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Lasst uns gegenseitig besser mitdenken

Jennifer Sonntag sitzt mit Führhund Paul auf den Stufen
Jennifer Sonntag sitzt mit Führhund Paul auf den Stufen
Foto: privat

Halle (kobinet) "Einfach mal die Straße überqueren: Warum ich mir als blinde Verkehrsteilnehmerin wünsche, dass sehende Autofahrer*innen die Augen auf haben", dieser Frage geht die Inklusionsbotschafterin und Journalistin Jennifer Sonntag in einem auf Facebook veröffentlichten Beitrag nicht zuletzt angesichts der Tages der Verkehrssicherheit am 18. Juni nach. "Aktuell wurde Aktivist und Autor #RaulKrauthausen in seinem Rollstuhl von einem Auto angefahren, am Zebrastreifen! 'Rollstuhl kaputt. Raul kaputt', lässt er die Community wissen. Raul, dir erstmal von Herzen gute Besserung! Ich bin schockiert!" schreibt Jennifer Sonntag und appelliert: "Lasst uns gegenseitig besser mitdenken!"

"Seit Jahren setzen sich viele von uns fachlich, medial und im Alltag dafür ein, dass Menschen mit und ohne Behinderung den Verkehrsraum sicher nutzen können. Ich selbst muss nahezu täglich mit meinem Führhund auf die Fahrbahn ausweichen, weil Autos den Gehweg zuparken. Mehrfach wurde ich bereits von Rückwärts ausparkenden Autos umgefahren. Zweimal wurde sogar Fahrerflucht begangen, obwohl ich durch den Aufprall hinter das Auto fiel und sogar einmal eine Treppe hinabstürzte. Blind bange ich dann um mein Leben und kann zu allem Überfluss das Nummernschild auch nicht notieren. Querungsstellen, an denen ich mit Führhund sicher passieren könnte, sind täglich zugeparkt. E-Scooter sind nach wie vor gefährliche Stolperfallen für sehbehinderte Menschen. All diese Blessuren, die wir uns da mitnehmen, sind Gewalteinwirkungen, körperlich und irgendwann auch mental", schreibt Jennifer Sonntag in ihrem Beitrag auf Facebook.

"Ein Falschparker, der mich einmal ernstlich in Gefahr gebracht hatte, war sich keiner Schuld bewusst und schimpfte: ÄWas gehen Sie auch alleine raus?' Ich kann mich als blinde Verkehrsteilnehmerin bemühen wie ich will, die andere Seite muss auch mitmachen. Im schlimmsten Fall kann das sonst lebensgefährlich sein. Und nicht nur für behinderte Menschen. Einige von euch wissen, dass mein Partner vor fast zwei Jahren radelnd von einem Auto erfasst wurde. Er musste im wahrsten Wortsinn mühsam wieder zusammenwachsen und ihm bleibt eine Beeinträchtigung. Ich habe selbst auch ein Auto, klar, ich fahre es nicht persönlich, ich will damit sagen, dass ich auch diese Perspektive kenne und deshalb erst recht eine große Freundin von Verkehrsregeln bin! Und wo wir gerade dabei sind, bitte auch nicht die Behindertenparkplätze blockieren oder sinnlos den Motor laufen lassen! Blind deute ich Motorengeräusche als Gefahr und warte, bis das Auto vorüberzieht. Manche stehen aber einfach nur am Straßenrand und lassen ihr Auto laufen, während sie am Handy spielen. Das übertönt für mich wichtige Verkehrsgeräusche und stellt eine total unklare Situation dar. Lasst uns hier unbedingt gegenseitig besser mitdenken", so der Appell von Jennifer Sonntag aus Halle.

Link zum Facebook-Eintrag von Jennifer Sonntag

Halle (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/senq367


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