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Bremen ermöglichte wichtige Tagung zur Erinnerung an NS-Medizinverbrechen in Berlin

Arne Frankenstein mit E-Rolli unterwegs
Arne Frankenstein mit E-Rolli unterwegs
Foto: Tristan Vankann / fotoetage

Bremen / Berlin (kobinet)

Bremen leistete einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungsarbeit an die nationalsozialistischen Medizinverbrechen: Auf Initiative des Landesbehindertenbeauftragten Arne Frankenstein ermöglichte die Vertretung des Landes Bremen beim Bund dem Arbeitskreis zur Erforschung der nationalsozialistischen "Euthanasie" und Zwangssterilisation, seine Herbsttagung vom 30. Oktober bis zum 1. November 2026 in Berlin auszurichten. Die Tagung brachte Forschung, Angehörige, Selbstvertretungen und Politik miteinander ins Gespräch. Ziel war es insbesondere, die Umsetzung des Bundestagsbeschlusses "Opfer von NS-‚Euthanasie‘ und Zwangssterilisation – Aufarbeitung intensivieren" (Drucksache 20/12415) zu befördern.

Ein wichtiger Schwerpunkt lag am Samstag: Nach dem Grußwort des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, diskutierten Angehörige, Selbstvertretung und Disability Studies über die Perspektiven und Erfahrungen behinderter Menschen. Das Podium mit Birgitt Rambalski, Prof. Dr. Petra Fuchs und Dr. Sigrid Arnade machte deutlich, dass Aufarbeitung unterschiedliche Stimmen einbeziehen muss – insbesondere die der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Darüber hinaus wurden unter anderem die ausgebliebene Entschädigung der Opfer sowie der Zugang zu Patientenakten und Archiven behandelt. Die Veranstalter leisteten damit einen wichtigen Beitrag, die Erinnerung wachzuhalten und offene Fragen der Aufarbeitung weiterzuverfolgen.

Nancy Böhning, Bevollmächtigte der Freien Hansestadt Bremen beim Bund und für Europa betonte: "Erinnerungsarbeit braucht Orte. Die Erinnerungsarbeit an die NS-Euthanasie-Verbrechen bedeutet, den Opfern ihre Würde zurückgeben, ihr Leid sichtbar zu machen und die Verantwortung für die Geschichte wach zu halten. Die Tagung in der Landesvertretung Bremen in Berlin würdigt das Engagement all jener, die das Unrecht aufarbeiten, das Gedenken bewahren und sich für eine Gesellschaft einsetzen, in der jeder Mensch unabhängig von Krankheit oder Unterstützungsbedarf gleichwertig und unantastbar geachtet wird. Heute ist es umso mehr unsere gemeinsame Verantwortung, die Würde aller Menschen uneingeschränkt zu achten und zu schützen."

Dr. Claudia Schilling, Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration sowie für Justiz und Verfassung betonte: "Auf dieser Tagung geht es darum, die Menschen hinter den Akten als Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes anzuerkennen und die Angehörigen ernst zu nehmen, die vielfach über Jahrzehnte mit Verlust und fehlender Anerkennung leben mussten. Gleichzeitig werden durch die fachliche Debatte ganz grundlegende Fragen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens ebenso wie die Fundamente unseres Rechtsstaates berührt."

Arne Frankenstein, Landesbehindertenbeauftragter der Freien Hansestadt Bremen erklärte: "Viel zu häufig wird noch immer über behinderte Menschen gesprochen und nicht mit ihnen. So können sich menschen- und behindertenfeindliche Positionen artikulieren und durchsetzen. Das zeigt sich auch im aktuellen Erstarken rechtsextremer Kräfte. Darum ist es gerade jetzt so wichtig, die Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit wachzuhalten und endlich auch die Perspektive behinderter Menschen wahr- und ernst zu nehmen. Hierzu kann diese Tagung einen wichtigen Beitrag leisten."

Die Tagung wurde durch die Unterstützung der Landesvertretung, des Landesbehindertenbeauftragten, der Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration, der KulturAmbulanz, des GeDenkOrt.Charité, des Förderkreises Gedenkort T4 e. V. und des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen ermöglicht.

Link zu weiteren Informationen zur Veranstaltung: https://www.behindertenbeauftragter.bremen.de/oeffentlichkeit/tagungen-und-veranstaltungen/opfer-von-ns-euthanasie-und-zwangssterilisation-aufarbeitung-intensivieren-47268

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