Menu Close

Initiative für barrierefreie Euro-Geldscheine

Geldscheine
No body found to use for abstract...
Foto: Irina Tischer

Paris (kobinet) Mit großem Interesse verfolgt die European Blind Union (EUB) die derzeitigen Pläne zur Neugestaltung der Euro-Scheine, welche voraussichtlich im Jahr 2024 abgeschlossen sein sollte. Die EUB sieht in dieser Phase eine hervorragende Gelegenheit, die künftige Generation der Euro-Scheine zu 100 Prozent barrierefrei zu machen. Für blinde und sehbehinderte Menschen, aber auch für andere Bevölkerungsgruppen, wäre dann ein noch besserer und sicherer Umgang mit den neuen Scheinen möglich. Um dieses Ziel auch in der Praxis zu erreichen, setzt sich die Organisation dafür ein, dass Scheine unmittelbar von blinden und sehbehinderten Nutzern erkannt werden können. Darauf hat Raymund Haller die kobinet-nachrichten aufmerksam geamcht, der bereits im Oktober eine Petition beim Deutschen Bundestag zu diesem Thema eingereicht hat.



Im folgenden dokumentieren die kobinet-nachrichten das Schreiben des Executive Direktors der European Blind Union (EUB) Lars Bosselmann an die Europäische Zentralbank (EZB):

Sehr geehrtes Direktoren-Team Euro-Scheine sehr geehrter Herr Roos,

bezugnehmend auf unseren Briefwechsel im vergangenen Herbst, und in Folge des Besuchs einer Delegation aus der Fachabteilung ‚Euro Banknoten‘ der EZB in diesem April sowie im Oktober, wende ich mich im Namen der Europäischen Blinden Union (EBU) erneut an Sie. Mit großem Interesse verfolgen wir die derzeitigen Pläne zur Neugestaltung der Euro-Scheine, welche voraussichtlich im Jahr 2024 abgeschlossen sein sollten. Wir sehen in dieser Phase eine hervorragende Gelegenheit, die künftige Generation der Euro-Scheine zu 100 % barrierefrei zu machen. Für blinde und sehbehinderte Menschen, aber auch für andere Bevölkerungsgruppen, wäre dann ein noch besserer und sicherer Umgang mit den neuen Scheinen möglich. Um dieses Ziel auch in der Praxis zu erreichen, setzen wir uns dafür ein, dass Scheine unmittelbar von blinden und sehbehinderten Nutzern erkannt werden können.

Neben der Weiterentwicklung und Verbesserung bestehender taktiler Merkmale, setzen wir uns auch für Neuerungen ein. So stellen wir uns beispielsweise vor, dass bei künftigen Euro-Scheinen, die Vorder- und Rückseite noch einfacher zu unterscheiden sein sollte. Dies könnte auch durch die gleiche Dicke (gleiche Papierstärke über den ganzen Banknotenkörper) der Scheine erreicht werden. Damit würde die Erkennbarkeit vereinfacht und unnötige Wartezeit zum Sortieren der Scheine vermieden, was wiederum die Sicherheit blinder und sehbehinderter Menschen erhöhen würde. Diese Problematik stellt sich vor allem beim Abheben von Geld am Geldautomaten. Neben der gleichen Dicke, wäre in dieser Situation auch der geordnete (vorderseitig) und richtungssortierte Auswurf der Scheine ein entscheidender Fortschritt, den wir wünschen und uns erhoffen. An dieser Stelle möchte ich auf die Petition 67896 von Herrn Raymund Haller vom 04.10.2016 an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages verweisen, in der der Sachverhalt genau beschrieben wird. Link: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2016/_10/_04/Petition_67896.nc.html

Die zukünftigen Eurobanknoten könnten so ausgestattet werden, dass die Geldscheine in ausgerichteter und gestapelter Form auf der Stapelebene gleich hoch aufbauen. Wir sind uns dessen bewusst, dass diese Neuerung über die reine Neugestaltung der Euro-Scheine hinausgeht, empfehlen aber dennoch, diesen Schritt im gleichen Atemzug zu gehen. Diese Neugestaltungen im Sinne der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) dürften – da sind wir uns sicher einig, keinesfalls aus Kostengründen abgelehnt werden. Des Weiteren bitten wir die EZB, den Druck des jeweiligen Wertes des Scheins auch in Braille-Schrift zu bedenken. Weil diese Neuerungen selbstverständlich sorgfältig entwickelt und gründlich getestet werden müssen, bevor die neuen Euro-Scheine in Umlauf gebracht werden, schlagen wir vor, dass die EZB verschiedene Prototypen produziert, die dann im Austausch mit uns, sowie weiteren Verbrauchergruppen, auf ihre Praxis-Tauglichkeit hin getestet werden sollten. In diesem Sinne, freuen wir uns auf unsere kontinuierliche Zusammenarbeit in dieser zentralen Angelegenheit.“