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Fürstliche Gehälter für Werkstattleitungen?

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Berlin (kobinet) Dass die Leiter*innen von Werkstätten für behinderte Menschen, in denen die behinderten Beschäftigten durchschnittlich gerade einmal um die 220 Euro im Monat verdienen, zum Teil fürstlich sind, darauf hat die ZDF-Sendung "Die Anstalt" kürzlich hingewiesen. Über vier Jahre nach dem Skandal in Duisburg, wo eine Werkstattleiterin ein stolzes Jahresgehalt von 376.000 Euro erhielt, gibt es immer noch keine Transparenz in diesem Bereich. Ganz anders übrigens als beim Gehalt des Bundeskanzlers, das mit einem Jahreseinkommen von 360.000 Euro beziffert wird, wie ntv berichtet.

„Was kriegt die Geschäftsführung? Das ist ja nicht soviel, bei mir jedenfalls nicht soviel wie bei meiner ehemaligen Kollegin in Duisburg die hat sich 370.000 Euro im Jahr ausbezahlt. Laut Wirtschaftsprüfern wären höchstens 180.000 Euro angemessen. Aber dann verdienen Geschäftsführer wie sie ca. 15.000 Euro im Monat?“ so ein Zitat aus der Comedyserie Die Anstalt vom 20. Dezember. Im Faktencheck zur Sendung gibt es einen Verweis auf einen Spiegel-Bericht vom 9. August 2018 über die Entlohnung der damaligen Leiterin der Werkstatt für behinderte Menchen in Duisburg mit einem Jahresgehalt von 376.000 Euro. „Laut einem Gutachten, das der Aufsichtsrat in Auftrag gegeben hatte, seien für die Position aber nur 150.000 bis 180.000 Euro angemessen gewesen“, heißt es u.a. im Spiegel-Bericht.

Link zum Spiegel-Bericht vom 9.8.2018

Link zum Faktencheck der ZDF-Sendung Die Anstalt vom 20. Dezember 2022

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein ntv-Bericht vom 22. Dezember 2022, der sich mit dem Gehalt des Bundeskanzlers im Vergleich zu anderen Behördenleiter*innen beschäftigt. Der Verdienst des Bundeskanzlers setzt sich dem Bericht zufolge aus dem Kanzlergehalt und der Hälfte seiner Abgeordnetendiät zusammen: „laut Bundestag insgesamt 360.000 Euro im Jahr.“

Link zum Bericht von ntv

Spätestens nach dem Skandal in Duisburg vor über vier Jahren wäre es angebracht gewesen, dass die staatlich hoch subventionierten Werkstätten für behinderte Menschen Transparenz über die Gehälter ihres Spitzenpersonals offen legen, aber dazu sucht man im Internet bisher weitgehend vergeblich. „Aber das ist wahrscheinlich auch nicht mit der Tätigkeit eines Bundeskanzlers vergleichbar“, heißt es dazu ironisch von Aktivist*innen der Behindertenbewegung. Bei den Verflechtungen der Politik mit der Wohlfahrt werde wohl immer noch nach dem Prinzip gehandelt: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß.“

Link zur Sendung „Die Anstalt“ vom 20. Dezember 2022 im ZDF