Trier (kobinet)
Dance-Ability ist eine besondere Tanz-Methode.
Eine Tanz-Methode ist ein bestimmter Weg zum Tanzen.
Alle Menschen können mitmachen.
Es ist egal, wie jemand sich bewegt.
Manche Menschen haben eine Behinderung.
Eine Behinderung macht manche Dinge schwierig.
Man braucht oft mehr Hilfe.
Bei Dance-Ability kann jeder mitmachen.
Lucienne Mindermann macht gerade eine Ausbildung dazu.
In dieser Ausbildung lernt Lucienne, wie man Dance-Ability unterrichtet.
Die Ausbildung heißt: Dance-Ability Teacher.
Teacher bedeutet: Lehr-Person.
Die Ausbildung findet in Trier statt.
Die Ausbildung begann im September 2024.
Sie endet im Mai 2027.
Lucienne schreibt hier über ihre Erfahrungen.
Bei Dance-Ability macht niemand etwas vor.
Alle bewegen sich auf ihre eigene Art.
Jede Bewegung kann anders aussehen.
Das ist so gewollt.
Eine Bewegung kann groß oder klein sein.
Sie kann schnell oder langsam sein.
Sie kann mit dem ganzen Körper entstehen.
Sie kann auch nur mit einem Finger entstehen.
Wichtig ist die eigene Antwort auf eine Aufgabe.
Dance-Ability arbeitet mit Übungen.
Diese Übungen heißen auf Englisch: Scores.
Scores sind Aufgaben mit einem Rahmen.
Die Aufgabe gibt eine Idee vor.
Aber keine genaue Bewegung.
Die Erklärungen sind klar und einfach.
So können viele Menschen mitmachen.
Eine bekannte Übung heißt: Action and Response.
Das bedeutet: Aktion und Antwort.
Eine Person bewegt sich.
Eine andere Person antwortet mit einer Bewegung.
Das ist wie ein Gespräch mit dem Körper.
Es gibt 4 wichtige Grundgedanken bei Dance-Ability.
Diese 4 Grundgedanken sind:
- Den eigenen Körper spüren
- Beziehungen zu anderen Menschen
- Zeit
- Den Raum gestalten
Zuerst spürt man den eigenen Körper.
Dann kommt die Verbindung zu anderen.
Eine Verbindung ist ein Kontakt zwischen Menschen.
Bei Dance-Ability fragt man nicht: Was kann jemand nicht?
Die Frage lautet: Was ist in dieser Gruppe möglich?
Man fragt: Was können alle zusammen tun?
Das wird zur Aufgabe für die Gruppe.
Auch der Raum ist wichtig.
Der Raum muss für alle nutzbar sein.
Barriere-frei bedeutet: Alle Menschen können etwas benutzen.
Es gibt keine Hindernisse für Menschen.
Es muss zum Beispiel eine barriere-freie Toilette geben.
Deshalb prüft Lucienne Räume vor einem Workshop.
Ein Workshop ist ein Treffen, bei dem Menschen zusammenarbeiten.
Wenn ein Raum nicht passt, können manche nicht teilnehmen.
Manchmal braucht jemand zusätzliche Unterstützung.
Dann gibt es ein Hilfs-Team.
Ein Hilfs-Team sind Menschen, die helfen.
Sie schaffen eine Verbindung zur Gruppe.
Das Hilfs-Team lenkt die Person nicht.
Die Person entscheidet selbst.
Manchmal reicht es, einfach in der Nähe zu sein.
Lucienne merkt: Dance-Ability ist mehr als Tanz.
Es geht um eine wichtige Frage:
Müssen sich Menschen an bestehende Angebote anpassen?
Oder gestalten wir Angebote für alle neu?
Dann sind alle von Anfang an dabei.
Das nennt man Inklusion.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen sind mit dabei.
Jeder Mensch gehört dazu.
Nach der Ausbildung möchte Lucienne eigene Workshops anbieten.
Menschen mit und ohne Behinderung sollen zusammen tanzen.
Dabei müssen nicht alle dasselbe tun.
Wichtig ist: Alle tanzen zusammen.
Das ist das Ziel von Dance-Ability.
Foto: privat
Trier (kobinet)
Je länger sich Lucienne Mindermann mit DanceAbility beschäftige, desto stärker merkt sie, dass es um mehr geht als um Tanz. Es geht für sie um die Frage, wie wir Angebote gestalten, wenn Menschen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Müssen sich einzelne Personen an bestehende Formen anpassen oder verändern wir die Form so, dass unterschiedliche Menschen von Anfang an darin vorkommen? Darüber und über ihre Erfahrungen mit der neu begonnenen Ausbildung zum DanceAbility Teacher berichtet Lucienne Mindermann in ihrem Beitrag für die kobinet-nachrichten.
Ausbildung zum DanceAbility Teacher
Bericht von Lucienne Mindermann
Seit September 2026 absolviere ich in der Tuchfabrik Trier die Ausbildung zum DanceAbility Teacher. Bis Mai 2027 beschäftige ich mich dort intensiv mit einer Tanz- und Improvisationsmethode, die Inklusion nicht erst im Nachhinein ergänzt, sondern von Anfang an mitdenkt. DanceAbility wurde 1987 in Eugene, Oregon, von Alito Alessi und Karen Nelson begründet. Ausgangspunkt war ihre gemeinsame Arbeit im Bereich Mixed-Abilities-Tanz und Contact Improvisation.
Was mich an DanceAbility besonders anspricht, ist der Umgang mit Bewegung. Es geht nicht darum, dass eine Person etwas vormacht und alle anderen versuchen, es möglichst genau zu kopieren. Bewegung wird vielmehr als Information verstanden, die jede Person mit den eigenen Möglichkeiten interpretieren kann. Durch Interpretation und Relativität kann dieselbe Idee ganz unterschiedlich ausgedrückt werden.
Genau das empfinde ich als sehr befreiend. Eine Bewegung muss nicht bei allen gleich aussehen. Sie kann groß oder klein sein, schnell oder langsam, mit dem ganzen Körper oder nur mit einem einzelnen Körperteil entstehen. Entscheidend ist nicht die äußere Form, sondern die eigene Antwort auf eine Aufgabe.
DanceAbility arbeitet mit Improvisation und sogenannten Scores (Übungen). Diese geben einen Rahmen vor, ohne eine bestimmte körperliche Umsetzung festzulegen. Grundlegend ist dabei, dass Übungen so erklärt werden, dass möglichst alle Menschen damit arbeiten können. Klare Sprache, unterschiedliche Wahrnehmungswege und verständliche Demonstrationen gehören dazu. Wenn jemand eine Aufgabe anders interpretiert als ursprünglich gedacht, kann daraus etwas Neues für die gesamte Gruppe entstehen.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Übung Action and Response. Eine Person macht eine Bewegung, eine andere antwortet darauf. Für mich fühlt sich das tatsächlich wie ein Gespräch an, nur eben mit Bewegung. Die Antwort muss nicht ähnlich aussehen. Sie kann auf Tempo, Richtung, Dynamik oder einen ganz anderen wahrgenommenen Aspekt reagieren. So entsteht nach und nach eine gemeinsame Bewegungssprache.
Eine wichtige Grundlage ist außerdem SRTD: Sensation, Relationship, Time und Design – also Empfindung, Beziehung, Zeit und Gestaltung. Es beginnt bei der Wahrnehmung des eigenen Körpers und entwickelt sich weiter zur Beziehung mit anderen und zur gemeinsamen Gestaltung des Raumes.
Sehr spannend finde ich auch den Gedanken des gemeinsamen Nenners. Statt zu fragen, was einzelne Menschen nicht können, wird geschaut, welche Möglichkeiten in der konkreten Gruppe vorhanden sind. Daraus ergibt sich, wie Aufgaben angeleitet und gestaltet werden.
Diese Haltung endet für mich aber nicht bei der Tanzmethode selbst. Eine große praktische Hürde ist schon die Suche nach geeigneten Räumen. Ein Workshop kann noch so inklusiv gedacht sein, wenn der Zugang nicht barrierefrei ist oder eine barrierefreie Toilette fehlt, werden Menschen schon vor Beginn ausgeschlossen. Auch deshalb gehört es zur Vorbereitung, Zugänge, Räume und Toiletten zu überprüfen.
Wenn jemand innerhalb eines Workshops zusätzliche Unterstützung braucht, kann das Satelliten-Unterstützungsteam eine Brücke zur Gruppe oder zu einer Aufgabe schaffen. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, jemanden zu lenken oder zu verändern oder die Rolle einer persönlichenAssistenz zu übernehmen. Die Unterstützung durch eine Person aus der Gruppe soll Möglichkeiten eröffnen und Selbstbestimmung erhalten. Manchmal kann Unterstützung auch einfach bedeuten, in der Nähe zu sein oder eine passende Distanz zu wahren.
Je länger ich mich mit DanceAbility beschäftige, desto stärker merke ich, dass es für mich um mehr geht als um Tanz. Es geht um die Frage, wie wir Angebote gestalten, wenn Menschen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Müssen sich einzelne Personen an bestehende Formen anpassen oder verändern wir die Form so, dass unterschiedliche Menschen von Anfang an darin vorkommen?
Nach Abschluss meiner Ausbildung möchte ich selbst DanceAbility-Workshops anbieten und Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen.
Dabei ist für mich nicht entscheidend, dass am Ende alle dasselbe tun. Entscheidend ist, dass alle Teil desselben Tanzes sein können.
Foto: privat
Trier (kobinet)
Je länger sich Lucienne Mindermann mit DanceAbility beschäftige, desto stärker merkt sie, dass es um mehr geht als um Tanz. Es geht für sie um die Frage, wie wir Angebote gestalten, wenn Menschen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Müssen sich einzelne Personen an bestehende Formen anpassen oder verändern wir die Form so, dass unterschiedliche Menschen von Anfang an darin vorkommen? Darüber und über ihre Erfahrungen mit der neu begonnenen Ausbildung zum DanceAbility Teacher berichtet Lucienne Mindermann in ihrem Beitrag für die kobinet-nachrichten.
Ausbildung zum DanceAbility Teacher
Bericht von Lucienne Mindermann
Seit September 2026 absolviere ich in der Tuchfabrik Trier die Ausbildung zum DanceAbility Teacher. Bis Mai 2027 beschäftige ich mich dort intensiv mit einer Tanz- und Improvisationsmethode, die Inklusion nicht erst im Nachhinein ergänzt, sondern von Anfang an mitdenkt. DanceAbility wurde 1987 in Eugene, Oregon, von Alito Alessi und Karen Nelson begründet. Ausgangspunkt war ihre gemeinsame Arbeit im Bereich Mixed-Abilities-Tanz und Contact Improvisation.
Was mich an DanceAbility besonders anspricht, ist der Umgang mit Bewegung. Es geht nicht darum, dass eine Person etwas vormacht und alle anderen versuchen, es möglichst genau zu kopieren. Bewegung wird vielmehr als Information verstanden, die jede Person mit den eigenen Möglichkeiten interpretieren kann. Durch Interpretation und Relativität kann dieselbe Idee ganz unterschiedlich ausgedrückt werden.
Genau das empfinde ich als sehr befreiend. Eine Bewegung muss nicht bei allen gleich aussehen. Sie kann groß oder klein sein, schnell oder langsam, mit dem ganzen Körper oder nur mit einem einzelnen Körperteil entstehen. Entscheidend ist nicht die äußere Form, sondern die eigene Antwort auf eine Aufgabe.
DanceAbility arbeitet mit Improvisation und sogenannten Scores (Übungen). Diese geben einen Rahmen vor, ohne eine bestimmte körperliche Umsetzung festzulegen. Grundlegend ist dabei, dass Übungen so erklärt werden, dass möglichst alle Menschen damit arbeiten können. Klare Sprache, unterschiedliche Wahrnehmungswege und verständliche Demonstrationen gehören dazu. Wenn jemand eine Aufgabe anders interpretiert als ursprünglich gedacht, kann daraus etwas Neues für die gesamte Gruppe entstehen.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Übung Action and Response. Eine Person macht eine Bewegung, eine andere antwortet darauf. Für mich fühlt sich das tatsächlich wie ein Gespräch an, nur eben mit Bewegung. Die Antwort muss nicht ähnlich aussehen. Sie kann auf Tempo, Richtung, Dynamik oder einen ganz anderen wahrgenommenen Aspekt reagieren. So entsteht nach und nach eine gemeinsame Bewegungssprache.
Eine wichtige Grundlage ist außerdem SRTD: Sensation, Relationship, Time und Design – also Empfindung, Beziehung, Zeit und Gestaltung. Es beginnt bei der Wahrnehmung des eigenen Körpers und entwickelt sich weiter zur Beziehung mit anderen und zur gemeinsamen Gestaltung des Raumes.
Sehr spannend finde ich auch den Gedanken des gemeinsamen Nenners. Statt zu fragen, was einzelne Menschen nicht können, wird geschaut, welche Möglichkeiten in der konkreten Gruppe vorhanden sind. Daraus ergibt sich, wie Aufgaben angeleitet und gestaltet werden.
Diese Haltung endet für mich aber nicht bei der Tanzmethode selbst. Eine große praktische Hürde ist schon die Suche nach geeigneten Räumen. Ein Workshop kann noch so inklusiv gedacht sein, wenn der Zugang nicht barrierefrei ist oder eine barrierefreie Toilette fehlt, werden Menschen schon vor Beginn ausgeschlossen. Auch deshalb gehört es zur Vorbereitung, Zugänge, Räume und Toiletten zu überprüfen.
Wenn jemand innerhalb eines Workshops zusätzliche Unterstützung braucht, kann das Satelliten-Unterstützungsteam eine Brücke zur Gruppe oder zu einer Aufgabe schaffen. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, jemanden zu lenken oder zu verändern oder die Rolle einer persönlichenAssistenz zu übernehmen. Die Unterstützung durch eine Person aus der Gruppe soll Möglichkeiten eröffnen und Selbstbestimmung erhalten. Manchmal kann Unterstützung auch einfach bedeuten, in der Nähe zu sein oder eine passende Distanz zu wahren.
Je länger ich mich mit DanceAbility beschäftige, desto stärker merke ich, dass es für mich um mehr geht als um Tanz. Es geht um die Frage, wie wir Angebote gestalten, wenn Menschen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Müssen sich einzelne Personen an bestehende Formen anpassen oder verändern wir die Form so, dass unterschiedliche Menschen von Anfang an darin vorkommen?
Nach Abschluss meiner Ausbildung möchte ich selbst DanceAbility-Workshops anbieten und Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringen.
Dabei ist für mich nicht entscheidend, dass am Ende alle dasselbe tun. Entscheidend ist, dass alle Teil desselben Tanzes sein können.





Lesermeinungen