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75 Jahre Dinah Radtke – Happy Birthday

Dinah Radtke mit ihrem Hund
Dinah Radtke mit ihrem Hund
Foto: bifos

Erlangen (kobinet) Aus ihrem Alter macht Dinah Radtke kein Geheimnis, denn heute, am 10. September 2022, kann die Erlanger Behindertenrechtlerin, die maßgeblich an der Entwicklung und den Verhandlungen zur UN-Behindertenrechtskonvention in New York beteiligt war, ihren 75. Geburtstag feiern. Die Ehrenbürgerin der Stadt Erlangen und vielfach für ihr soziales und behindertenpolitisches Engagement ausgezeichnete Dinah Radtke fungiert mittlerweile auch als Vorsitzende des Seniorenbeirats der Universitätsstadt und setzt sich auch verstärkt für die Menschenrechte älterer Menschen ein.

Dass sie eine Wegbereiterin in vielerlei Hinsicht war, liest sich bereits aus dem kurzen Wikipedia-Eintrag über Dinah Radtke. Dort heißt es: Dinah Christine Radtke (* 10. September 1947 in Bamberg) ist eine deutsche Übersetzerin. Sie ist Mitbegründerin des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben Behinderter (ZSL) in Erlangen. Radtke ist staatlich anerkannte Übersetzerin für Englisch und Französisch und führt ein Übersetzungsbüro in Erlangen. Aufgrund einer eigenen Erkrankung an Spinaler Muskelatrophie, die sie zur Rollstuhlfahrerin machte, begann sie sich 1976 für die Rechte und Bedürfnisse behinderter Menschen einzusetzen. Als eine Verfechterin der Independent living-Bewegung war sie 1987 Mitbegründerin des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben e.V. in Erlangen und übernahm 1997 in dem Verein die Bereichsleitung. 1990 war sie Mitbegründerin der bundesweiten Dachorganisation Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben e.V. (ISL). Der Verband wurde im Herbst 1991 Mitglied der internationalen Behindertenrechteorganisation Disabled Peoples International (DPI), deren Vizepräsidentin Radtke lange Jahre war. In dieser Funktion nahm sie an den Verhandlungen über die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen teil.“

Viele, die die meist rot gekleidete Dinah Radtke kennen, haben den von ihr lange vor Angela Merkel verwandten Spruch „du schaffst das schon“ sicherlich noch im Ohr. Sie selbst musste sich ihren Weg in die Selbstbestimmung zum Teil hart erkämpfen, bis sie in Erlangen Fuß fasste und dort begann, behindertenpolitische Akzente zu setzen. Das Erlanger Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen war dabei für sie ein guter Ausgangspunkt und „Heimathafen“ für ihre bundesweiten und internationalen Aktivitäten. Denn Dinah Radte musste immer wieder erfahren, dass wenn sich behinderte Menschen nicht selbst einmischen, meist über ihre Köpfe hinweg und oftmals nicht zu ihrem Besten entschieden und gehandelt wird. So machte sie nicht nur vielen behinderten Menschen in Deutschland, sondern in vielen anderen Ländern der Welt bei ihren Vorträgen und Besuchen Mut zur Selbstbestimmung. Lange Jahre war sie dafür stellvertretende Vorsitzende von Disabled Peoples‘ International (DPI), einer weltweit agierenden behinderungsübergreifenden Dachorganisation von behinderten Menschen, die sich für die Menschenrechte stark macht.

Als noch viele überhaupt nicht daran dachten, dass es einer speziellen Menschenrechtskonvention für behinderte Menschen bedarf, warb Dinah Radtke schon auf dem internationalen Parkett dafür und stritt zusammen mit Prof. Dr. Theresia Degener, Dr. Sigrid Arnade, Martina Puschke und Brigitte Faber bei den Vereinten Nationen u.a. dafür, dass die Rechte behinderter Frauen in der UN-Behindertenrechtskonvention entsprechend verankert sind. Viele Wochen verbrachte sie oft bis in die frühen Morgenstunden mit der Lobbyarbeit für eine gute Behindertenrechtskonvention, die letztendlich am 13. Dezember 2006 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet und am 26. März 2009 von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert wurde.

Doch Dinah Radtke war immer auch sehr nah bei den Menschen. Im Rahmen ihrer Beratungstätigkeit im ZsL in Erlangen hat sie sozusagen das Peer Counseling, das mittlerweile durch das Bundesteilhabegesetz im Rahmen der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungsstellen (EUTB) gefördert wird, schon in den 80er Jahren praktiziert und gelebt. Vielen behinderten Menschen wurden durch die Unterstützung von Dinah Radtke neue Türen zu mehr Selbstbestimmung geöffnet – vielen hat sie Mut gemacht und immer wieder durch ihren Optimismus Kraft gegeben. Deshalb ist es sehr gut, dass Dinah Radtke heute ihren 75. Geburtstag gegehen kann.

Auch für die kobinet-nachrichten liefert Dinah Radtke, die sich aktuell beispielsweise für die Nichtdiskriminierung im Falle einer Triage und für eine adäquate intensivmedizinische Versorgung im Sinne eines selbstbestimmten Lebens behinderter Menschen stark macht, immer wieder interessante Nachrichten. Happy Birthday Dinah Radtke wünscht daher auch die Redaktion der kobinet-nachrichten.