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Veranstaltung thematisierte Zwangssterilisation blinder Menschen in der NS-Zeit

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Foto: Susanne Göbel

Würzburg (kobinet) (kobinet)

Anlässlich einer Veranstaltung der Blindeninstitutsstiftung am 8. Juli 2026 in Würzburg wurde die Rolle von Universitätsmedizin, staatlichen Behörden und gesellschaftlichen Vorurteilen bei der Zwangssterilisation blinder und sehbehinderter Menschen während der NS-Zeit thematisiert. Bis zu 2.800 Betroffene waren davon betroffen, darunter auch Schüler des Blindeninstituts Würzburg. Darauf hat die in Würzburg ansässisige Blindeninstitutsstiftung mittels einer Presseinformation hingewiesen.



Im Mittelpunkt stand ein Vortrag des Historikers Prof. Oded Heilbronner von der Hebräischen Universität Jerusalem. Er zeigte auf, wie medizinische Unsicherheiten, fachliche Ermessensspielräume und Entscheidungen der Erbgesundheitsgerichte bei der Einordnung von Sehbehinderungen als "erblich" zusammenwirkten. Heilbronner betonte, dass der im Vergleich zu anderen Gruppen geringere Anteil blinder Opfer die Augenheilkunde nicht entlaste: "Ich möchte zeigen, dass es mehrere Gründe für den relativ geringen Anteil gibt. Diese sind auf den ersten Blick nicht gleich zu erkennen."

In einer Gesprächsrunde mit Vertretern der Universitätsklinik Würzburg, der Blindeninstitutsstiftung und der Blindenselbsthilfe wurde die Würzburger Stadt- und Medizingeschichte in den Blick genommen. Prof. Dr. Johannes Dietl, ehemaliger Direktor der Universitätsfrauenklinik, berichtete von rund 1.000 zwangssterilisierten Frauen in Würzburg. Dr. Hans Neugebauer, ehemaliger Stiftungsdirektor, erinnerte an den blinden Schüler Siegfried Gerhard, der mit anderen Zwangssterilisationen ausgesetzt war. Dessen Aussage "Wenn es einmal heißen sollte, die Blinden in der Blindenanstalt hätten sich freiwillig gemeldet, dann werden wir die Öffentlichkeit eines andern belehren" wurde verlesen.

Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, verwies auf aktuelle Vorurteile gegenüber blinden Eltern und kritisierte Kosten-Nutzen-Debatten zulasten behinderter Menschen: "Menschen mit Behinderung dürfen nie wieder als eine Bürde für die Gesellschaft verstanden werden."

Die Blindeninstitutsstiftung betonte, die Aufarbeitung sei eine bleibende Aufgabe. Stiftungsvorstand Dr. Marco Bambach sagte: "Erinnerung bedeutet für uns: nicht zu beschönigen, nicht auszuweichen, sondern beim Namen zu nennen, was geschehen ist."

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