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Wandern für alle beim 121. Deutschen Wandertag

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Foto: Irina Tischer

Fellbach (kobinet) Der 121. Deutsche Wandertag 2022 in Fellbach und im Remstal schärft das Profil der Region als Erholungs- und Freizeitraum. Die nachhaltige Wirkung des Großevents bezieht sich auch auf die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung und auf inklusive Angebote. Erstmals wird der Deutsche Wandertag für diese Zielgruppe inklusive Angebote machen, können speziell geschulte Wanderbegleiter gebucht und die Auftaktveranstaltung in der Gebärdensprache verfolgt werden. Das inklusive Programm des Wandertags stellten die Verantwortlichen in einem Pressegespräch am 17. Mai, vor.

„Wir nehmen das Thema Teilhabe ernst und daher war es uns wichtig, dass ‚Wandern für alle‘ ein Baustein des Deutschen Wandertages wird“, erklärte Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. Die Inklusion wurde, wo möglich, berücksichtigt, was zu zahlreichen Veranstaltungen und Unterstützungsangeboten geführt hat. Dazu gehören etwa die Übersetzung der Eröffnungs- und Abschlussfeier in Gebärdensprache durch Dolmetscher der Paulinenpflege Winnenden, eine barrierearme Veranstaltungswebseite, sowie ein Mitdenken der Inklusion beim Tourenangebot. Dies reicht von extra gekennzeichneten und zertifizierten Wegen über geschulte Wanderbegeleiter, Tastmodelle für Blinde, bis zu Übersetzungen in „Leichter Sprache“. „Seit Jahren arbeiten wir bei städtischen Projekten mit der Arbeitsgemeinschaft ‚hürdenlos‘ zusammen, um Betroffene direkt zu beteiligen, ihr Fachwissen aufzugreifen und möglichst barrierearme Lösungen gemeinsam zu entwickeln“, führt Gabriele Zull aus. Ein Verfahren, das sich auch beim Angebot für den Deutschen Wandertag bewährt habe.

„Wandern für alle“ ist auch beim Schwäbischen Albverein und beim Deutschen Wanderverband ein wichtiges Thema. „Menschen mit Beeinträchtigung verbringen ihre Freizeit genauso gerne in der Natur wie alle anderen Menschen auch. Wandern ist für die Wanderverbände Gemeinschaft, deshalb ist ‚Wandern für alle‘ ein wichtiger Baustein für uns“, sagte Hans-Ulrich Rauchfuß, der Präsident beider Verbände. Beim Schwäbischen Albverein etwa gebe es seit 2013 Wanderungen für Menschen, die mit Demenz und anderen kognitiven Einschränkungen leben und deren Angehörige. Außerdem seien die Ortsgruppen geschützte Räume, wo Menschen mit Behinderung oft selbstverständlich integriert werden.

Neben einigen inklusiven Wanderungen beim Deutschen Wandertag bietet der Schwäbische Albverein auch an, für Gruppen auf Nachfrage zusätzliche Wanderungen zu organisieren, die dann auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sind. Alle Wanderwettbewerbe des Wandertags stehen inklusiven Wandergruppen ausdrücklich offen, ebenso wie der Schulwettbewerb, bei dem explizit auch Sonderpädagogische Bildungszentren angesprochen wurde. Zudem gibt es im Rahmen einer Fachtagung zwei Workshops zum Thema „Wandern für alle“ während des Wandertags.

Als besonders wichtiges Zeichen für den 121. Deutschen Wandertag 2022 werteten Hans-Ulrich Rauchfuß und Oberbürgermeisterin Gabriele Zull die Konzeption und Zertifizierung des Fellbacher Wanderweges FE7 am Kappelberg, der extra für den Wandertag entstanden ist, und des Fellbacher Besinnungsweges. „Mit unserem Engagement für Inklusion haben wir einen Stein ins Rollen gebracht“, zeigte sich Rauchfuß überzeugt. Insgesamt gibt es im Remstal nun neun zertifizierte Wanderwege. Selbstverständlich seien beim Deutschen Wandertag auch zahlreiche Behindertenparkplätze und -toiletten vorgesehen, die Wandertagsplakette „Remsi“ gebe es für Inhaber eines Schwerbehindertenausweises zum ermäßigten Preis.

Wie wichtig Inklusion und die Zertifizierung von Wegen für Betroffene sind, erläuterte der Fellbacher Sebastian Till, der sich seit Jahren in der AG „hürdenlos“ engagiert. Er steuerte sein Fachwissen als Betroffener unter anderem bei der Konzeption des FE7 und des Besinnungsweges bei. So erstellte er beispielsweise das Kartenmaterial oder dokumentierte die Beschaffenheiten und Maße der Wege sowie deren Ausstattung. „Angestoßen durch unsere kleine Wandergruppe aus der AG ‚hürdenlos‘ wurden dann weitere Maßnahmen wie das Aufstellen von Bänken und Ausbesserungen des Straßenbelags durchgeführt“, erklärte Sebastian Till. Unterstützt wurden die Ehrenamtlichen von der Ortsgruppe Fellbach des Schwäbischen Albvereins, und hier besonders vom ehemaligen Wegewart Dieter Wolf. Die Zertifizierung gäbe den Betroffenen Sicherheit und schaffe Anreize, Neues auszuprobieren. „Außerdem wird dadurch eine öffentliche Wahrnehmung geschaffen, sodass jeder weiß: Auch wir Behinderte haben Bedürfnisse und sind draußen in der Natur am Start“, so Sebastian Till weiter. Insgesamt werden beim 121. Deutschen Wandertag knapp 70 Veranstaltungen und Touren für Menschen mit Beeinträchtigung angeboten.

Finanziell unterstützt wurde das Thema Inklusion beim Wandertag durch den Rems-Murr-Kreis. Fachlich unterstützt wurde das Organisationsteam des Wandertags von mehreren Partnern. Hierzu gehören die Diakonie Stetten mit dem Büro für Leichte Sprache und dem Projekt „Zamma“, die Paulinenpflege, die Inklusionsbeauftragte der Stadt Fellbach und der Behindertenbeauftragte des Rems-Murr-Kreises, sowie diverse Behindertenverbände. So wurden beispielsweise unter der Federführung der Diakonie 30 Wanderbegleiterinnen und -begleiter ausgebildet. Bei der Schulung erfuhren die Teilnehmenden mehr über unterschiedliche Beeinträchtigungen und die Herausforderungen, die diese mit sich bringen. „Geschult wurde auch, wie sich Einschränkungen beispielsweise in der Orientierung, Kommunikation, Mobilität oder in der Selbstversorgung auswirken“, berichtete Marina Cillessen von der Diakonie Stetten. Welche Fähigkeiten ein Wanderbegleiter oder -begleiterin mitbringen sollte oder welcher Weg sich für wen eignet, müsse jeweils mit den Betroffenen besprochen werden. Doch für solche Gespräche müssten die Begleiter auch ein Gespür haben, was sie alles mitbedenken sollten. Marina Cillessen betonte, extra geschulte Wanderbegleiter seien sehr wichtig. „Neben einem deutlichen Zeichen zur Willkommenskultur bauen Wanderbegleiter durch die Vermittlung von Sicherheit Barrieren ab.“

Der Deutsche Wandertag ist das größte Wanderevent weltweit. Seit über 120 Jahren lädt der Deutsche Wanderverband (DWV) gemeinsam mit einem Mitgliedsverein und regionalen Partnern zur Erkundung einer Wanderregion in Deutschland ein. Jedes Jahr folgen über 30.000 Wanderer dieser Einladung. Beim Deutschen Wandertag 2022 vom 3. bis 7. August 2022 übernehmen der Schwäbische Albverein und die Kommunen im Remstal die Rolle der Gastgeber. „Wandertagshauptstadt“ und somit Wandertagsmittelpunkt ist die Stadt Fellbach am Fuße des 470 Meter hohen Kappelbergs.

Link zu Infos zum 121. Deutschen Wandertag