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Erinnern für die Zukunft – Gedenken an die Opfer der „Euthanasie“ in Alsterdorf

Kranz am Lern- und Gedenkort Alsterdorf am 8.5.2026
Kranz am Lern- und Gedenkort Alsterdorf am 8.5.2026
Foto: ESA

Hamburg (kobinet) "Erinnerung ist kein Rückwärtsgewand. Sie spricht auch immer die Zukunft an." Mit diesen Worten gedachte die Hamburger Landespastorin Annika Woydack zum 8. Mai in der Stiftungskirche der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Der 8. Mai, der Tag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa, steht bei der Evangelischen Stiftung Alsterdorf (ESA) seit vielen Jahren im Zeichen des Gedenkens an die 630 Menschen mit Behinderung, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus den damaligen Alsterdorfer Anstalten in Tötungsanstalten gebracht wurden. 513 von ihnen wurden nachweislich ermordet. Mit einem Gottesdienst in der Stiftungskirche St. Nicolaus gedachten Vorstände, Mitarbeiter*innen, Angehörige und zahlreiche Gäste auch dieses Jahr der aus Alsterdorf deportierten Menschen und erinnerten an das Leid der Familien, die eine Angehörige durch die NS-‚Euthanasie‘ verloren haben. Schüler*innen der fachschule soziale arbeit in Alsterdorf stellten außerdem ausgewählte Schicksale von betroffenen Personen vor, die zur Zeit der NS-'Euthanasie' in Alsterdorf gelebt haben.

Landespastorin Annika Woydack, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Hamburg, erinnerte daran, dass der 8. Mai in Alsterdorf untrennbar mit dem Gedenken an die Menschen verbunden sei, die während der NS Zeit entrechtet, entwürdigt und ermordet wurden. Dass sich dieses Unrecht ausgerechnet an einem diakonischen, kirchlichen Ort habe entfalten können, bleibe bis heute schwer auszuhalten und verpflichte gerade mit Blick auf die Gegenwart: „Gedenken bedeutet für uns nicht, Vergangenes abzuschließen, sondern wach zu bleiben. Es geht darum, dass aus Erinnerung Orientierung entsteht und aus Trauer Verantwortung – für heute und für die Zukunft. Daraus erwächst der Auftrag, eine Gesellschaft zu gestalten, in der jeder Mensch in seiner Würde gesehen und geachtet wird.“

Bei der anschließenden Kranzniederlegung am Lern- und Gedenkort der Stiftung sprachen unter anderem Ulrike Kloiber, Senatskoordinatorin für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung und Pastor Uwe Mletzko, Vorstandsvorsitzender der ESA, Gedenkworte. Ulrike Kloiber betonte: „Erinnerung ist nicht nur ein Blick zurück. Sie ist auch ein Blick auf das Heute. Und vor allem: Erinnern ist kein passiver Akt! Es bedeutet nicht tatenlos zuzusehen, sondern die Momente zu erkennen, wenn es Zeit ist, wieder mutig und vielleicht sogar außergewöhnlich für unsere Demokratie einzutreten.“

Pastor Uwe Mletzko sagte: „Unsere Aufgabe bleibt es, dieses Unternehmen mit unseren Werten zu führen. Der wichtigste Wert ist für uns die Würde. ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘. So sagt es unser Grundgesetz. Vielleicht konnte es in dieser Prägnanz nur nach dem Zweiten Weltkrieg formuliert werden. In seiner ganzen Wahrheit und Eindeutigkeit. Und Gottes Geschenk und Auftrag an uns ist, dass wir in jedem Angesicht eines anderen Menschen Gottes gute Idee für diese Welt sehen können. In jedem Angesicht. In dem Starken und Schwachen, im Jungen und Alten, in den Menschen mit ihren vielfältigen Talenten und Optionen. Und uns für den Erhalt der Würde einzusetzen, wenn wir sie durch andere bedroht oder beschädigt sehen.“