Kassel (kobinet)
Mandy Müller arbeitet beim Verein fab in Kassel.
fab bedeutet: Verein zur Förderung der Selbst-Bestimmung Behinderter.
Selbst-Bestimmung bedeutet: Man entscheidet selbst.
Niemand anders entscheidet für einen.
Sie arbeitet dort seit dem 1. Oktober 2025.
Sie leitet das Projekt Aktiv Teilhabe gestalten.
In ihrem Projekt geht es um politische Selbst-Vertretung.
Politische Selbst-Vertretung bedeutet: Menschen mit Behinderungen vertreten ihre Interessen.
Sie setzen sich selbst für ihre Rechte ein.
Es geht auch um Empowerment.
Empowerment bedeutet: Menschen werden stärker und selbst-bewusster.
Selbst-bewusst sein bedeutet: Du magst dich selbst und weißt, was du kannst.
Am 16. und 17. Oktober 2026 gibt es eine wichtige Tagung.
Tagung bedeutet: Viele Menschen treffen sich zu einem Thema.
Die Tagung heißt: Nicht neutral! Haltung zeigen und Inklusion verteidigen.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen sind mit dabei.
Mandy Müller organisiert diese Tagung mit.
Du kannst dich noch anmelden.
Das Magazin kobinet-nachrichten hat Mandy Müller befragt.
Ein Magazin ist eine Zeit-Schrift mit Berichten zu einem Thema.
Die Fragen stellt Ottmar Miles-Paul.
Hier liest du das Gespräch.
Du hast beim fab als Praktikantin begonnen.
Eine Praktikantin arbeitet für kurze Zeit in einem Betrieb.
Sie lernt dort die Arbeit kennen.
Jetzt arbeitest du seit einem Jahr fest dort.
Was ist passiert?
Wie geht es dir?
Mir geht es super.
Das Jahr ist sehr schnell vergangen.
Ich habe viele Veranstaltungen organisiert.
Veranstaltung bedeutet: Ein Treffen für viele Menschen.
Ich habe Menschen beraten und mit Gruppen gearbeitet.
Ich habe viele Menschen und ihre Ideen kennengelernt.
Was würdest du dir selbst von damals sagen?
Ich sage mir: Mach dir nicht zu viele Sorgen.
Niemand weiß am Anfang alles.
Im Job lernt man vieles erst durch das Tun.
Man braucht eine gute Vorbereitung.
Vorbereitung bedeutet: Man macht sich bereit für eine Aufgabe.
Man muss auch offen für Neues sein.
Was hast du über politische Selbst-Vertretung gelernt?
Was steht in keinem Buch?
Politische Selbst-Vertretung ist sehr individuell.
Individuell bedeutet: Sie ist für jede Person anders.
Es gibt viele verschiedene Themen für behinderte Menschen.
Es gibt auch viele verschiedene Wege.
Jede Person wählt den Weg, der zu ihr passt.
Man muss nicht in einer Partei oder einem Verein aktiv sein.
Eine politische Partei ist eine Gruppe von Menschen mit der gleichen politischen Meinung.
Ein Verein ist eine Gruppe von Menschen, die zusammen arbeiten.
Man kann zum Beispiel Bilder oder Kunst machen.
Oder man erklärt anderen Menschen wichtige Themen.
Aufklärung bedeutet: Man erklärt anderen ein wichtiges Thema.
Zum Beispiel: Was sind die Rechte von behinderten Menschen?
Braucht die Behinderten-Bewegung mehr Ausdauer oder mehr Lautstärke?
Die Behinderten-Bewegung ist eine Gruppe von Menschen mit Behinderung.
Sie kämpfen gemeinsam für ihre Rechte.
Ausdauer bedeutet: Man macht etwas lange weiter und gibt nicht auf.
Lautstärke bedeutet hier: Viele Menschen sagen ihre Meinung deutlich.
Wir müssen jetzt laut unsere Meinung sagen.
Wir müssen verhindern, dass behinderte Menschen weniger Rechte bekommen.
Das klingt schwer.
Aber ich glaube: Gemeinsam können wir stark sein.
Wenn wir jetzt laut sind, wird die Bewegung stärker.
Eine Bewegung bedeutet hier: Viele Menschen kämpfen gemeinsam für das gleiche Ziel.
Danach können wir auch lange weitermachen.
Wie kam es zur Tagung im Oktober 2026?
Was habt ihr vor?
Das Thema Haltung zeigen gegen Rechts ist sehr wichtig.
Haltung zeigen gegen Rechts bedeutet: Man widerspricht Ideen, die Rechte von Menschen einschränken.
Der Rechts-Ruck schadet den Rechten behinderter Menschen.
Rechts-Ruck bedeutet: Die Politik wird strenger und weniger offen für andere Menschen.
Ich habe das Thema schon länger im Blick.
Juliana Harms vom bifos plante eine solche Tagung.
bifos bedeutet: Bildungs- und Forschungs-Institut zum selbst-bestimmten Leben Behinderter.
Ich habe ihr eine Zusammen-Arbeit vorgeschlagen.
Das passt gut zu unserem Projekt.
Wir haben in Kassel gute Räume dafür.
Kassel liegt in der Mitte von Deutschland.
Deshalb ist es ein guter Ort für eine Tagung.
Am ersten Tag gibt es einen Vortrag.
Es geht darum: Welche Denk-Muster aus der Nazi-Zeit gibt es heute noch?
Ein Denk-Muster bedeutet: Man denkt immer wieder auf die gleiche Art.
Die Nazi-Zeit war von 1933 bis 1945 in Deutschland.
Die Nazis haben damals sehr viele Menschen getötet.
Danach diskutieren alle gemeinsam darüber.
Am Abend sitzen alle locker zusammen.
Es gibt auch Karaoke.
Bei Karaoke singt man zu Musik mit.
Am zweiten Tag gibt es 4 Workshops.
Workshop bedeutet: Eine Gruppe arbeitet gemeinsam an einem Thema.
Du kannst 2 Workshops besuchen.
Ein Thema ist: Umgang mit Diskriminierung.
Diskriminierung bedeutet: Eine Person wird ungerecht und schlechter behandelt als andere.
Ein anderes Thema ist: Bündnisse bilden.
Ein Bündnis bedeutet: Mehrere Gruppen arbeiten zusammen für ein gemeinsames Ziel.
Ein weiteres Thema ist: Sicheres Engagement.
Engagement bedeutet: Man hilft anderen Menschen freiwillig.
Du kannst auch Plakate basteln.
Außerdem spricht die Autorin Lea Streisand.
Eine Autorin ist eine Frau, die Bücher oder Texte schreibt.
Das ganze Programm findest du hier:
Was plant ihr noch nach der Tagung?
Es ist noch viel geplant.
Am 30. September um 19:00 Uhr gibt es eine Veranstaltung.
Sie heißt: Was uns bewegt – behinderte Frauen zwischen Alltag, Politik und Selbst-Vertretung.
Es sprechen Martina Puschke und Beatrice Gomez.
Es geht um Themen und Möglichkeiten für behinderte Frauen.
Am 12. Dezember 2026 gibt es einen Tages-Workshop mit Dörte Maack.
Dort lernen wir: Wie kämpfen wir selbst-bewusst für unsere Themen?
Den Aktiv-Treff gibt es jeden Monat.
Er ist immer am letzten Dienstag im Monat.
Der Aktiv-Treff ist eine lockere Runde für behinderte Menschen.
Du kannst dort neue Menschen kennenlernen.
Du kannst Erfahrungen teilen.
Alle Infos zur Abend-Veranstaltung am 30. September findest du hier:
Für Fragen oder Anmeldungen erreichst du Mandy Müller so:
Telefon: 0561 / 72885-161
E-Mail: [email protected]
Am 16. und 17. Oktober 2026 gibt es die Tagung in Kassel.
Du kannst dich noch anmelden.
Komm vorbei und mach mit!
Foto: fab
Kassel (kobinet)
Vor einem Jahr - am 1. Oktober 2025 - hat Mandy Müller beim Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab) als Koordinatorin des Projektes "Aktiv Teilhabe gestalten" angefangen. Seitdem geht es für sie um politische Selbstvertretung, Empowerment und die Frage, wie Menschen mit Behinderungen ihre eigenen Anliegen vor Ort selbst in die Hand nehmen können. Am 16. und 17. Oktober 2026 wird es für sie nun besonders spannend: Gemeinsam mit dem Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) organisiert Mandy Müller die Tagung "Nicht neutral! Haltung zeigen und Inklusion verteidigen", für die Anmeldungen noch möglich sind. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul hat Mandy Müller zum Einjährigen gefragt, was sie in diesem Jahr gelernt hat, was die Behindertenbewegung gerade braucht – und was sie noch vorhat.
kobinet-nachrichten: Vom Praktikum beim Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab), zu nun ein Jahr Projektarbeit– was ist passiert und wie geht es Ihnen?
Mandy Müller: Mir geht es super. Allerdings ist es irgendwie gar nicht greifbar für mich, dass mein erster Tag hier als fest Angestellte nun schon fast ein Jahr her ist. Seit diesem Tag ist so viel passiert, Veranstaltungen wurden organisiert und durchgeführt, ich habe meine ersten Erfahrungen im Bereich Beratung und im Arbeiten mit Gruppen gesammelt und viele verschiedene Menschen, ihre Geschichte, Ideen und Visionen kennengelernt. Das Jahr ging sehr schnell rum, das ist ein gutes Zeichen, oder?
kobinet-nachrichten: Und wenn Sie heute auf ihren ersten Tag beim fab zurückblicken: Was würden Sie der Mandy Müller von damals gerne sagen?
Mandy Müller: Ich würde Vergangenheits-Mandy sagen, dass sie sich zwar schon ein bisschen, aber nicht zuuuu viele Gedanken machen soll. Man kann nicht mit einem perfekt ausgereiften Know-How in den Beruf gehen, manchmal ist im Job auch ein bisschen "Learning by doing" angesagt. Ich würde ihr sagen, dass sie die Balance finden muss zwischen guter Vorbereitung und einem Open-Mind. Aber wer weiß, ob Vergangenheits-Mandy auf mich hören würde, weil auch diese Erkenntnis von heute muss ja erstmal wachsen…
kobinet-nachrichten: Was haben Sie im letzten Jahr über politische Selbstvertretung gelernt, dass in keinem Seminar und keinem Lehrbuch stand?
Mandy Müller: Das sie total individuell ist – und zwar sowohl inhaltlich als auch in ihrer Form. Es gibt superviele unterschiedliche Themen für behinderte Menschen, für die es sich lohnt bzw. für die es total notwendig ist, sich einzusetzen. Der Fächer ist hier wesentlich breiter, als ich es je gedacht hätte. Und es gibt so viele unterschiedliche Formen, auf welche Weise sich für diese Themen eingesetzt werden kann. Das muss nicht immer die klassische Partei- oder Vereinsarbeit oder der uns wohl bekannte politische Aktivismus sein. Themen in die Mitte der Gesellschaft zu bringen kann auch auf ganz andere, kreative Weise wie über Kunst oder Aufklärung passieren. Jede Person kann hier ihren ganz eigenen und individuellen Weg finden, der zu den jeweiligen Ressourcen und Möglichkeiten passt, und das finde ich so toll daran!
kobinet-nachrichten: Manchmal braucht Veränderung einen langen Atem, manchmal eine ziemlich laute Stimme. Was glauben Sie, was die Bewegung rund um Menschen mit Behinderungen gerade dringender braucht?
Mandy Müller: Meiner Meinung nach brauchen wir gerade vor allem eine laute Stimme, um eine gravierende Veränderung ins Negative aufzuhalten. Das klingt erstmal total demotivierend, ich weiß. Ich glaube aber ganz fest daran, dass wenn wir jetzt GEMEINSAM laut sind um gegen den Rechtsruck stark zu sein, kann die Bewegung daran nur wachsen und langfristig absolut gestärkt daraus hervorgehen. Und dann kommt der lange Atem ganz von allein.
kobinet-nachrichten: Am 16. und 17. Oktober 2026 veranstalten Sie mit Ihrem Projekt aktiv Teilhabe gestalten gemeinsam mit dem Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) die Tagung "Nicht neutral! Haltung zeigen und Inklusion verteidigen". Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und was haben Sie vor?
Mandy Müller: Ich halte das Thema "Haltung zeigen gegen Rechts" momentan auf Grund der politischen Lage, auf die ich vermutlich nicht näher eingehen muss, für besonders wichtig und sehe die Rechte behinderter Menschen auch ganz klar durch den Rechtsruck gefährdet. Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema und priorisiere es sehr hoch. Als ich von Juliana Harms vom bifos hörte, dass sie eine solche Tagung plant, habe ich ihr die Zusammenarbeit vorgeschlagen. Es passt gut in unser Projekt, wir haben hier im Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZSL) Kassel perfekte räumliche Möglichkeiten und Kassel ist als "Mitte von Deutschland" auch ein guter Standort für eine bundesweit ausgeschriebene Tagung.
Es wird ein buntes zweitägiges Programm geben: An Tag eins starten wir mit einem Input darüber, wie bereits im NS-Regime etablierte Denk- und Sprachmuster behinderte Menschen betreffend heute wieder Einzug in die Gesellschaft nehmen. Zu diesem Thema wird es dann auch einen größeren Austausch im Plenum geben. Nach dem Abendessen sitzen wir noch in lockerer Runde zusammen und vergessen hoffentlich mal kurz die schwere Thematik bei ein bisschen Karaoke.
Am zweiten Tag, dem Samstag, gibt es dann die Möglichkeit, zwei von vier Workshops zu besuchen. Dabei sind der Umgang mit Diskriminierung und Anfeindung, das Bilden von Bündnissen und das sichere Engagement die Themen der Workshops, außerdem können Demoplakate und andere kreative Dinge gebastelt werden. Wir kriegen außerdem einen Input von der Autorin und Speakerin Lea Streisand, die selbst eine Behinderung und einen jüdischen Background hat. Das ausführliche Programm und die Ausschreibung für die Tagung, zu der Anmeldungen noch möglich sind, könnt ihr euch hier anschauen:
https://www.bifos.de/nicht-neutral-haltung-zeigen-und-inklusion-verteidigen/
kobinet-nachrichten: Die Tagung "Nicht neutral!" findet im Oktober statt – aber danach geht es ja weiter. Worauf dürfen sich die Kasseler*innen in nächster Zeit noch freuen? Haben Sie schon etwas im Ärmel?
Mandy Müller: Oh ja, es ist einiges geplant. Ganz konkret findet jetzt am 30. September um 19:00 Uhr die Veranstaltung "Was uns bewegt – behinderte Frauen zwischen Alltag, Politik und Selbstvertretung" mit Martina Puschke und Beatrice Gomez statt. Hier stehen besonders die Themen und Engagement-Möglichkeiten behinderter Frauen im Mittelpunkt.
Am 12. Dezember 2026 bieten wir einen Tagesworkshop mit Dörte Maack an, indem wir gemeinsam lernen wollen, wie wir selbstbewusst für unsere Themen kämpfen. Weiterhin findet jeden letzten Dienstag im Monat unser AktivTreff statt, eine lockere Austauschrunde für behinderte Menschen, die sich bereits engagieren oder damit beginnen möchten. Hier widmen wir uns immer wieder gemeinsam verschiedenen Themen, knüpfen Kontakte und tauschen Erfahrungen aus. Und auch für nächstes Jahr gibt es bereits viele Ideen, lasst euch überraschen…
Hier noch Infos zur Abendveranstaltung am 30. September:
https://fab-kassel.de/aktiv-teilhabe-gestalten/#termine
Für weitere Infos oder zur Anmeldung wie z. B. dem Tagesworkshop mit Dörte Maack oder dem AktivTreff kann Mandy Müller direkt kontaktiert werden:
Tel: 0561/72885-161
Mail: [email protected]
Mandy Müller hat also noch einiges vor. Und wer wissen möchte, was daraus wird, muss nicht fünf Jahre warten: Am 16. und 17. Oktober 2026 gibt es in Kassel bereits die nächste Gelegenheit, gemeinsam ins Gespräch zu kommen, Haltung zu zeigen und vielleicht auch die eine oder andere Idee auf den Weg zu bringen.
Link zur Tagung: Nicht Neutral. Haltung zeigen. Inklusion verteidigen, für die die Anmeldung noch möglich ist.
https://www.bifos.de/nicht-neutral-haltung-zeigen-und-inklusion-verteidigen/
Link zum Projekt Aktiv Teilhabe gestalten
Foto: fab
Kassel (kobinet)
Vor einem Jahr - am 1. Oktober 2025 - hat Mandy Müller beim Kasseler Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab) als Koordinatorin des Projektes "Aktiv Teilhabe gestalten" angefangen. Seitdem geht es für sie um politische Selbstvertretung, Empowerment und die Frage, wie Menschen mit Behinderungen ihre eigenen Anliegen vor Ort selbst in die Hand nehmen können. Am 16. und 17. Oktober 2026 wird es für sie nun besonders spannend: Gemeinsam mit dem Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) organisiert Mandy Müller die Tagung "Nicht neutral! Haltung zeigen und Inklusion verteidigen", für die Anmeldungen noch möglich sind. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul hat Mandy Müller zum Einjährigen gefragt, was sie in diesem Jahr gelernt hat, was die Behindertenbewegung gerade braucht – und was sie noch vorhat.
kobinet-nachrichten: Vom Praktikum beim Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter (fab), zu nun ein Jahr Projektarbeit– was ist passiert und wie geht es Ihnen?
Mandy Müller: Mir geht es super. Allerdings ist es irgendwie gar nicht greifbar für mich, dass mein erster Tag hier als fest Angestellte nun schon fast ein Jahr her ist. Seit diesem Tag ist so viel passiert, Veranstaltungen wurden organisiert und durchgeführt, ich habe meine ersten Erfahrungen im Bereich Beratung und im Arbeiten mit Gruppen gesammelt und viele verschiedene Menschen, ihre Geschichte, Ideen und Visionen kennengelernt. Das Jahr ging sehr schnell rum, das ist ein gutes Zeichen, oder?
kobinet-nachrichten: Und wenn Sie heute auf ihren ersten Tag beim fab zurückblicken: Was würden Sie der Mandy Müller von damals gerne sagen?
Mandy Müller: Ich würde Vergangenheits-Mandy sagen, dass sie sich zwar schon ein bisschen, aber nicht zuuuu viele Gedanken machen soll. Man kann nicht mit einem perfekt ausgereiften Know-How in den Beruf gehen, manchmal ist im Job auch ein bisschen "Learning by doing" angesagt. Ich würde ihr sagen, dass sie die Balance finden muss zwischen guter Vorbereitung und einem Open-Mind. Aber wer weiß, ob Vergangenheits-Mandy auf mich hören würde, weil auch diese Erkenntnis von heute muss ja erstmal wachsen…
kobinet-nachrichten: Was haben Sie im letzten Jahr über politische Selbstvertretung gelernt, dass in keinem Seminar und keinem Lehrbuch stand?
Mandy Müller: Das sie total individuell ist – und zwar sowohl inhaltlich als auch in ihrer Form. Es gibt superviele unterschiedliche Themen für behinderte Menschen, für die es sich lohnt bzw. für die es total notwendig ist, sich einzusetzen. Der Fächer ist hier wesentlich breiter, als ich es je gedacht hätte. Und es gibt so viele unterschiedliche Formen, auf welche Weise sich für diese Themen eingesetzt werden kann. Das muss nicht immer die klassische Partei- oder Vereinsarbeit oder der uns wohl bekannte politische Aktivismus sein. Themen in die Mitte der Gesellschaft zu bringen kann auch auf ganz andere, kreative Weise wie über Kunst oder Aufklärung passieren. Jede Person kann hier ihren ganz eigenen und individuellen Weg finden, der zu den jeweiligen Ressourcen und Möglichkeiten passt, und das finde ich so toll daran!
kobinet-nachrichten: Manchmal braucht Veränderung einen langen Atem, manchmal eine ziemlich laute Stimme. Was glauben Sie, was die Bewegung rund um Menschen mit Behinderungen gerade dringender braucht?
Mandy Müller: Meiner Meinung nach brauchen wir gerade vor allem eine laute Stimme, um eine gravierende Veränderung ins Negative aufzuhalten. Das klingt erstmal total demotivierend, ich weiß. Ich glaube aber ganz fest daran, dass wenn wir jetzt GEMEINSAM laut sind um gegen den Rechtsruck stark zu sein, kann die Bewegung daran nur wachsen und langfristig absolut gestärkt daraus hervorgehen. Und dann kommt der lange Atem ganz von allein.
kobinet-nachrichten: Am 16. und 17. Oktober 2026 veranstalten Sie mit Ihrem Projekt aktiv Teilhabe gestalten gemeinsam mit dem Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) die Tagung "Nicht neutral! Haltung zeigen und Inklusion verteidigen". Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und was haben Sie vor?
Mandy Müller: Ich halte das Thema "Haltung zeigen gegen Rechts" momentan auf Grund der politischen Lage, auf die ich vermutlich nicht näher eingehen muss, für besonders wichtig und sehe die Rechte behinderter Menschen auch ganz klar durch den Rechtsruck gefährdet. Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema und priorisiere es sehr hoch. Als ich von Juliana Harms vom bifos hörte, dass sie eine solche Tagung plant, habe ich ihr die Zusammenarbeit vorgeschlagen. Es passt gut in unser Projekt, wir haben hier im Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZSL) Kassel perfekte räumliche Möglichkeiten und Kassel ist als "Mitte von Deutschland" auch ein guter Standort für eine bundesweit ausgeschriebene Tagung.
Es wird ein buntes zweitägiges Programm geben: An Tag eins starten wir mit einem Input darüber, wie bereits im NS-Regime etablierte Denk- und Sprachmuster behinderte Menschen betreffend heute wieder Einzug in die Gesellschaft nehmen. Zu diesem Thema wird es dann auch einen größeren Austausch im Plenum geben. Nach dem Abendessen sitzen wir noch in lockerer Runde zusammen und vergessen hoffentlich mal kurz die schwere Thematik bei ein bisschen Karaoke.
Am zweiten Tag, dem Samstag, gibt es dann die Möglichkeit, zwei von vier Workshops zu besuchen. Dabei sind der Umgang mit Diskriminierung und Anfeindung, das Bilden von Bündnissen und das sichere Engagement die Themen der Workshops, außerdem können Demoplakate und andere kreative Dinge gebastelt werden. Wir kriegen außerdem einen Input von der Autorin und Speakerin Lea Streisand, die selbst eine Behinderung und einen jüdischen Background hat. Das ausführliche Programm und die Ausschreibung für die Tagung, zu der Anmeldungen noch möglich sind, könnt ihr euch hier anschauen:
https://www.bifos.de/nicht-neutral-haltung-zeigen-und-inklusion-verteidigen/
kobinet-nachrichten: Die Tagung "Nicht neutral!" findet im Oktober statt – aber danach geht es ja weiter. Worauf dürfen sich die Kasseler*innen in nächster Zeit noch freuen? Haben Sie schon etwas im Ärmel?
Mandy Müller: Oh ja, es ist einiges geplant. Ganz konkret findet jetzt am 30. September um 19:00 Uhr die Veranstaltung "Was uns bewegt – behinderte Frauen zwischen Alltag, Politik und Selbstvertretung" mit Martina Puschke und Beatrice Gomez statt. Hier stehen besonders die Themen und Engagement-Möglichkeiten behinderter Frauen im Mittelpunkt.
Am 12. Dezember 2026 bieten wir einen Tagesworkshop mit Dörte Maack an, indem wir gemeinsam lernen wollen, wie wir selbstbewusst für unsere Themen kämpfen. Weiterhin findet jeden letzten Dienstag im Monat unser AktivTreff statt, eine lockere Austauschrunde für behinderte Menschen, die sich bereits engagieren oder damit beginnen möchten. Hier widmen wir uns immer wieder gemeinsam verschiedenen Themen, knüpfen Kontakte und tauschen Erfahrungen aus. Und auch für nächstes Jahr gibt es bereits viele Ideen, lasst euch überraschen…
Hier noch Infos zur Abendveranstaltung am 30. September:
https://fab-kassel.de/aktiv-teilhabe-gestalten/#termine
Für weitere Infos oder zur Anmeldung wie z. B. dem Tagesworkshop mit Dörte Maack oder dem AktivTreff kann Mandy Müller direkt kontaktiert werden:
Tel: 0561/72885-161
Mail: [email protected]
Mandy Müller hat also noch einiges vor. Und wer wissen möchte, was daraus wird, muss nicht fünf Jahre warten: Am 16. und 17. Oktober 2026 gibt es in Kassel bereits die nächste Gelegenheit, gemeinsam ins Gespräch zu kommen, Haltung zu zeigen und vielleicht auch die eine oder andere Idee auf den Weg zu bringen.
Link zur Tagung: Nicht Neutral. Haltung zeigen. Inklusion verteidigen, für die die Anmeldung noch möglich ist.
https://www.bifos.de/nicht-neutral-haltung-zeigen-und-inklusion-verteidigen/
Link zum Projekt Aktiv Teilhabe gestalten





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