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Diskriminierungserfahrungen aufgrund von Behinderung – zukünftig auf Rang 1 der gemeldeten Fälle?

Parkhausaufschrift Hate Ableismus
Parkhausaufschrift Hate Ableismus
Foto: ISL

Berlin (kobinet) Heute vor einer Woche wurde der Jahresberichtes der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) vorgestellt. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) befürchtet, dass der nächste Bericht womöglich die Anzahl der gemeldeten Diskriminierungen aufgrund einer Behinderung bald auf dem ersten Rang platzieren könnte. Die Bundesregierung und die Ampelkoalition müsse schleunigst die richtigen gesetzlichen Weichen für mehr Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen, für das Wunsch- und Wahlrecht beim Wohnen und Arbeiten und der bisher diskriminierenden Triage-Regelung stellen.

„Bisher werden die Privatwirtschaft und die bauliche Umwelt immer noch nicht zur umfassenden Barrierefreiheit verpflichtet. In der Mobilität sind behinderte Menschen immer noch Abhängige, Bittstellende und Störende im öffentlichen Verkehr. Selbstbestimmtes Wohnen in der eigenen Häuslichkeit ist weiterhin von fremdbestimmenden Pflegegesetzen (IPReG) bedroht. Statt eine inklusive Sozialstruktur zu schaffen, wird das Wohlfahrtssystem mit seinen Sonderwelten weiterhin staatlich gefördert und lässt viele behinderte Menschen verarmen“, kritisiert die ISL.

Im Falle einer Knappheit bei medizinischen Ressourcen in einer Pandemie müssen nach Ansicht der Selbstvertretungsorganisation – trotz eindeutiger Klarstellung durch das Bundesverfassungsgericht – behinderte, chronisch kranke und ältere Menschen weiterhin Angst haben, überlebenswichtige Behandlungen aufgrund vorurteilsbehafteter ärztlicher Meinungen vorenthalten zu bekommen. „Als Selbstvertretungsorganisation von behinderten Menschen wissen wir um die zahlreichen Hürden auf dem Weg hin zu einem Beschwerdeverfahren. Hiermit können wir nur alle aufrufen und ermutigen, Diskriminierung sichtbar und öffentlich zu machen, auch wenn es für viele von uns zum Alltag gehört, Ableismus verinnerlicht wurde und daher oft gar nicht mehr als Diskriminierung wahrgenommen werden kann. Die Dunkelziffer an Diskriminierungen ist hoch und wird durch eine Gesellschaft der vermeintlichen Fürsorge und der erwarteten Dankbarkeit von behinderten Menschen stark kaschiert. Gleich wichtig bleibt die Forderung nach einer Reform des Antidiskriminierungsrechtes in Deutschland, damit dies endlich stärker dazu beiträgt, Diskriminierungserfahrungen im Alltag behinderter Menschen zu vermeiden“, heißt es in einer Presseinformation der ISL.