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Mehr Pflegebedürftige – weniger Hilfeleistungen

Wappen Bundesland Nordrhein-Westfalen
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Foto: Gemeinfrei, public domain

Düsseldorf (kobinet) Anlässlich der veröffentlichten Daten des Statistischen Landesamts zur Pflegebedürftigkeit schlägt der Sozialverband VdK Nordrhein-Westfalen Alarm. „Mit knapp 1,2 Millionen Menschen hat die Zahl derjenigen, die entsprechende Leistungen erhalten, einen historischen Höchststand erreicht – während sich ihre Unterstützung leider eher auf dem Tiefpunkt befindet“, kritisiert der Vorsitzende Horst Vöge. „Dabei sind Betroffene wie auch ihre Angehörigen nicht nur aufgrund des Fachkräftemangels mehr denn je auf Entlastungen angewiesen: Sie wurden auch bei der Energiepreispauschale außen vor gelassen und müssen nun befürchten, dass ihre Wohnung im Winter zur Kältekammer wird.“

Mit 86 Prozent wird nach wie vor ein Großteil der Pflegebedürftigen in den eigenen vier Wänden versorgt, von denen Ende vergangenen Jahres 655.254 Personen ausschließlich Pflegegeld bezogen und 235.065 ambulante Dienste beauftragten. „Aktuell wenden sich viele an den VdK, weil die Versicherungsleistungen nicht reichen, Betreuungsangebote durch professionelle Kräfte vor Ort fehlen oder aber gekündigt werden“, verweist der Landesvorsitzende auf die prekäre Lage. „Nicht nur unsere Mitglieder gehen buchstäblich auf dem Zahnfleisch und Besserung ist nicht in Sicht…“

Umso wichtiger sei es, dass sich die Menschen in NRW flächendeckend auf eine gute, unabhängige Beratung verlassen können und genügend Plätze zur Kurzzeit-, Verhinderungs- sowie Tagespflege zur Verfügung stehen. „Als Vizepräsident des VdK Deutschland setze ich mich ferner für die Einführung eines Lohns für Angehörige wie auch eines Gesamtentlastungsbudgets ein“, erklärt Horst Vöge. „Außerdem muss die Bundesregierung dringend die versprochene Erhöhung des Pflegegelds verabschieden.“

Gleiches gelte für die im Koalitionsvertrag vereinbarte Reform der Pflegeversicherung. „Schon jetzt müssen Betroffene immer mehr Kosten aus eigener Tasche zahlen! Und die Rekord-Inflation macht selbstverständlich auch nicht vor den 167.094 NRW-Bürgerinnen und -Bürgern halt, die vollstationär im Heim untergebracht sind.“ Der VdK-Vorsitzende fordert demnach die Deckelung der Eigenanteile, die in Nordrhein-Westfalen mit monatlich 2.587 Euro deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 2.248 Euro liegen.

Infolgedessen mussten hierzulande bereits Ende 2020 rund 84.100 Personen staatliche Hilfen nach dem Sozialgesetzbuch beantragen. „Pflege darf nicht arm machen“, unterstreicht Horst Vöge. „Als Sozialverband VdK werden wir uns daher weiterhin mit aller Kraft für eine steuerfinanzierte Pflegevollversicherung einsetzen.“