Staufen (kobinet)
Friedrich Merz ist Politiker.
Er sagt: Der Sozial-Staat kostet zu viel Geld.
Deutschland hilft Menschen, die Hilfe brauchen.
Viele Menschen stimmen ihm zu.
Deshalb gibt es jetzt mehr Wohl-Tätigkeit.
Wohl-Tätigkeit bedeutet: Menschen helfen anderen Menschen.
Zum Beispiel gibt es die Tafeln.
Bei den Tafeln bekommen arme Menschen Essen.
Auch Menschen ohne Wohnung bekommen dort Essen.
Menschen mit Behinderung bekommen dort auch Essen.
Ein Mann bekommt auch Hilfe von der Tafel.
Der Mann heißt Wolfgang Tischer.
Er ist Kultur-Wissenschaftler.
Er lernt über Menschen und schaut, wie Menschen leben.
Wolfgang Tischer ist blind.
Und er hat kein Geld.
Im Internet steht eine Geschichte über ihn.
Die Geschichte ist vom 1. Januar 2023.
Wohl-Tätigkeit zu Silvester und Neu-Jahr
Wohl-Tätigkeit ist etwas Gutes.
Sie hilft Menschen in Not.
Deshalb heißt sie auch Mild-Tätigkeit.
Man hilft anderen Menschen und bekommt dafür kein Geld.
Menschen spenden Geld für arme Menschen.
Das Spenden macht ein gutes Gefühl.
Die Spender haben dann ein gutes Gewissen.
Für Wohl-Tätigkeit gibt es eine besondere Zeit.
Das ist die Advents-Zeit vor Weihnachten.
Das ist die Zeit im Dezember vor Weihnachten.
Dann sammeln viele Menschen Geld.
Nach Weihnachten bekommen arme Menschen das Geld.
Auch der Autor hat schon Geld bekommen.
Jeder Mensch kann arm werden.
Manche Menschen verlieren ihre Arbeit.
Dann haben sie kein Geld mehr.
Auch Menschen mit Behinderung haben oft wenig Geld.
Wer Geld braucht, muss zum Sozial-Amt gehen.
Das Sozial-Amt ist eine Behörde vom Staat.
Dort muss man seine Bank-Auszüge zeigen.
Bank-Auszüge sind Zettel von der Bank mit deinem Geld darauf.
Das ist vielen Menschen unangenehm.
Dann bekommt man vielleicht Spenden-Geld.
Die Geschichte von Wolfgang Tischer
Es ist das Jahr 2009.
Wolfgang Tischer lebt in der Nähe von Freiburg.
Er ist Kultur-Wissenschaftler.
Und er ist seh-behindert.
Die Badische Zeitung schreibt über ihn.
Das ist eine Zeitung in Freiburg.
Der Artikel steht an Weihnachten in der Zeitung.
Nach Weihnachten besucht Herr F. den Autor.
Herr F. hilft dem Autor oft.
Er sagt: In der Zeitung stand ein Artikel.
Der Artikel war über einen blinden Mann.
Der Mann ist Kultur-Wissenschaftler.
Er heißt Tischer oder Fischer.
Der Autor sagt: Das Schicksal passiert vielen Menschen.
Aber der Autor sagt nicht die Wahrheit.
Denn Wolfgang Tischer ist der Autor selbst.
Der Autor möchte das nicht sagen.
Er schämt sich ein bisschen.
Eine Frau vom Sozial-Amt hat ihn angerufen.
Die Frau heißt Frau B.
Frau B. sagt: Sie können mehr Geld bekommen.
Aber Sie müssen mit einer Journalistin sprechen.
Eine Journalistin schreibt für die Zeitung.
Die Journalistin stellt Ihnen Fragen.
Dann schreibt die Journalistin einen Artikel.
Ihr Name steht nicht im Artikel.
Sie bekommen dann 80 Euro statt 50 Euro.
Der Autor sagt ja.
Die Journalistin ruft an.
Sie stellt viele Fragen.
Am Ende sagt sie: Viele Menschen werden anrufen.
Die Menschen wollen Ihnen helfen.
Aber nur eine Frau ruft an.
Die Frau hat Karten für ein Konzert.
Das Konzert ist am Neu-Jahrs-Tag.
Die Frau kann nicht zum Konzert gehen.
Sie besucht Freunde.
Deshalb schenkt sie die Karten dem Autor.
Der Autor geht mit einer Begleiterin zum Konzert.
Das Konzert ist sehr schön.
Das Orchester spielt den Donau-Walzer.
Ein Orchester ist eine große Gruppe von Musikern.
Der Donau-Walzer ist ein berühmtes Musik-Stück aus Österreich.
Die Menschen im Konzert-Saal schaukeln mit.
Das fühlt sich sehr schön an.
Der Autor möchte das Gefühl behalten.

Foto: Hans-Willi Weis
Staufen (kobinet) Mit der merzlich-schmerzlichen Einsicht, dass es mit dem Sozialstaat so nicht weitergehen kann, kündigt sich zu Neujahr eine Morgenröte der Mildtätigkeit an. Charity oder Wohltätigkeit haben ihre Zukunft noch vor sich! Das caritative Erfolgsmodel "Tafel", die wohltätige Speisung von Armen, Obdachlosen, Behinderten und Bedürftigen aller Art, zeigt wohin es geht. Unter den zahllosen Begünstigten findet sich auch schon einmal ein mittelloser blinder Kulturwissenschaftler, wie dem "best of kobinet" vom 1. Januar 2023 zu entnehmen ist.
Mit den Klängen des Donauwalzers wohltätig beschwingt ins neue Jahr
Wohltätigkeit ist keine schlechte Sache. Sie mildert das Los der Bedürftigen (weshalb sie auch Mildtätigkeit heißt) und dem edlen Spender, der edlen Spenderin, macht sie ein gutes Gefühl und sorgt obendrein für ein gutes Gewissen, bekanntlich das beste Ruhekissen. Und wie alles auf der Welt seine Zeit hat, there is a season for everything, so hat auch Wohltätigkeit ihre ganz spezielle Jahreszeit. Wenn ein Chor im Gedränge Halleluja singt und der Spendeneuro in der Büchse klingt, dann weiß ein jedes Kind, die adventszeitliche Sammelaktion für wohltätige Zwecke hat begonnen.
Das Fest der Liebe rückt heran und spätestens nach den Weihnachtstagen, also zwischen den Jahren, ergießt sich das Spendenfüllhorn über die Häupter der Bedürftigen. Auch ich kam schon einmal in den Genuss von einem solchen Erguss. Kann es doch einen jeden und eine jede treffen, der oder die, arg gebeutelt durch das muntere Wettbewerbsleben, irgendwann gestrauchelt ist und sozial und wirtschaftlich sich nicht länger auf den Beinen halten oder auf eigenen Füßen stehen kann. Inklusive der Behinderten, denen das Schicksal oder der liebe Gott ein Bein gestellt hat und die dadurch beim gesellschaftlichen Rattenrennen schlecht mithalten können und abgeschlagen im Abseits landen. Und wer unter diesen Verlierern dann bereit ist, sich amtlich zu outen, offenbarungseidlich durch Vorlage der Kontoauszüge, also bereit ist, sich vor der Sozialbehörde „nackig zu machen“, wie der Volksmund sagt, der oder die wird auf die Liste der potentiell Empfangsberechtigten gesetzt, denen ein Spendensegen winkt. Doch weshalb so allgemein, wenn es auch konkret und anschaulich geht.
Dazu muss ich nur Wolfgang Tischer aus meinem Langzeitgedächtnis hervorholen, es ist das Jahr 2009. Aber wer ist Wolfgang Tischer? Die wenigsten kennen ihn, wahrscheinlich nur die, welche in besagtem Jahr einen Blick in die Weihnachtsausgabe der Badischen Zeitung getan haben. Wolfgang Tischer ist ein mittelloser Kulturwissenschaftler, wohnhaft in einem kleinen Ort bei Freiburg und überdies sehbehindert. Die BZ zeichnete ein anrührendes Porträt des Bedürftigen, wie heißt es schon bei Brecht, „man sieht nur die im Licht, die im Schatten sieht man nicht“.
Als mich nach Weihnachten Herr F. besuchte, ein treuer Begleiter bei Besorgungen in der Stadt, meinte er, „in der BZ stand an Weihnachten ein Bericht über einen blinden Kulturwissenschaftler mit einer ganz ähnlichen Geschichte wie der deinen, ein Herr Tischer oder Fischer, ich glaube es war Tischer …“ Ich gab mich mäßig überrascht, man sehe daran, dass ein Schicksal wie das meinige kein Einzelfall sei. – Dass Wolfgang Tischer und meine Wenigkeit identisch sind, wollte ich F. nicht verraten. Mochte ich doch nicht offenbaren, dass ich mich quasi prostituiert hatte.
Frau B. von der örtlichen Sozialstation hatte mir gesagt, falls ich dazu bereit wäre, nicht nur wie in den zurückliegenden Jahren bei ihr den Nachweis meiner Bedürftigkeit zu hinterlegen, sondern dazu bereit wäre, einer freundlichen Journalistin von der Lokalredaktion telefonisch ein paar persönliche Fragen zu beantworten, die diese anschließend zu einem kleinen Porträt verarbeitet, selbstverständlich anonymisiert, gebe es für mich aus dem Topf der vorweihnachtlich
eingeworbenen Wohltätigkeitsspenden nicht lediglich die üblichen 50 Euro, sondern eine einmalige Aufstockung auf 80 Euro. – Genau das tat ich, weil ich für Geld alles mache.
Die nette Journalistin hatte mir am Ende unseres Telefonats noch gesagt, ich solle mich nicht wundern, wenn auf den Artikel hin bei mir das Telefon nicht mehr stillstehe, weil sich dauernd Leute melden, die mir gern Gutes tun möchten. – Das Telefon klingelte ein einziges Mal. Eine Dame rief an, die ihre Eintrittskarten für das Neujahrskonzert im Freiburger Konzerthaus verschenken wollte, weil sie und ihr Mann kurzfristig eine attraktive Einladung zu Freunden erhalten hatten. So kamen meine Begleiterin und ich am Neujahrstag in den Genuss jenes Konzerts, an dessen musikalischem Höhepunkt das Orchester „An der schönen blauen Donau“ intonierte und die Zuhörerschaft in den Sitzreihen in ein so seliges Wellenschaukeln geriet, dass man am liebsten immer so weiter hätte schaukeln mögen, fort und fort, bis ans Ende des neuen, doch gerade erst begonnenen Jahres.

Foto: Hans-Willi Weis
Staufen (kobinet) Mit der merzlich-schmerzlichen Einsicht, dass es mit dem Sozialstaat so nicht weitergehen kann, kündigt sich zu Neujahr eine Morgenröte der Mildtätigkeit an. Charity oder Wohltätigkeit haben ihre Zukunft noch vor sich! Das caritative Erfolgsmodel "Tafel", die wohltätige Speisung von Armen, Obdachlosen, Behinderten und Bedürftigen aller Art, zeigt wohin es geht. Unter den zahllosen Begünstigten findet sich auch schon einmal ein mittelloser blinder Kulturwissenschaftler, wie dem "best of kobinet" vom 1. Januar 2023 zu entnehmen ist.
Mit den Klängen des Donauwalzers wohltätig beschwingt ins neue Jahr
Wohltätigkeit ist keine schlechte Sache. Sie mildert das Los der Bedürftigen (weshalb sie auch Mildtätigkeit heißt) und dem edlen Spender, der edlen Spenderin, macht sie ein gutes Gefühl und sorgt obendrein für ein gutes Gewissen, bekanntlich das beste Ruhekissen. Und wie alles auf der Welt seine Zeit hat, there is a season for everything, so hat auch Wohltätigkeit ihre ganz spezielle Jahreszeit. Wenn ein Chor im Gedränge Halleluja singt und der Spendeneuro in der Büchse klingt, dann weiß ein jedes Kind, die adventszeitliche Sammelaktion für wohltätige Zwecke hat begonnen.
Das Fest der Liebe rückt heran und spätestens nach den Weihnachtstagen, also zwischen den Jahren, ergießt sich das Spendenfüllhorn über die Häupter der Bedürftigen. Auch ich kam schon einmal in den Genuss von einem solchen Erguss. Kann es doch einen jeden und eine jede treffen, der oder die, arg gebeutelt durch das muntere Wettbewerbsleben, irgendwann gestrauchelt ist und sozial und wirtschaftlich sich nicht länger auf den Beinen halten oder auf eigenen Füßen stehen kann. Inklusive der Behinderten, denen das Schicksal oder der liebe Gott ein Bein gestellt hat und die dadurch beim gesellschaftlichen Rattenrennen schlecht mithalten können und abgeschlagen im Abseits landen. Und wer unter diesen Verlierern dann bereit ist, sich amtlich zu outen, offenbarungseidlich durch Vorlage der Kontoauszüge, also bereit ist, sich vor der Sozialbehörde „nackig zu machen“, wie der Volksmund sagt, der oder die wird auf die Liste der potentiell Empfangsberechtigten gesetzt, denen ein Spendensegen winkt. Doch weshalb so allgemein, wenn es auch konkret und anschaulich geht.
Dazu muss ich nur Wolfgang Tischer aus meinem Langzeitgedächtnis hervorholen, es ist das Jahr 2009. Aber wer ist Wolfgang Tischer? Die wenigsten kennen ihn, wahrscheinlich nur die, welche in besagtem Jahr einen Blick in die Weihnachtsausgabe der Badischen Zeitung getan haben. Wolfgang Tischer ist ein mittelloser Kulturwissenschaftler, wohnhaft in einem kleinen Ort bei Freiburg und überdies sehbehindert. Die BZ zeichnete ein anrührendes Porträt des Bedürftigen, wie heißt es schon bei Brecht, „man sieht nur die im Licht, die im Schatten sieht man nicht“.
Als mich nach Weihnachten Herr F. besuchte, ein treuer Begleiter bei Besorgungen in der Stadt, meinte er, „in der BZ stand an Weihnachten ein Bericht über einen blinden Kulturwissenschaftler mit einer ganz ähnlichen Geschichte wie der deinen, ein Herr Tischer oder Fischer, ich glaube es war Tischer …“ Ich gab mich mäßig überrascht, man sehe daran, dass ein Schicksal wie das meinige kein Einzelfall sei. – Dass Wolfgang Tischer und meine Wenigkeit identisch sind, wollte ich F. nicht verraten. Mochte ich doch nicht offenbaren, dass ich mich quasi prostituiert hatte.
Frau B. von der örtlichen Sozialstation hatte mir gesagt, falls ich dazu bereit wäre, nicht nur wie in den zurückliegenden Jahren bei ihr den Nachweis meiner Bedürftigkeit zu hinterlegen, sondern dazu bereit wäre, einer freundlichen Journalistin von der Lokalredaktion telefonisch ein paar persönliche Fragen zu beantworten, die diese anschließend zu einem kleinen Porträt verarbeitet, selbstverständlich anonymisiert, gebe es für mich aus dem Topf der vorweihnachtlich
eingeworbenen Wohltätigkeitsspenden nicht lediglich die üblichen 50 Euro, sondern eine einmalige Aufstockung auf 80 Euro. – Genau das tat ich, weil ich für Geld alles mache.
Die nette Journalistin hatte mir am Ende unseres Telefonats noch gesagt, ich solle mich nicht wundern, wenn auf den Artikel hin bei mir das Telefon nicht mehr stillstehe, weil sich dauernd Leute melden, die mir gern Gutes tun möchten. – Das Telefon klingelte ein einziges Mal. Eine Dame rief an, die ihre Eintrittskarten für das Neujahrskonzert im Freiburger Konzerthaus verschenken wollte, weil sie und ihr Mann kurzfristig eine attraktive Einladung zu Freunden erhalten hatten. So kamen meine Begleiterin und ich am Neujahrstag in den Genuss jenes Konzerts, an dessen musikalischem Höhepunkt das Orchester „An der schönen blauen Donau“ intonierte und die Zuhörerschaft in den Sitzreihen in ein so seliges Wellenschaukeln geriet, dass man am liebsten immer so weiter hätte schaukeln mögen, fort und fort, bis ans Ende des neuen, doch gerade erst begonnenen Jahres.




