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Offener Brief gegen Cripping-up

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Berlin / Aachen (kobinet) Derzeit spielt das "DAS DA Theater“ in Aachen das Stück "Die Goldfische" und besetzt die vier behinderten Hauptcharaktere ausschließlich mit nicht-behinderten Schauspieler*innen. Dagegen gilt es nach Ansicht von Sophia Neises vorzugehen und deshalb hat sie einen offenen Brief an die Verantwortlichen verfasst. Damit setzt sie sich gegen die Praxis des Cripping-up ein. "Cripping-up schließt behinderte Künstler*innen vom Arbeitsmarkt aus, sorgt für stereotype Darstellung und verhindert, behinderte Repräsentation auf der Bühne", heißt es u.a. zum offenen Brief.

„Nach dem gleichnamigen Film ‚Die Goldfische‘ besetzten nun auch in Aachen ausschließlich nicht-behinderte Schauspieler*innen Charaktere mit Behinderung. Die Beschreibung des Stückes sagt: ‚Am DAS DA Theater ist die Bühnenfassung des Films über Inklusion und einen schrägen Roadtrip als Aachener Erstaufführung zu sehen.‘ Es ist anmaßend in diesem Bezug den Begriff Inklusion überhaupt zu verwenden. Allein schon, da es keinerlei Barrierefreiheitsangebote wie z. B. Audiodeskription, Gebärdensprachverdolmetschung oder eine Übersetzung in leichte Sprache für ein inklusives Publikum gibt. 2009 hat die Bundesrepublik Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet. In Artikel 30 zur Kulturellen Teilhabe heißt es: ‚Die Vertragsstaaten treffen geeignete Maßnahmen, um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entfalten und zu nutzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft.‘ Mit der Besetzung von ‚Die Goldfische‘ reproduziert der Regisseur Tom Hirtz die diskriminierende Praxis des Cripping-up, bei der nicht-behinderte Menschen behinderte Charaktere spielen. Behinderte Rollen tauchen im Kanon der deutschen Theaterlandschaft nahezu nicht auf. Wenn der Fall jedoch eintritt, wie bei ‚Die Goldfische‘, werden diese wenigen Beschäftigungsmöglichkeiten, im Widerspruch zur UNBRK, an nicht-behinderte Spieler*innen vergeben“, heißt es u.a. im offenen Brief.

Link zum offenen Brief und zur Möglichkeit der Mitzeichnung