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Kranzniederlegung und Debatte im Bundestag zur „Euthanasie“

Jürgen Dusel
Jürgen Dusel
Foto: Henning Schacht

Berlin (kobinet) Anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus, der am 27. Januar begangen wurde, findet heute, am 29. Januar 2025 um 10:30 Uhr eine öffentliche Kranzniederlegung am Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Morde an der Tiergartenstraße 4 statt. Die Kranzniederlegung wird von dem blinden Autor Bernd Kebelmann und dem Musiker Dietmar Gräf begleitet. In diesem Jahr liegt der Fokus dieses Gedenkens besonders auf den blinden Opfern. Darauf hat der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, aufmerksam gemacht. Gegen 20:40 Uhr findet dann eine 45minütige Debatte im Bundestag mit anschließender Beschlussfassung zum Antrag mit dem Titel "Opfer von NS-'Euthanasie' und Zwangssterilisation – Aufarbeitung intensivieren" statt.

Im Zuge der sogenannten „Aktion T4“ wurden mehr als 70.000 Morde an Patientinnen und Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten während der nationalsozialistischen Diktatur verübt. „T4“ ist benannt nach der Adresse der damaligen „Zentraldienststelle T4“ an der Tiergartenstraße 4, wo sich heute der Gedenk- und Informationsort in Berlin befindet. Diese Dienststelle war vom nationalsozialistischen Regime mit der Durchführung der Ermordungen von Menschen mit Behinderungen und psychischen Krankheiten beauftragt worden. Durchgeführt wurden die Ermordungen von Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften. Insgesamt wurden in Einrichtungen des Deutschen Reichs 200.000 Menschen in verdeckten Aktionen ermordet. Europaweit wird von 300.000 Tötungen ausgegangen. Hinzu kommen 400.000 Opfer von Zwangssterilisierungen. Darauf macht der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung aufmerksam und lädt zu dieser Gedenkveranstaltung ein. Das Denkmal ist ebenerdig erreichbar, und es gibt Dolmetschung für Deutsche Gebärdensprache und Leichte Sprache sowie eine Live-Audiodeskription.

In Zusammenhang mit den „Euthanasie“-Morden und Zwangssterilisationen soll voraussichtlich heute, am 29. Januar 2025 nach derzeitiger Planung gegen 20:40 Uhr nach einer ca. 45minütigen Debatte ein Beschluss des Deutschen Bundestages erfolgen, mit dem der Deutsche Bundestag feststellen wird, dass die Opfer der NS-„Euthanasie“ und die Opfer von Zwangssterilisationen als Verfolgte des NS-Regimes anzuerkennen sind. Inhalte des überfraktionellen Antrages sind darüber hinaus – im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel – auch die Förderung der Forschung über Abläufe und Dimensionen der „Euthanasie“-Verbrechen sowie eine Zentralisierung und Gesamtanalyse der in diversen Archiven existierenden Akten. Auch die nachhaltige Unterstützung der Gedenkstätten ist Inhalt des Antrages der Fraktionen SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP. Es ist vorgesehen, dass der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, anlässlich dieser Beschlussfassung im Deutschen Bundestag spricht.

Link zur Tagesordnung des Bundestages, in der die aktuellen Zeiten der Debatte angepasst werden