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Nie wieder ist Jetzt

Bild von Prothesen und Hilfsmitteln in Ausschwitz
Bild von Prothesen und Hilfsmitteln in Ausschwitz
Foto: Birger Höhn

Dresden (kobinet) Vom 2. bis 7. März 2026 hatte Birger Höhn die Gelegenheit, mit der Brücke-Most-Stiftung und SchülerInnen der Oberschule Schleife auf Bildungsfahrt zur Gedenkstätte Auschwitz nach Polen zu fahren. Es war für ihn das erste Mal, dass er in der Gedenkstätte Auschwitz war. Über diese nachhaltige wie emotional bewegende Bildungsfahrt hat Birger Höhn den kobinet-nachrichten folgenden Bericht zur Veröffentlichung zugesandt:

Nie wieder ist Jetzt – Bericht über eine Bildungsfahrt zur Gedenkstätte Auschwitz

von Birger Höhn

Vom 2. bis 7. März 2026 hatte ich die Gelegenheit, mit der Brücke-Most-Stiftung und SchülerInnen der Oberschule Schleife auf Bildungsfahrt zur Gedenkstätte Auschwitz nach Polen zu fahren. Es war für mich das erste Mal, dass ich überhaupt in der Gedenkstätte Auschwitz war. Ich bin ebenso dankbar, dass ich diese Reise machen konnte. Es war eine ebenso nachhaltige wie emotional bewegende.

Unterkunft hatten wir im Kloster Harmaze, unweit von Auschwitz. Wir haben das Auschwitz Jüdische Centrum und die Ausstellung eines Auschwitz Überlebenden im Keller der Klosterkirche besucht. An den Tagen danach waren wir im Stammlager und haben das KZ Auschwitz-Birkenau besucht. Im Stammlager gibt es in verschiedenen Blocks verschiedene Ausstellungen, auch zur NS-Euthanasie. Denn zum Einen war ab November 1941 auch der ehemalige „Ärztliche Direktor“ der NS-Euthanasie Anstalt Pirna Sonnenstein, Horst Schumann, eingesetzt und hat hier grausame Menschenversuche praktiziert. So mussten sich zum Beispiel Häftlinge nackt ausziehen und bekamen dann mindestens 15 Minuten pur Röntgenstrahlung auf die Genitalien. Mit fürchterlichen Folgen.

Im Stammlager gab es auch das „Auschwitz Orchester“. Nun bin ich ja selber musikalisch in einer Band. Normalerweise freut man sich ja auf Auftritte. Wie fürchterlich muss es für die Häftlinge gewesen sein, vor ihren TäterInnen spielen zu müssen, um anschließend mehr Chancen auf Überleben zu haben. In dem „NS-Euthanasie“ Block gibt es einen Raum, in dem Prothesen und Unterarmgehhilfen ausgestellt sind. (siehe Foto)

Desweiteren gab es Räume, in denen Brillen, persönliche Gegenstände von Opfern, Koffer usw. und sogar deren Haare (die durfte man verständlicherweise nicht fotografieren) ausgestellt waren.

Am darauffolgenden Tag waren wir in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

In dieser Holocaust Gedenkstätte wurden mindestens 1,1 Millionen zum großen Teil jüdische Menschen von den Nazis ermordet. So viele wie in keiner anderen Gedenkstätte bzw. Konzentrationslager. Ich hab ja schon diverse Gedenkstätten besucht (Dachau, Flossenbürg, Buchenwald, Sachsenburg, Pirna-Sonnenstein und Brandenburg). Aber Auschwitz-Birkenau toppt alles bei weitem in Dimension und Ausmaß.

Ich kann jeden verstehen, der die Gedenkstätte Auschwitz nicht besuchen will oder kann. Dennoch würde ich jeden, der sich das in einer Gruppe zutraut, genau dazu ermutigen. Denn es ist aufgrund eben genau der Größe, Dimension und Ausmaß etwas völlig anderes, das ganze live zu sehen anstatt nur in Filmen und Dokumentationen.

Am Rande ist mir natürlich auch das Thema Barrierefreiheit der Gedenkstätten aufgefallen. Die Neubauten im Stammlager sind teilweise relativ gut berollbar, allerdings die historischen Teile des weitläufigen Geländes in Auschwitz Birkenau ist wegen des Untergrundes (Stein, Schotter, Kiesweg) eher schwierig für Rollstuhlfahrer. Da blitzt auch wieder ein Diskussionspunkt auf: Macht man Gedenkstätten für alle inklusiv erfahrbar oder belässt man es im Originalzustand, da die Besucher ja auch selbst einen eigenen Eindruck davon bekommen sollen, mit welchen Wegen die Häftlinge bewusst zurecht kommen mussten.

Wie auch immer: Es war eine mega bewegende und nachhaltig wirkende Reise. Mein Engagement für inklusiven Antifaschismus und inklusive Gedenk- und Erinnerungskultur ist dadurch deutlich gestärkt worden.

Denn: „Nie wieder ist jetzt!““

Darüber hinaus möchte ich noch darauf hinweisen, dass es eine bundesweite Initiative Netzwerk inklusive Erinnerung gibt (in diesem Netzwerk bin ich auch aktiv). Es gibt einen sehr schönen inklusiven Podcast zum Thema unter folgendem Link:

https://ibb-d.de/erinnern/inklusive-erinnerung-fuer-eine-starke-demokratie/