
Foto: FAU/Matthias Jakoby
Erlangen (kobinet) Am 10. Juni 2024 begrüßte Prof. Dr. Andreas Hirsch, Vizepräsident People der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), gemeinsam mit Andrea Seeger, Geschäftsführerin der Access gGmbH, die angehenden Bildungsfachkräfte im gemeinsamen Projekt “Inklusive Bildung Bayern” während einer Pressekonferenz im Namen der Universitätsleitung. Access – Inklusion im Arbeitsleben gGmbH bildet in Kooperation mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in einer bayernweit einzigartige Zusammenarbeit Bildungsfachkräfte aus. Im Rahmen des Projektes Inklusive Bildung Bayern (IBB) qualifizieren Access und die FAU sechs Menschen mit Behinderungen und besonderem Unterstützungsbedarf zu sogenannten Bildungsfachkräften für die Hochschullehre in Bayern. Diese bringen Studierenden die Perspektiven, Erfahrungen und Lebenswelten von Menschen mit Behinderungen nahe und ermöglichen so Inklusionserfahrungen aus erster Hand.
Gefördert wird das Projekt IBB aus Mitteln des Zentrums Bayern für Familie und Soziales, der TÜV SÜD Stiftung sowie der Aktion Mensch. „Wir sind stolz, dass unsere langjährigen gemeinsamen Bestrebungen erfolgreich waren und wir am 01.04.2024 endlich unser Kooperationsprojekt Inklusive Bildung Bayern starten konnten“ sagte Prof. Dr. Hirsch. Er freut sich über das Vertrauen in die FAU, die als erste Hochschule in Bayern Bildungsfachkräfte ausgebildet.
Andrea Seeger bedankte sich herzlich für die Zusammenarbeit, „mit der FAU haben wir die beste Kooperationspartnerin gefunden, die wir uns nur wünschen konnten, sie war von Anfang an für das Projekt aufgeschlossen.“ Sie hob die langjährige Anstrengung hervor, die es benötigte, um das Projekt auf den Weg zu bringen. Dabei passe dieses Projekt gut zur Arbeit von Access, denn der Fachdienst habe schon oft Pionierarbeit für die Inklusion von Menschen mit Behinderung in Arbeit und beruflicher Bildung geleistet.
Claudia Drechsel, die Projektleiterin, stellte das Projekt Inklusive Bildung Bayern vor: Mit Beginn des laufenden Sommersemesters startete die Qualifizierung der angehenden Bildungsfachkräfte. Sie orientiert sich an den individuellen Fähigkeiten und Bedarfen der Teilnehmenden, die alle zum Personenkreis der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) gehören. In drei Jahren lernen die angehenden Bildungsfachkräfte, was sie für ihre zukünftige berufliche Aufgabe benötigen: Theoretisches Wissen über Bildungssysteme, Arbeit und Teilhabe, aber vor allem Methoden und Praxis der Bildungsarbeit. Es sei geplant, dass die angehenden Bildungsfachkräfte bereits ab dem kommenden Wintersemester in die ersten Lehrveranstaltungen eingebunden werden, so Drechsel. Die Bildungsfachkräfte würden Studierenden ihre Vorstellung von gelebter Inklusion berichten, und ein Bewusstsein für die Bedarfe und Kompetenzen von Menschen mit Behinderungen schaffen. „So können beide Seiten voneinander lernen und Berührungsängste abbauen.“
Das Highlight der Pressekonferenz war die Vorstellung der angehenden Bildungsfachkräfte selbst. Selbstbewusst und klar sprachen sie über ihre bisherigen beruflichen Laufbahnen und über ihre Motivation, als Bildungsfachkräfte in Lehrveranstaltungen von bayerischen Universitäten und Hochschulen mitzuwirken. „Ich will Leuten davon erzählen, wie es ist mit einer Einschränkung zu leben. Damit kenne ich mich aus, denn ich erlebe es ja 24/7“ sagte Christin Michaleck, die zuvor in der Werkstadt der Lebenshilfe in Nürnberg tätig war. Ihr Kollege, Marvin Voit ergänzte: „Ich finde toll, dass sich so viele Leute für uns interessieren.“ Nadine Zitzmann, die vor dem Projekt IBB bei den Regnitz Werkstätten der Lebenshilfe Erlangen arbeitete, hat sich bereits Gedanken dazu gemacht, was sie Studierenden beibringen kann: „Ich kann anderen Menschen von meinen Erfahrungen in der Förderschule und der Werkstatt erzählen. Ich denke meine Erfahrungen können anderen Menschen helfen und machen, dass andere Menschen mehr Verständnis haben“, sagt sie.
Die Offenheit und Bereitschaft der Bildungsfachkräfte, über ihre individuelle Geschichte zu berichten, sei keineswegs selbstverständlich, sagte Harriet Ziegler, die Diversitätsbeauftragte der FAU. Dies verdiene großen Respekt. „Wir bilden die neue Generation an bayerischen Lehrer*innen aus, die neue Generation an Ärzt*innen, und viele weitere zukünftige gesellschaftliche Verantwortungsträger*innen. Bildungsfachkräfte mit Behinderungen vermitteln als diejenigen, die die Lebensrealität mit Behinderungen am besten kennen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen, schaffen niederschwellige Möglichkeiten zum Austauschen und Kennenlernen und nehmen damit Befangenheiten und Berührungsängste“, so Ziegler.
Sechs Bildungsfachkräfte können bis zu 3.000 Studierende pro Jahr direkt erreichen, die ihre Erfahrungen in die berufliche Praxis tragen. „Und das ist ein großer Schritt für mehr Inklusion und Menschlichkeit in Bayern“, so die Projektleiterin. Natürlich soll es im Anschluss an drei Jahre Qualifizierung weitergehen. Für die Bildungsfachkräfte und die benötigte pädagogische und persönliche Assistenz sollen hochschulnahe Arbeitsplätze am allgemeinen Arbeitsmarkt geschaffen werden. So sollen die Träume der Teilnehmenden nach echter Teilhabe in Erfüllung gehen.
Im Anschluss an die Pressekonferenz fand das erste Treffen des begleitenden Vernetzungsforums mit Vertreter*innen der Hochschulen, Politik, Verwaltung und Selbstvertretungsverbänden statt. Das Netzwerk soll während der Projektlaufzeit sicherstellen, dass die Weichen für den Projekterfolg gestellt werden und die inklusive Bildungsarbeit an den bayerischen Hochschulen mit Expert*innen in eigener Sache weitergeführt wird.
Auf dem Bild sind zu sehen von links nach rechts: Sina Zauner, Claudia Drechsel, Nadine Zitzmann, Anton Bernad (oben), Marvin Voit (unten), Christin Michaleck (oben), Ines Wolf (unten), Andrea Seeger, Peter Kutzi




