

Im Zentrum ein Computer mit angedeuteten Verbindungen zu sozialen Netzen
Im Zentrum ein Computer mit angedeuteten Verbindungen zu sozialen Netzen
Foto: Pixabay/lakexyde

BERLIN (kobinet)

Anlässlich des Digitalgipfels der Bundesregierung in Berlin fordern der Deutsche Caritasverband (DCV), die Agora Digitale Transformation und das Sonderforschungszentrum des Deutschen Instituts für interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS SoFo), die Beratungsstellen der Freien Wohlfahrtspflege als feste wohnortnahe Anlaufstellen im digitalen Sozialstaat zu verankern. Digitalisierung allein garantiere keinen Zugang zu sozialen Leistungen für alle Bürgerinnen und Bürger, betonen die Organisationen. In den kommenden Wochen stehen wichtige politische Entscheidungen zur Digitalisierung des Sozialstaats an. Die Sozialstaatskommission empfiehlt ein zentrales digitales Sozialportal, über das Bürger*innen Leistungen von Bund, Ländern und Kommunen beantragen können. Gleichzeitig sollen Menschen, die digitale Angebote nicht eigenständig nutzen können, Unterstützung vor Ort erhalten. Wie diese organisiert und finanziert werden soll, ist bislang offen.

Susanne Pauser, Vorstand Personal und Digitales des Deutschen Caritasverbands, erklärt: "Die Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände sind längst das bewährte Front Office des digitalen Sozialstaats. Sie sind wohnortnah, niedrigschwellig, unabhängig, verfügen über sozialrechtliche Kompetenz und kennen Behördenvorgänge. Es wäre weder wirtschaftlich noch sinnvoll, diese Strukturen durch neue staatliche Anlaufstellen zu ersetzen oder ausschließlich auf Digitallotsen ohne sozialrechtliche Beratungskompetenz zu setzen."

Die Beratungsstellen der Freien Wohlfahrtspflege übernehmen bereits heute eine wichtige Brückenfunktion zwischen Bürger*innen und der Sozialverwaltung. Ob Allgemeine Sozialberatung, Schuldnerberatung, Wohnungslosenhilfe oder Migrationsberatung – sie unterstützen Menschen bei komplexen Problemlagen, klären sozialrechtliche Ansprüche und helfen bei der Antragstellung. Eine Stichtagserhebung der Allgemeinen Sozialberatung der Caritas zeigt: 42,6 Prozent der Ratsuchenden haben Schwierigkeiten mit digitalen Verfahren. Fehlende technische Ausstattung, komplizierte Antragswege und mangelnde Verständlichkeit erschweren den Zugang zu staatlichen Leistungen.

"Ein digitaler Sozialstaat muss für alle Menschen erreichbar bleiben. Wer Sozialleistungen beantragt, braucht oft mehr als technische Unterstützung. Es geht um existenzielle Fragen, um sozialrechtliche Ansprüche und um die Sicherheit, die Hilfe zu bekommen, die einem zusteht. Deshalb dürfen wir digitale Zugänge und persönliche Beratung nicht gegeneinander ausspielen. Das ist sozial gerecht, wirtschaftlich vernünftig und entlastet zugleich die Verwaltung", so Pauser.

Die Digitalisierung des Sozialstaats biete große Chancen wie weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und einen einfacheren Zugang zu staatlichen Leistungen, so die Organisationen. Diese Chancen könnten jedoch nur genutzt werden, wenn die digitalen Angebote auch für Menschen mit geringem Einkommen, eingeschränkten Sprachkenntnissen oder wenig digitaler Erfahrung erreichbar seien.

Hintergrund ist ein gemeinsames Positionspapier der drei Organisationen, das sich mit der Rolle unabhängiger Beratungsangebote bei der Digitalisierung des Sozialstaats befasst. Es formuliert konkrete Empfehlungen für die institutionelle Verankerung, die technische Gestaltung digitaler Antragsverfahren und die Qualifizierung von Beratungsfachkräften.

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