
Foto: ISL
Berlin (kobinet) Wenn es in der Behindertenpolitik einen unermüdlichen Jäger und Sammler in Sachen Geschichte der Behindertenbewegung gibt, dann ist das Hans-Günter Heiden. Denn der in Berlin lebende Journalist und langjährige Streiter für die Gleichstellung behinderter Menschen verfügt nicht nur über ein enormes Wissen, was die Entwicklung der Behindertenbewegung und vor allem den Einsatz für Gleichstellungsgesetze angeht, sondern hat mittlerweile auch ein stattliches Archiv. Zu seinem 70. Geburtstag, den er heute am 5. April begehen kann, wird er jedoch nicht in Archiven wühlen, sondern hat sich auf den Weg nach Kamerun gemacht, wo er zusammen mit einigen Familienmitgliedern seinen 70. Geburtstag und den seiner Tochter feiern wird.
„Hans-Günter Heiden wurde 1953 in Düren im Rheinland geboren. Er ist freiberuflicher Publizist“, heißt es u.a. in einem Zeitzeugen-Interview des Bildungs- und Forschungsinstituts zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) mit ihm. Weiter heißt es dort: „Sein Begriff von Behinderung ist nicht medizinisch, sondern menschenrechtlich begründet. Nach seinem Studium der Heilpädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Köln arbeitete er ab 1978 zunächst als Sonderschullehrer an einer Schule für Lernbehinderte in Berlin, war mit der damaligen Sonderschulpraxis aber nicht einverstanden. So studierte er Publizistik und engagierte sich in einem rollstuhlgerechten Café-Projekt für Behinderte und Nichtbehinderte, wo er die Kulturarbeit aufbaute. Im Jahr 1986 wechselte er als Chefredakteur der Zeitschrift LEBEN&WEG zum Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. und hat 1990 den ‚Initiativkreises Gleichstellung Behinderter‘ mitgegründet. 1993 koordinierte er die Anhörung der Behindertenverbände vor der Verfassungskommission und in den Jahren 2012 – 2015 die Allianz der deutschen Zivilgesellschaft zur UN-Behindertenrechtskonvention (BRK-Allianz). Zusammen mit seiner Frau Dr. Sigrid Arnade betreibt er das Medienbüro ‚JoB – Journalismus ohne Barrieren‘. Neben seinen Themenschwerpunkten gesetzliche Gleichstellung behinderter Menschen, Selbstvertretung von Menschen mit Lernschwierigkeiten setzt er sich auch für barrierefreies Naturerleben ein.“
Der selbst hörbehinderte Journalist hat in den letzten 30 Jahren viele behindertenpolitische Entwicklungen in Deutschland, aber auch international, begleitet und mitgeprägt. Wenn man eine Idee für eine Aktion braucht, wenn man strategische Überlegungen anstellen will, wie ein Gesetz durchgesetzt werden kann, oder wenn man Tipps für die Öffentlichkeitsarbeit braucht, ein Telefonat mit Hans-Günter Heiden lohnt sich immer. Und er hat vor allem ein Gespür für aktuelle Entwicklungen und Themen. So hat er bereits im Jahr 2020 nach Beginn der Corona-Pandemie den Runden Tisch Triage gegründet und koordiniert. Ob es die UN-Behindertenrechtskonvention oder das Benachteiligungsverbot für behinderte Menschen in Artikel 3 des Grundgesetzes ist, Hans-Günter Heiden hat dazu in seinem Archiv vieles parat. So ist es auch kein Wunder, dass er sich nun ein neues Projekt vorgenommen hat. Der Journalist arbeitet derzeit an einem Buch über den Prozess der Aufnahme des Benachteiligungsverbots für behinderte Menschen ins Grundgesetz im Jahr 1994. Dieses wird er hoffentlich zum 30. Jahrestag dieser historischen Marke für die Behindertenbewegung veröffentlichen. Einen Verlag hat er dafür schon gefunden. Denn viel wird über dieses Benachteiligungsverbot geredet, aber kaum jemand erinnert sich daran, bzw. schreibt darüber, wie das damals war, dass dieser politische Erfolg gelungen ist.
Doch heute heißt es erst einmal Happy Birthday Hans-Günter Heiden.




