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Nancy Poser ist verärgert und spricht Klartext zur aktuellen Gewaltdiskussion

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Nancy Poser in ihrem Rollstuhl
Nancy Poser in ihrem Rollstuhl
Foto: privat

Trier (kobinet) "Mich ärgert es maßlos, wie die Tat eines psychisch kranken Menschen (der zufällig nicht deutscher Staatsbürger war) zur Durchsetzung einer fremdenfeinflichen Agenda instrumentalisiert wird." So beginnt Nancy Poser aus Trier ihren aktuellen Kommentar auf Facebook. Darin geht sie sich nicht nur die Situation psychisch kranker Menschen ein und stellt die derzeitigen Regelungen dar, sondern fragt sich, was durch Grenzkontrollen an allen unserer Grenzen genau bewirkt werden soll bzw. kann.

Kommentar von Nancy Poser

Mich ärgert es maßlos, wie die Tat eines psychisch kranken Menschen (der zufällig nicht deutscher Staatsbürger war) zur Durchsetzung einer fremdenfeinflichen Agenda instrumentalisiert wird. Es werden Ängste in der Bevölkerung geschürt, so dass sich Menschen in einem der sichersten Länder der Welt auf einmal nachts nicht mehr raus trauen. Es ist richtig, absolute Sicherheit gibt es nicht. Gab es noch nie. Und ja, es gab und gibt Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung Taten begehen. Und es ist möglich, dass diese Personen zuvor schonmal in Behandlung waren. Aber: der große Teil psychisch erkrankter Menschen wird nicht zum Täter!

Und deshalb reicht eine abstrakte Gefahr aufgrund einer Diagnose auch nicht aus, jemand lebenslang wegzusperren. Zum Freiheitsentzug bedarf es entweder einer vorangegangenen Tat von einigem Gewicht oder zumindest einer konkreten Gefährdungslage. Und wenn die nicht mehr gegeben ist, ist die Person wieder freizulassen. Eine vorsorgliche dauerhafte Unterbringung ohne konkrete Gefahr gibt es in Deutschland – zum Glück – nicht. Nennt sich Rechtsstaat. Zu diskutieren wäre also, wie man besser erkennen kann, wann eine Gefährdungslage konkret wird. Gibt es ausreichend Angebote zur ambulanten Nachsorge beispielsweise?

Aber: Was da Grenzschließungen nun helfen sollen, ist mir nicht klar.

Ja, der letzte Täter war Afghane. Und deshalb findet eine bundesweite Medienberichterstattung statt, die die Rechtfertigung bietet, die menschenfeindlichen Maßnahmen durchzuführen, die bestimmte blau-braune Kreise schon lange durchführen wollen – u.a. das verfassungsmäßige Recht auf Asyl quasi abzuschaffen. Dann gehört es aber dazu, die Bevölkerung nicht zu belügen und zu tun, als wäre die Gefährdung durch Amoktaten und Messerangriffe beseitigt oder auch nur zahlenmäßig extrem verringert, wenn wir Biodeutsche nur noch unter uns wären. Es lohnt sich, 3 Minuten ins googeln zu investieren und man wird auf Dutzende Amoktaten und Messerstechereien stoßen, die lediglich von Lokalzeitungen aufgegriffen wurden oder, sofern sie es in die gesamtdeutsche Presse schafften, nach einem Tag wieder vergessen waren (siehe Screenshots).

Die Amokfahrt von Magdeburg, Tat eines psychisch kranken AfD Anhängers, wurde – allein aufgrund seiner Herkunft – permanent mit der Tat eines religiösen Fanatikers in Berlin vor fast zehn Jahren verglichen. Dabei hätte der Vergleich zu dem psychisch kranken Amokfahhrer in Trier 2020 thematisch und zeitlich wesentlich näher gelegen. Diesen Vergleich habe ich aber nicht ein einziges Mal gehört. Zur Erinnerung: Sechs Menschen starben damals durch einen deutschen Täter.

Dass der afghanische Täter nun nicht mehr hätte in Deutschland sein dürfen, ist eine tragische Verkettung von Umständen, hat aber rein gar nichts mit seinem Gefährdungspotenzial zu tun gehabt.

Und nun soll der Lösungsansatz für die Vermeidung von Amoktaten und Messerattacken in der Grenzschließung liegen?

Ich bin mir sicher, dass die Wirtschaft hoch erfreut sein wird, wenn stundenlange Staus an den Grenzen, die wir glücklicherweise in Europa überwunden hatten, den Handel verlangsamen und verteuern werden.

Und wenn ich dann höre, dass wir natürlich Fachkräfte brauchen, aber nur ausgewählte und nicht „ungebildete Flüchtlinge“ (ein unglaublich anmaßendes Vorurteil, oftmals von Menschen, deren Bildungsstand darunter liegt), dann gebe ich zweierlei zu bedenken:

Einerseits wird Deutschland nicht mit so genannten Fachkräften allein dauerhaft die Infrastruktur aufrecht erhalten können. Neben Fachkräften brauchen wir auch Personen, die wir zu guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausbilden können in Bereichen wie Pflege, Baugewerbe, Handwerk, Reinigung usw.

Zum anderen hätte ich als schon ausgebildete Fachkraft, die sich aussuchen kann, in welchem Land sie arbeiten und ihre Familie ansiedeln möchte, absolut keine Lust in ein Land zu ziehen, das dermaßen fremdenfeindlich eingestellt ist. Die sog. Fachkräfte, von denen wir in unser Arroganz annehmen, dass sie nur auf ein Angebot aus dem deutschen Schlaraffenland warten, werden nicht kommen.

Link zum Facebookeintrag von Nancy Poser