Staufen (kobinet)
Raul Krauthausen ist Aktivist für Behinderten-Rechte.
Ein Aktivist will etwas in der Gesellschaft verändern.
Eine Gesellschaft ist eine große Gruppe von Menschen.
Am 23. März hat er einen Text veröffentlicht.
Der Text erschien auf der Plattform Die Neue Norm.
Eine Plattform ist eine Internet-Seite für Texte und Videos.
Die Plattform beschäftigt sich mit Behinderung und Gesellschaft.
Der Text handelt von Collien Fernandes.
Collien Fernandes ist Schauspielerin.
Sie hat Vorwürfe gegen Christian Ulmen gemacht.
Ein Vorwurf bedeutet: Jemand sagt, eine andere Person hat etwas Schlechtes getan.
Christian Ulmen ist Schauspieler und Fernseh-Moderator.
Viele Medien haben über diese Vorwürfe berichtet.
Krauthausen schreibt über eigene Fehler.
Er gibt sich selbst Schuld.
Er fordert Cis-Männer zu Taten auf.
Cis-Männer sind Männer, die als Männer geboren wurden und sich auch als Männer fühlen.
Krauthausen schreibt nicht nur über sich selbst.
Er schreibt auch über alle Cis-Männer.
Er fragt: Was ist mein Anteil an frauen-feindlichen Strukturen?
Strukturen sind Regeln und Gewohnheiten in der Gesellschaft.
Frauen-feindliche Strukturen schaden Frauen.
Krauthausen sagt: Männer müssen andere Männer aufklären.
Männer dürfen Gewalt nicht verharmlosen.
Verharmlosen bedeutet: etwas weniger schlimm darstellen, als es ist.
Männer dürfen Täter nicht schützen.
Dieser Forderung stimme ich im Großen und Ganzen zu.
Aber ich habe einen wichtigen Einwand.
Ein Einwand bedeutet: Ich sehe etwas anders.
Die Vorwürfe gegen Ulmen sind bisher nur Vorwürfe.
Es gibt noch kein Gerichts-Urteil.
Ein Gerichts-Urteil ist die Entscheidung eines Gerichts über Schuld oder Unschuld.
In Deutschland gilt die Unschulds-Vermutung.
Unschulds-Vermutung bedeutet: Jeder Mensch gilt als unschuldig, bis ein Gericht ihn verurteilt.
Krauthausen zeigt diese Unschulds-Vermutung nicht.
Das stört mich.
Er fordert sofortige Parteinahme.
Parteinahme bedeutet: sich auf eine Seite stellen.
Krauthausen schreibt: Alle Cis-Männer kennen mindestens 1 Täter.
Er schreibt: Viele Männer sind selbst Täter.
Zum Beispiel durch Schweigen oder Grenz-Verletzungen.
Grenz-Verletzungen bedeutet: jemanden behandeln, obwohl die Person das nicht will.
Diese Verallgemeinerung überzeugt mich nicht.
Eine Verallgemeinerung bedeutet: Man sagt etwas über alle Menschen in einer Gruppe.
Das stimmt aber nur für manche.
Krauthausen fordert echte Taten von Männern.
Zum Beispiel: spezielle Gerichte für Gewalt gegen Frauen.
In Spanien gibt es solche Gerichte bereits.
Er fragt: Wann gibt es das auch in Deutschland?
Krauthausen empfiehlt außerdem Sensitivity-Reading.
Sensitivity-Reading bedeutet: Andere Menschen prüfen einen Text.
Sie prüfen, ob der Text niemanden verletzt.
Ich sehe das kritisch.
Ich glaube: Menschen sollten ihr eigenes Urteil stärken.
Sie sollten ihr Urteil nicht an andere abgeben.
Krauthausen sagt: Männer müssen unbequeme Gespräche führen.
Zum Beispiel mit Kollegen, Brüdern oder Freunden.
Er sagt: Das ist echter Mut.
Mehr Sicht-barkeit für FLINTA-Personen ist eine gute Sache.
FLINTA bedeutet: Frauen, Lesben, Inter, Nicht-binäre, Trans und Agender Personen.
Sicht-barkeit bedeutet: Eine Gruppe wird von anderen Menschen mehr wahrgenommen.
Ich frage mich: Warum bleiben solche Appelle oft ohne Wirkung?
Ein Appell ist ein dringender Aufruf, etwas zu tun.
Ich glaube: Das liegt an tiefen gesellschaftlichen Strukturen.
Dazu werde ich demnächst mehr schreiben.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Raul Krauthausen hat auf der Plattform "Die Neue Norm" am 23.März unter der Überschrift "Mut beginnt da, wo Widerspruch im eigenen Feld unbequem wird" eine persönliche Erklärung veröffentlicht, in der er auf die zu dieser in allen wichtigen Nachrichtenmedien verbreiteten "Vorwürfe" der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Entertainer und Schauspieler Christian Ulmen regiert. Und zwar indem er sich mit einer Heftigkeit schockiert zeigt und sich mit einem verbalen Furor einer persönlichen Schuld, eigenen Verfehlungen in diesem Zusammenhang bezichtigt, dass es mich wiederum schockiert hat. Nicht zuletzt auch wegen der Absolutheit, mit der er im Anschluss daran von allen Cis-Männern (damit also auch von mir), auf der Stelle "echte Taten" verlangt, "echte Solidarität" einfordert. Worauf ich nun im folgenden eingehen werde.
Das von Krauthausen adressierte „cis-männliche Wir“ und seine rigorosen Verhaltenserwartungen an dasselbe
Krauthausens Stellungnahme ist nicht ausschließlich in der Ich-Perspektive verfasst. In ihr reflektiert er nicht nur „über Scham, Verdrängung und die unbequeme Frage, welchen Anteil habe ich an diesen misogynen Strukturen und was folgt daraus für mein Handeln“. Er habe „lange darüber nachgedacht, was mein Anteil daran ist“ – doch „es soll nicht wieder nur um einen Mann gehen, in diesem Fall um mich“. Und so wechselt er denn immer wieder in die Wir-Perspektive.
„Nach den bekannt gewordenen Fällen von digitaler Gewalt gegen Collien Fernandes sind gerade viele Stimmen zu hören, die sich klar gegen Gewalt an FLINTA-Personen positionieren“ und „es gibt gerade für viele Cis-Männer Grund, sich zum Thema Gewalt an FLINTA-Personen zu positionieren. Zurecht.“ Denn: „Wir dürfen die Aufklärung und Sensibilisierung nicht nur den Betroffenen überlassen, auch die Verantwortung muss die Seite wechseln. Es kann nicht sein, dass diejenigen, die verletzt werden, die Hauptarbeit leisten müssen, damit wir verstehen, was Gewalt ist. Männer müssen andere Männer aufklären, ihnen widersprechen, sie nicht decken, nicht verharmlosen, nicht psychologisieren.“
Grundsätzlich kann ich mich dieser Aufforderung Krauthausens anschließen. Allerdings gilt meine Zustimmung getrennt vom aktuellen Skandalereignis, auf das seine Stellungnahme und seine sofortige Distanzierung von Christian Ulmen reflexhaft reagiert. Dass es, wie Krauthausen sagt, „Vorwürfe“ sind, mit denen Collien Fernandes „an die Öffentlichkeit getreten ist“, ist für ihn offenbar kein Grund zur Zurückhaltung, sondern umgekehrt zu augenblicklicher Parteinahme und die umgehende Solidarisierung auch anderer zu fordern. Dass es für ihn in seiner öffentlichen Äußerung nicht den leisesten Vorbehalt einer Unschuldsvermutung gibt, irritiert mich. Ulmen mag ein chauvinistischer Zotenreißer und misogyner Sprücheklopper sein, dies allein machte ihn nicht zum Straftäter.
Mache ich mich aber mit meinem Mäßigungsappell nicht verdächtig im Lichte von Krauthausens Generalverdikt, wir seien „noch immer schneller im Relativieren als im Verantwortung übernehmen“? Das sich allerorten in der Debattenkultur ausbreitende ungute Reizklima wird leider von seiner aktionistischen Tonalität befeuert: „Sekundäre Betroffenheit ist noch keine Haltung. Was wir brauchen sind echte Taten. Ich kenne persönlich viele Menschen, die Gewalt von einem Mann erfahren haben. Es sind alles FLINTA-Personen.“
Daraus schlussfolgert er kurzerhand: „Wir Cis-Männer müssten statistisch gesehen mindestens einen Täter kennen und wir müssen einsehen und uns eingestehen, dass man selbst auch als Täter agiert. Ob durch Schweigen, durch fehlendes Einschreiten, durch eigenen Grenzverletzungen oder konkrete Taten. Deshalb müssen wir alle Verantwortung übernehmen.“
Hier gehen Krauthausens Ich, sein cis-männliches Wir und ein „man“ durcheinander. Alle werden unter Tatverdacht (Gewalt gegen FLINTA-Personen) gestellt, sind entweder selber Täter oder kennen mindestens einen Täter. Und dieses konfuse Kollektiv fordert er nun auf, Verantwortung zu übernehmen, was wiederum nur durch Taten geschehen könne. Überzeugend?
Mich überzeugt es nicht. Dem von Krauthausen zurecht beklagten „Systemversagen in Deutschland“, was einen effektiven Gewaltschutz (in diesem Fall gegen FLINTA-Personen) betrifft, dürfte mit einem überstürzten und teilweise auf Verdacht hin operierenden Aktionismus kaum Einhalt zu gebieten sein. Ich bezweifle, dass Sondergerichte ein Teil der Lösung wären wie sie Krauthausen (als Beispiel einer echten Tat) einzurichten verlangt: „In Spanien gibt es spezialisierte Gerichte für Gewalt gegen Frauen … wann wird das endlich auch bei uns ein Standard?“
Dass ihm bis dahin (der Standardisierung einer Spezialgerichtsbarkeit) eine Art zivilgesellschaftliche Selbstjustiz in Sachen Gewaltprävention vorschwebt, mag ich ihm nicht unterstellen. Die Stoßrichtung seiner „Positionierung“ ist nicht institutionell gerichtet, auch nicht wirklich strukturell gezielt (gegen die neoliberale Verfestigung der patriarchalen Strukturen), sie zielt auf das moralische Gewissens des individuellen cis-männlichen Ich. Es soll sich Krauthausens beispielhafter Positionierung entsprechend gleichermaßen rigoros positionieren, Schluss mit der „Schonzeit“. Eine neue Militanzstufe woker Korrektheit des Denkens und Sprechens, im persönlichen Umfeld wie in der Öffentlichkeit, von der ich befürchte, dass der einzige spürbare Effekt ein debattenpolitischer Kollateralschaden ist. Nämlich die Zunahme meinungspolitischer Selbstzensur bei den einen, die reaktive Verschärfung der kulturkämpferischen Gegenpropaganda, Hate-Speech inklusive, bei den anderen.
Allen Textproduzierenden, die sicherstellen wollen auch tatsächlich genderkorrekten Content zu produzieren, empfiehlt Krauthausen dringend „Sensitivityreading“ und befestigt damit die Annahme sowohl der Verzichtbarkeit als auch der Unzulänglichkeit des eigenen Urteilsvermögens. Wo es meines Erachtens um Bildung und Stärkung individuellen Urteilsvermögens gehen müsste, unterminieren Praktiken wie Sensitivityreading und die Ausrichtung an woken Korrektheitsschablonen auch noch das vorhandene Vertrauen sowie den Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.
„Wir Männer sind nicht mutig, wenn wir uns neben und hinter die Betroffenen stellen. Mut beginnt für uns oft erst da, wo Widerspruch im eigenen Feld unbequem wird. Wir müssen unsere Kollegen, Brüder, Väter, Geschäftspartner und Freunde konfrontieren, gerade weil es unbequem ist. Lassen wir unsre Werke von SensitivityreaderInnen gegenchecken. Gehen wir grundsätzlich nicht mehr auf All-men-penals und Veranstaltungen und schlagen auch immer eine FLINTA-Person vor“ usw.
Gegen letzteres, FLINTA-Personen vorschlagen etc., ist gewiss nichts einzuwenden. Sinnvoller als noch so dringliches Appellieren erscheint mir die Frage, womit es zusammenhängt, dass auch Krauthausens Appell wirkungslos verhallen dürfte.
Über die neoliberale Konsolidierung der patriarchalen Grundmatrix, an der es meiner Ansicht nach liegt, demnächst mehr.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Raul Krauthausen hat auf der Plattform "Die Neue Norm" am 23.März unter der Überschrift "Mut beginnt da, wo Widerspruch im eigenen Feld unbequem wird" eine persönliche Erklärung veröffentlicht, in der er auf die zu dieser in allen wichtigen Nachrichtenmedien verbreiteten "Vorwürfe" der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Entertainer und Schauspieler Christian Ulmen regiert. Und zwar indem er sich mit einer Heftigkeit schockiert zeigt und sich mit einem verbalen Furor einer persönlichen Schuld, eigenen Verfehlungen in diesem Zusammenhang bezichtigt, dass es mich wiederum schockiert hat. Nicht zuletzt auch wegen der Absolutheit, mit der er im Anschluss daran von allen Cis-Männern (damit also auch von mir), auf der Stelle "echte Taten" verlangt, "echte Solidarität" einfordert. Worauf ich nun im folgenden eingehen werde.
Das von Krauthausen adressierte „cis-männliche Wir“ und seine rigorosen Verhaltenserwartungen an dasselbe
Krauthausens Stellungnahme ist nicht ausschließlich in der Ich-Perspektive verfasst. In ihr reflektiert er nicht nur „über Scham, Verdrängung und die unbequeme Frage, welchen Anteil habe ich an diesen misogynen Strukturen und was folgt daraus für mein Handeln“. Er habe „lange darüber nachgedacht, was mein Anteil daran ist“ – doch „es soll nicht wieder nur um einen Mann gehen, in diesem Fall um mich“. Und so wechselt er denn immer wieder in die Wir-Perspektive.
„Nach den bekannt gewordenen Fällen von digitaler Gewalt gegen Collien Fernandes sind gerade viele Stimmen zu hören, die sich klar gegen Gewalt an FLINTA-Personen positionieren“ und „es gibt gerade für viele Cis-Männer Grund, sich zum Thema Gewalt an FLINTA-Personen zu positionieren. Zurecht.“ Denn: „Wir dürfen die Aufklärung und Sensibilisierung nicht nur den Betroffenen überlassen, auch die Verantwortung muss die Seite wechseln. Es kann nicht sein, dass diejenigen, die verletzt werden, die Hauptarbeit leisten müssen, damit wir verstehen, was Gewalt ist. Männer müssen andere Männer aufklären, ihnen widersprechen, sie nicht decken, nicht verharmlosen, nicht psychologisieren.“
Grundsätzlich kann ich mich dieser Aufforderung Krauthausens anschließen. Allerdings gilt meine Zustimmung getrennt vom aktuellen Skandalereignis, auf das seine Stellungnahme und seine sofortige Distanzierung von Christian Ulmen reflexhaft reagiert. Dass es, wie Krauthausen sagt, „Vorwürfe“ sind, mit denen Collien Fernandes „an die Öffentlichkeit getreten ist“, ist für ihn offenbar kein Grund zur Zurückhaltung, sondern umgekehrt zu augenblicklicher Parteinahme und die umgehende Solidarisierung auch anderer zu fordern. Dass es für ihn in seiner öffentlichen Äußerung nicht den leisesten Vorbehalt einer Unschuldsvermutung gibt, irritiert mich. Ulmen mag ein chauvinistischer Zotenreißer und misogyner Sprücheklopper sein, dies allein machte ihn nicht zum Straftäter.
Mache ich mich aber mit meinem Mäßigungsappell nicht verdächtig im Lichte von Krauthausens Generalverdikt, wir seien „noch immer schneller im Relativieren als im Verantwortung übernehmen“? Das sich allerorten in der Debattenkultur ausbreitende ungute Reizklima wird leider von seiner aktionistischen Tonalität befeuert: „Sekundäre Betroffenheit ist noch keine Haltung. Was wir brauchen sind echte Taten. Ich kenne persönlich viele Menschen, die Gewalt von einem Mann erfahren haben. Es sind alles FLINTA-Personen.“
Daraus schlussfolgert er kurzerhand: „Wir Cis-Männer müssten statistisch gesehen mindestens einen Täter kennen und wir müssen einsehen und uns eingestehen, dass man selbst auch als Täter agiert. Ob durch Schweigen, durch fehlendes Einschreiten, durch eigenen Grenzverletzungen oder konkrete Taten. Deshalb müssen wir alle Verantwortung übernehmen.“
Hier gehen Krauthausens Ich, sein cis-männliches Wir und ein „man“ durcheinander. Alle werden unter Tatverdacht (Gewalt gegen FLINTA-Personen) gestellt, sind entweder selber Täter oder kennen mindestens einen Täter. Und dieses konfuse Kollektiv fordert er nun auf, Verantwortung zu übernehmen, was wiederum nur durch Taten geschehen könne. Überzeugend?
Mich überzeugt es nicht. Dem von Krauthausen zurecht beklagten „Systemversagen in Deutschland“, was einen effektiven Gewaltschutz (in diesem Fall gegen FLINTA-Personen) betrifft, dürfte mit einem überstürzten und teilweise auf Verdacht hin operierenden Aktionismus kaum Einhalt zu gebieten sein. Ich bezweifle, dass Sondergerichte ein Teil der Lösung wären wie sie Krauthausen (als Beispiel einer echten Tat) einzurichten verlangt: „In Spanien gibt es spezialisierte Gerichte für Gewalt gegen Frauen … wann wird das endlich auch bei uns ein Standard?“
Dass ihm bis dahin (der Standardisierung einer Spezialgerichtsbarkeit) eine Art zivilgesellschaftliche Selbstjustiz in Sachen Gewaltprävention vorschwebt, mag ich ihm nicht unterstellen. Die Stoßrichtung seiner „Positionierung“ ist nicht institutionell gerichtet, auch nicht wirklich strukturell gezielt (gegen die neoliberale Verfestigung der patriarchalen Strukturen), sie zielt auf das moralische Gewissens des individuellen cis-männlichen Ich. Es soll sich Krauthausens beispielhafter Positionierung entsprechend gleichermaßen rigoros positionieren, Schluss mit der „Schonzeit“. Eine neue Militanzstufe woker Korrektheit des Denkens und Sprechens, im persönlichen Umfeld wie in der Öffentlichkeit, von der ich befürchte, dass der einzige spürbare Effekt ein debattenpolitischer Kollateralschaden ist. Nämlich die Zunahme meinungspolitischer Selbstzensur bei den einen, die reaktive Verschärfung der kulturkämpferischen Gegenpropaganda, Hate-Speech inklusive, bei den anderen.
Allen Textproduzierenden, die sicherstellen wollen auch tatsächlich genderkorrekten Content zu produzieren, empfiehlt Krauthausen dringend „Sensitivityreading“ und befestigt damit die Annahme sowohl der Verzichtbarkeit als auch der Unzulänglichkeit des eigenen Urteilsvermögens. Wo es meines Erachtens um Bildung und Stärkung individuellen Urteilsvermögens gehen müsste, unterminieren Praktiken wie Sensitivityreading und die Ausrichtung an woken Korrektheitsschablonen auch noch das vorhandene Vertrauen sowie den Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.
„Wir Männer sind nicht mutig, wenn wir uns neben und hinter die Betroffenen stellen. Mut beginnt für uns oft erst da, wo Widerspruch im eigenen Feld unbequem wird. Wir müssen unsere Kollegen, Brüder, Väter, Geschäftspartner und Freunde konfrontieren, gerade weil es unbequem ist. Lassen wir unsre Werke von SensitivityreaderInnen gegenchecken. Gehen wir grundsätzlich nicht mehr auf All-men-penals und Veranstaltungen und schlagen auch immer eine FLINTA-Person vor“ usw.
Gegen letzteres, FLINTA-Personen vorschlagen etc., ist gewiss nichts einzuwenden. Sinnvoller als noch so dringliches Appellieren erscheint mir die Frage, womit es zusammenhängt, dass auch Krauthausens Appell wirkungslos verhallen dürfte.
Über die neoliberale Konsolidierung der patriarchalen Grundmatrix, an der es meiner Ansicht nach liegt, demnächst mehr.





Vielleicht sollte Krauthausen mal mit gutem Beispiel vorangehen behinderten Frauen die Bühnen und Mikros überlassen, die er praktisch allein einnimmt. Solche Statemetns sind am Ende hohle phrasen, wenn sie nur aus Appellen an anndere bestehen.