Staufen (kobinet)
In dieser dunklen Welt gibt es keinen Frieden.
Auch nicht zu Weihnachten.
Weihnachten ist ein Fest im Dezember.
Christen feiern die Geburt von Jesus.
Die großen Länder machen Krieg.
Krieg bedeutet: Länder kämpfen gegen-einander mit Waffen.
Oder verschiedene Gruppen kämpfen gegen-einander.
Oder sie drohen mit Krieg.
Auch Europa droht mit Krieg.
Europa sagt: Wir sind gut.
Wir haben Werte.
Werte sind Dinge, die einem wichtig sind.
Zum Beispiel: Ehrlichkeit oder Freundschaft.
Aber Europa will sich mit Waffen schützen.
Mit sehr gefährlichen Waffen.
Das ist nicht gut.
So können wir Weihnachten nicht fühlen.
Die Weihnachts-Botschaft sagt: Ein Kind ist geboren.
Dieses Kind bringt Frieden.
Aber wir können das nicht fühlen.
Wenn überall Hass ist.
Und Gewalt.
Was sind gute Mächte?
Dietrich Bonhoeffer war ein Pfarrer.
Ein Pfarrer arbeitet in der Kirche.
Er hält Gottes-Dienste.
Und er hilft Menschen.
Er hat gegen Hitler gekämpft.
Er hat ein Lied geschrieben.
Das Lied heißt: Von guten Mächten wunderbar geborgen.
Die guten Mächte sind etwas ganz anderes.
Als die großen Länder heute.
Die großen Länder machen Angst.
Die guten Mächte machen Hoffnung.
Wir Bürger müssen tun, was die Länder sagen.
Ein Bürger gehört zu einem Land.
Bürger dürfen mit-bestimmen.
Das ist wie ein Gefängnis.
Können wir trotzdem die guten Mächte fühlen?
Können wir trotzdem Hoffnung haben?
Ja, das geht.
Beten in der Stille
Bonhoeffer hat gebetet.
Aber nicht so: Lieber Gott, mach das.
Sondern er war still.
Er hat nur zugehört.
In der Stille kann man eine andere Welt fühlen.
Eine Welt mit Licht.
Nicht die dunkle Welt draußen.
Bonhoeffer hat gesagt: Dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn es still wird, hört man die andere Welt.
Die Welt der guten Mächte.
Das ist wie ein Wunder.
Man kann es nicht erklären.
Aber man kann es fühlen.
Weihnachten muss man erst innen fühlen.
Dann kann es nach außen strahlen.
Vielleicht ändert das etwas in der Welt.
Das ist eine leise Hoffnung.
Meditation hilft auch
Ich mache Meditation.
Meditation bedeutet: Ruhig sitzen und nachdenken.
Man will dabei entspannen.
Und man will zur Ruhe kommen.
Das ist eine Übung aus dem Buddhismus.
Buddhismus ist eine Religion auf der Welt.
Viele Menschen glauben an die Regeln von Buddha.
Man sitzt still.
Man atmet.
Man lässt die Gedanken vorbei-ziehen.
Das ist ähnlich wie Bonhoeffers Gebet.
Wenn man meditiert, wird man ruhig.
Die Angst geht weg.
Man fühlt sich frei.
Man fühlt sich geborgen.
Von guten Mächten.
Das ist Frieden.
Frieden im Inneren.
Wer diesen Frieden fühlt, der will keinen Krieg.
Auch nicht zur Abschreckung.
Abschreckung bedeutet: Jemanden von etwas abhalten.
Man zeigt: Das hat schlimme Folgen.
Man kann nicht beides haben:
Frieden innen und Krieg draußen.
Das geht nicht zusammen.
Ich wünsche dir eine friedliche Weihnacht.
Hier kannst du einen Text lesen.
Der Text ist von einem Mann aus der Ukraine.
Er schreibt über Weihnachten im Krieg.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) In dieser sich verfinsternden Welt, seitens ihrer politischen Großmächte, besteht keine Aussicht auf friedliche Weihnacht. Wie auch, wenn sogar die sich aufstellende Großmacht Europa als selbst erklärte "Großmacht der Werte und der Moral" zu ihrer Verteidigung auf Abschreckung durch Massenvernichtung setzt. Und sich mit dieser Bereitschaft zur kriegerischen Massentötung mit der "zu bekämpfenden Macht des Bösen" gleichsam komplizenhaft auf eine Stufe stellt. In diesem unfriedlichen Geist, mit dieser feindseligen Mentalität, ist die persönliche Erfahrung, ein inneres Empfangen der weihnachtlichen Botschaft, unmöglich: "Euch ist ein Kind geboren, der Heiland …"
„Von guten Mächten wunderbar geborgen“, doch wie?
Die „guten Mächte“ des evangelischen Theologen und zivilen Widerständlers gegen den Nationalsozialismus Dietrich Bonhoeffer haben nicht nur nichts gemein mit den politischen Großmächten unserer Zeit, „dieser Fürsten der Finsternis“, sie stehen vielmehr für das „Ganz Andere“ (theologisch-philosophisch das „totaliter aliter“). Diese Fürsten der Finsternis, die uns sozusagen als Staatsbürger in Geiselhaft nehmen. Kann es in dieser „babylonischen Gefangenschaft“ überhaupt eine persönliche Erfahrung von Bonhoeffers „gute Mächten“, dieses „Ganz Anderen“ geben? Könnte dennoch so etwas wie eine innere Empfänglichkeit entstehen und auf welche Weise?
Für den Protestanten Bonhoeffer war es das „Gebet der Stille“. Ich nenne es einmal so, um den Unterschied zum Wunscherfüllungsbeten zu bezeichnen, „lieber Gott mach …“. Zum Beispiel, dass es gelingen möge „uns besser zu bewaffnen als Autokratien“ (Kanzler Merz) und so wenigstens künftig Aussicht auf friedliche Weihnacht besteht. Ich weiß nicht, ob Gläubige in evangelischen Weihnachtsgottesdiensten so beten werden, lese ich die verteidigungspolitisch aktualisierte Friedensdenkschrift ihrer Kirche, so würde es mich jedenfalls nicht überraschen.
„Dein Licht scheint in der Nacht“, spricht hingegen der betende Bonhoeffer zu seinem personalen Gott und „wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet …“ Im stillen Beten wird eine andere Welt erfahrbar als die der „Dunkelheit“, wie sie auch zu Bonhoeffers Zeit von den politischen Mächten vor allem ausging. Dass sich im Gebet der Stille jene andere Welt der „guten Mächte“ offenbart, kommt einem Wunder gleich; denn diese noch in größter existenzieller Not und Bedrohung tragende und tröstende Erfahrung des Von-guten Mächten-wunderbar-geborgen-Seins entzieht sich verstandesmäßiger Herleitung oder Begründbarkeit.
Auch die „friedliche Weihnacht“ – das hört sich jetzt vielleicht hochtrabend an, aber so verstehe ich Bonhoeffers Worte – muss einem zuerst zum inneren Erlebnis werden, ehe etwas von ihrer Lichterfahrung nach außen strahlen kann in das von den politischen Großmächten verbreitete Dunkel. Ob ein von diesem inneren Licht erleuchtetes Handeln etwas im Dunkel dieser unheilen Welt auszurichten vermag, schwer zu sagen, eine leise Hoffnung auf alle Fälle.
Nicht in Gedanken verlieren, nur dem Ein- und Ausatem folgen
Bis in Geist und Seele sich die Wogen glätten und eine wohltuende Ruhe einkehrt.
Meine zenbuddhistische Meditationsübung – still dasitzen, atmen und die Gedanken vorüberziehen lassen – ist eine Bonhoeffers christlichem Gebet der Stille analoge, der geistigen Erlebnisqualität nach vergleichbare mentale Praxis von „peace of mind“. Das fürs tägliche Leben in dieser Welt der unguten Mächte so typische Enge- und Angstgefühl weicht beim Meditieren dem befreienden Empfinden „offener Weite“ (so der Zen-Stammvater Bodhidharma, ähnlich der im Gebet „sich unsichtbar um uns weitenden Welt“ Bonhoeffers). Unser schlichtes Wort „Frieden“ charakterisiert wohl am treffensten die innere Stilleerfahrung im Zustand tiefer Meditation. Mit diesem Frieden, dieser Weihnacht im Inneren, geht auch für Meditierende die Empfindung einher „von guten Mächten wunderbar geborgen“.
Mit der meditativen Praxis und ihrer Erfahrung unvereinbar für mich ist ein politisches Bestreben, im Äußeren Frieden durch Abschreckung herstellen zu wollen. Es sei denn, ich machte mich zu einem „Schizo“, was ich nicht vorhabe.
In diesem Sinne wünsche ich der kobinet-Leserschaft eine friedliche Weihnacht.
P.S. Die Stimme eines Psychoanalytikers aus der Ukraine
https://www.deutschlandfunk.de/ukraine-weihnachten-im-krieg-hoffnung-auf-frieden-jurko-prochasko-essayist-100.html

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) In dieser sich verfinsternden Welt, seitens ihrer politischen Großmächte, besteht keine Aussicht auf friedliche Weihnacht. Wie auch, wenn sogar die sich aufstellende Großmacht Europa als selbst erklärte "Großmacht der Werte und der Moral" zu ihrer Verteidigung auf Abschreckung durch Massenvernichtung setzt. Und sich mit dieser Bereitschaft zur kriegerischen Massentötung mit der "zu bekämpfenden Macht des Bösen" gleichsam komplizenhaft auf eine Stufe stellt. In diesem unfriedlichen Geist, mit dieser feindseligen Mentalität, ist die persönliche Erfahrung, ein inneres Empfangen der weihnachtlichen Botschaft, unmöglich: "Euch ist ein Kind geboren, der Heiland …"
„Von guten Mächten wunderbar geborgen“, doch wie?
Die „guten Mächte“ des evangelischen Theologen und zivilen Widerständlers gegen den Nationalsozialismus Dietrich Bonhoeffer haben nicht nur nichts gemein mit den politischen Großmächten unserer Zeit, „dieser Fürsten der Finsternis“, sie stehen vielmehr für das „Ganz Andere“ (theologisch-philosophisch das „totaliter aliter“). Diese Fürsten der Finsternis, die uns sozusagen als Staatsbürger in Geiselhaft nehmen. Kann es in dieser „babylonischen Gefangenschaft“ überhaupt eine persönliche Erfahrung von Bonhoeffers „gute Mächten“, dieses „Ganz Anderen“ geben? Könnte dennoch so etwas wie eine innere Empfänglichkeit entstehen und auf welche Weise?
Für den Protestanten Bonhoeffer war es das „Gebet der Stille“. Ich nenne es einmal so, um den Unterschied zum Wunscherfüllungsbeten zu bezeichnen, „lieber Gott mach …“. Zum Beispiel, dass es gelingen möge „uns besser zu bewaffnen als Autokratien“ (Kanzler Merz) und so wenigstens künftig Aussicht auf friedliche Weihnacht besteht. Ich weiß nicht, ob Gläubige in evangelischen Weihnachtsgottesdiensten so beten werden, lese ich die verteidigungspolitisch aktualisierte Friedensdenkschrift ihrer Kirche, so würde es mich jedenfalls nicht überraschen.
„Dein Licht scheint in der Nacht“, spricht hingegen der betende Bonhoeffer zu seinem personalen Gott und „wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet …“ Im stillen Beten wird eine andere Welt erfahrbar als die der „Dunkelheit“, wie sie auch zu Bonhoeffers Zeit von den politischen Mächten vor allem ausging. Dass sich im Gebet der Stille jene andere Welt der „guten Mächte“ offenbart, kommt einem Wunder gleich; denn diese noch in größter existenzieller Not und Bedrohung tragende und tröstende Erfahrung des Von-guten Mächten-wunderbar-geborgen-Seins entzieht sich verstandesmäßiger Herleitung oder Begründbarkeit.
Auch die „friedliche Weihnacht“ – das hört sich jetzt vielleicht hochtrabend an, aber so verstehe ich Bonhoeffers Worte – muss einem zuerst zum inneren Erlebnis werden, ehe etwas von ihrer Lichterfahrung nach außen strahlen kann in das von den politischen Großmächten verbreitete Dunkel. Ob ein von diesem inneren Licht erleuchtetes Handeln etwas im Dunkel dieser unheilen Welt auszurichten vermag, schwer zu sagen, eine leise Hoffnung auf alle Fälle.
Nicht in Gedanken verlieren, nur dem Ein- und Ausatem folgen
Bis in Geist und Seele sich die Wogen glätten und eine wohltuende Ruhe einkehrt.
Meine zenbuddhistische Meditationsübung – still dasitzen, atmen und die Gedanken vorüberziehen lassen – ist eine Bonhoeffers christlichem Gebet der Stille analoge, der geistigen Erlebnisqualität nach vergleichbare mentale Praxis von „peace of mind“. Das fürs tägliche Leben in dieser Welt der unguten Mächte so typische Enge- und Angstgefühl weicht beim Meditieren dem befreienden Empfinden „offener Weite“ (so der Zen-Stammvater Bodhidharma, ähnlich der im Gebet „sich unsichtbar um uns weitenden Welt“ Bonhoeffers). Unser schlichtes Wort „Frieden“ charakterisiert wohl am treffensten die innere Stilleerfahrung im Zustand tiefer Meditation. Mit diesem Frieden, dieser Weihnacht im Inneren, geht auch für Meditierende die Empfindung einher „von guten Mächten wunderbar geborgen“.
Mit der meditativen Praxis und ihrer Erfahrung unvereinbar für mich ist ein politisches Bestreben, im Äußeren Frieden durch Abschreckung herstellen zu wollen. Es sei denn, ich machte mich zu einem „Schizo“, was ich nicht vorhabe.
In diesem Sinne wünsche ich der kobinet-Leserschaft eine friedliche Weihnacht.
P.S. Die Stimme eines Psychoanalytikers aus der Ukraine
https://www.deutschlandfunk.de/ukraine-weihnachten-im-krieg-hoffnung-auf-frieden-jurko-prochasko-essayist-100.html




