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„Sie haben Ihr Ziel erreicht!“

Schwarz-Weiß-Fotografie. Einmündung auf eine Straße am Ortsrand
Schwarz-Weiß-Fotografie. Einmündung auf eine Straße am Ortsrand
Foto: Ralph Milewski

Villmar - Weyer (Kobinet) Neulich hatte ich einen Disput, mit einem Freund. Über „Fluch und Segen der künstlichen Intelligenz“. Ich konnte nicht bestreiten, dass die KI vielen beeinträchtigten Menschen in gewissen Lebensbereichen weiterhilft. Wohin das alles aber auch führen könnte, davor fürchtet sich Stephan Laux in seiner neuen Kolumne.

Die Diskussion darüber ist wahrscheinlich so alt wie die KI selbst. Aber wie alt ist die KI eigentlich?

Ich hatte mal ein Navigationsgerät. Das hat zu mir gesprochen. Mit einer Frauenstimme. Wenn ich seine Anweisungen mehr als dreimal ignoriert habe, hat es gesagt: „Dann zieh doch wieder zu Deiner Mutter!“ Seitdem folge ich Google Maps geradezu willenlos. Manchmal finde ich mich dann in privaten Hauseinfahrten wieder. Weil Google Maps gesagt hat: „Jetzt rechts abbiegen!“

Vielleicht kommen daher meine Vorbehalte gegenüber der Künstlichen Intelligenz (KI)? Google Maps hat mich meines Orientierungssinns beraubt! Eventuell auch meines gesunden Menschenverstandes, der ja laut Descartes, die am gerechtesten, verteilte Sache der Welt ist.

Wenn es um die KI geht, gerate ich immer wieder mit meinen Mitmenschen aneinander. Im Falle von Google Maps, möchte ich z.B. nicht mehr gerne auf sie verzichten. Da navigiert sie mich, relativ zuverlässig, sogar durch die Frankfurter Innenstadt. Und das funktioniert auch zwischenmenschlich reibungsloser, als z.B. mit meiner Frau. Nicht zuletzt deswegen, weil ich die KI, im Falle von Google Maps, stummschalten kann. (sorry, Schatz!)

Vor einer Software wie Chat GTP fürchte ich mich jedoch regelrecht. Warum nur? Vielleicht habe ich Angst davor, dass Chat GTP, Kolumnisten, wie mich überflüssig macht? Oder noch schlimmer: Mir Widerworte gibt oder irgendwie belehrend und besserwisserisch auftritt? Jedenfalls kann Chat GTP nicht in leichte Sprache übersetzen! Hab ich gegoogelt! Ha, ha KI! Kannst also doch nicht alles! Du wirst also nicht die Arbeitsplätze der Übersetzer*innen für leichte Sprache überflüssig machen!

STOP! Weiter unten steht, es gibt eine Software, die das kann: SUMM AI z.B.! 90% günstiger als eine manuelle Übersetzung! Den genauen Preis für das Premiumpaket (bis zu 200 Seiten im Monat) erfährt man erst, wenn man einen Rückruf mit der Geschäftsführerin vereinbart. Davor fürchte ich mich aber ebenfalls! Was, wenn die Geschäftsführerin gar nicht echt ist? Sondern eine künstliche Geschäftsführerin. Eine KG, quasi?

Befürchte ich etwa eine Art Kulturkampf zwischen künstlicher und natürlicher Intelligenz (KI vs. NI)? Oder fürchte ich mich davor, mir das eigene Denken abzugewöhnen? So wie beim Rauchen. Nur umgekehrt! Wenn ich mir erst einmal angewöhnt habe, mein Denken der KI zu überlassen, kann ich mir dann das eigene Denken wieder angewöhnen? Vielleicht entwickelt sich die KI so rasend schnell, dass es in absehbarer Zeit keine offenen Fragen mehr gibt? Man sollte ja besser mit jemand, anstatt über jemand reden! Hier also:

10 Fragen an die KI: Liebe KI…

1. … Ich bin Kommunalpolitiker. Erzeuge 10 Floskeln zum Thema Barrierefreiheit!

2. … Bist Du beleidigt, wenn ich behaupte, KI ist doof?

3. … Hältst Du mich davon ab, selbst nachzudenken? Und entmündigt mich das irgendwie?

4. … Redest Du eigentlich mit jedem?

5. … kannst Du mal meine Steuererklärung in einfache Sprache übersetzen?

6. … oder mir meine Steuererklärung erklären?

7. … oder mir meine Steuer erklären?

8. … oder meinen Antrag auf Kostenübernahme von Assistenzleistungen?

9. …wessen „geistiges Eigentum“ ist die künstliche Intelligenz?

10. …muss ich auf Dich verweisen, wenn ich Dich zitiere?

Selbst geschrieben von: Stephan Laux April 2024

Lesermeinungen

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8 Lesermeinungen
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Silvia Hauser
06.04.2024 12:39

Solange natürliche Intelligenzen wie Du, lieber Stephan, intelligente, witz- und geistreiche Fragen stellen, ist der KI ihr Durchmarsch durch Institutionen und Köpfe noch nicht gelungen!
Hans-Willi Weis

Ralph Milewski
05.04.2024 14:46

So wie eine kürzliche persönliche Erfahrung mit meiner Tochter zeigte, ist die jüngere Generation tatsächlich dabei, in ein starkes technologisches Abhängigkeitsverhältnis zu rutschen. Ich war mit meiner Tochter auf der Hinfahrt zu einer Fotoausstellung. Plötzlich fuhr sie von der Autobahn ab in eine mir nicht nachvollziehbare Richtung. Ich fragte, warum sie hier abgefahren sei, wir müssten doch noch weiter auf der Autobahn bleiben. Sie erwiderte, das war die Route, die du mir geschickt hast, und ich richtete mich nach dem Navi. Wie sich herausstellte, dirigierte uns Google Maps zu einer Stauumfahrung. Dazu gab es vorher eine Info von Google Maps, die meine Tochter geflissentlich überhörte. Technologie-Hörigkeit, das Nichtnutzen des eigenen Verstandes zur Verifizierung von Informationen, das ärgerte mich. Es liegt auch in der Verantwortung des Nutzers von Technologie, sie bei Bedarf in Zweifel zu ziehen und zu hinterfragen. Blindes Vertrauen ist in den seltensten Fällen ein guter Berater.

Marion
Antwort auf  Ralph Milewski
06.04.2024 13:19

Tja so ist das mit den Technologien – Es sind aber dann eben doch die Eltern und Bildungseinrichtungen die hier den Auftrag und die Verpflichtung haben, ihre Kinder aufzuklären.

Es erinnert mich immer an die Storry bei der jemand in einen Fluss gefahren ist, nur weil der Navi hier den Fluss und die Brücke falsch dargestellt hat.

Ralph Milewski
Antwort auf  Marion
06.04.2024 19:39

Nun, meine Tochter ist 25 und keine 12 mehr!

Marion
Antwort auf  Ralph Milewski
09.04.2024 12:18

Da sie über 18 ist, dass ist aus dem Kommentar erkennbar. Das ändert aber nichts an der Verpflichtung von Eltern und Bildungseinrichtungen, denn eines haben Eltern immer: Mehr Erfahrungen. Der Begriff „Bildungseinrichtung“, den ich bewusst verwendet habe, begrenzt sich nicht nur auf die Schule, sondern auch weiterführende Einrichtungen mit einem Bildungsauftrag.


Ralph Milewski
Antwort auf  Marion
13.04.2024 15:08

Es ist sicherlich wichtig, dass Eltern und Bildungseinrichtungen eine Rolle bei der Vermittlung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit Technologie spielen. In diesem Zusammenhang trägt auch die Gesellschaft einen Bildungsauftrag, indem sie ein Umfeld schafft, das kritisches Denken fördert und Menschen dazu ermutigt, sich aktiv mit den Auswirkungen der Technologie auseinanderzusetzen.

Allerdings glaube ich auch fest daran, dass Erwachsene, unabhängig von ihrer elterlichen Herkunft oder ihrer Bildung, letztendlich für ihre eigenen Entscheidungen verantwortlich sind. Die Idee, die Schuld für unser Handeln anderen zuzuschreiben und damit die Verantwortung abzugeben, ist sicherlich verlockend, aber letztendlich kontraproduktiv. Wir alle müssen lernen, die Konsequenzen unserer Handlungen zu tragen und uns der Verantwortung bewusst zu sein, die wir für unser eigenes Leben tragen.

Und wer sagt, dass ich dieser Verpflichtung nicht nachgekommen bin? Ich habe meine Tochter, wie all meine Kinder, stets ermutigt, kritisch zu denken und ihre Entscheidungen zu hinterfragen. Letztendlich liegt es jedoch in der Natur der Selbstbestimmung eines jeden Individuums, wie es mit den gegebenen Ratschlägen und Erziehungseinflüssen umgeht.

Uwe N.
Antwort auf  Ralph Milewski
15.04.2024 08:22

Im Prinzip richtig…….. Aber:

Was ist mit den Menschen die alle Probleme von klein auf abgenommen bekommen……?? Wie sollen die das machen? Ich meine:
Wir machen, was wir lernen……Und wenn wir von klein auf lernen „Ich muss mich um nichts kümmern, das erledigen andere für mich“ (gedankengang dazu: Ich habe keine Probleme!)!!

Marion
Antwort auf  Ralph Milewski
15.04.2024 10:13

kritisch zu denken und ihre Entscheidungen zu hinterfragen“ ist ein guter Ansatz in der Erziehung. Aber wir dürfen dabei die Kinder nie vergessen, die trotz aller Erziehung, in ihren kognitiven Fähigkeiten, dazu nicht in der Lage sind und in einer gewissen Leichtgläubigkeit leben. Da wird es zu erzieherischen Herausforderung, denn KI ist der Schöpfer neuer Welten ….