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Wenn es nicht so traurig wär mit der BFIT-Bund, ich könnte nur noch lachen

Text: Bericht der Bundesrepublik Deutschland an die Europäische Kommission ...
Titelseite des 1. Berichtes der Überwachungsstelle BFIT-Bund 2021
Foto: Screenshot

Berlin (kobinet) Die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik (BFIT-Bund) hat zum Jahresende 2021 der EU den Bericht über die Barrierefreiheit der Webseiten deutscher Ämter vorgelegt. Nun hat Barrierekompass dazu Stellung (anatom5.de) genommen. Inzwischen hat die EU ihr "Web Accessibility Directive - Monitoring reports" veröffentlicht.

Was kann man dazu sagen?

Das Portal für digitale Barrierefreiheit Barrierekompass schreibt unter "Erster Monitoring-Bericht Umsetzung der EU-Richtlinie 2102 in Deutschland" dieser Bericht der Überwachungsstelle BFIT-Bund ist eine Verhöhnung aller auf digitale Barrierefreiheit angewiesene Menschen.

Der Artikel von Barrierekompass nimmt die Ehrlichkeit des Berichtes von BFIT-Bund unter die Lupe. Was wurde genau geprüft? Sind die Prüfergebnisse ein Abbild der wirklichen Barrierefreiheit? Der Bericht fragt auch wie BFIT-Bund zu diesem Ergebnis kommen kann:

„Auch wenn einzelne Anforderungen nicht erfüllt werden, so sind in der Regel die Webauftritte und mobilen Anwendungen weiterhin gut nutzbar“ (Zitat aus dem BFIT-Bund Bericht, Seite 31 oben)

Der Autor spricht von Hohn gegenüber den Menschen, die auf barrierefreie Webdienste angewiesen sind, einem Hohn gegenüber dem Grundrecht auf Teilhabe.

Wir (kobinet) hatten bereits in einem Cringe-Artikel die Belastbarkeit des Berichtes und die Arbeitsweise in Frage gestellt.

Nun fragt man sich beim Lesen der Ergebnisdarstellung zurecht, was BFIT-Bund damit sagen will. Soll Nutzern mit der Aussage "weiterhin gut nutzbar“ vermittelt werden, dass sie froh sein dürfen, wenn von etwa 20 aus 76! geprüften Barrierefreiheitskriterien, weniger als 20 den Test bestanden haben?

Nach 20 Jahren BITV in Deutschland ein so schwaches Ergebnis? Mein Lehrer würde sagen: Ämter Deutschlands - Note 6, setzen und BITV-Bund beginnt die Schule ab Klasse 1 von vorn. Die Überwachungsstelle BFIT-Bund ist nicht in der Lage, eine realistische Einschätzung abzugeben.
Für wen ist der Bericht an die EU eigentlich verfasst? Hat man sich selbst auf die Schulter geklopft?

Soll der Europäische Union durch diese Darstellungsform ein neuer, deutscher Standard für effiziente, effektive und störungsfreie Anwendungen (das Amt nicht störend) an die Hand gegeben werden? Dann wäre die Aussage „weiterhin gut nutzbar“ nicht nur Hohn für Nutzer, sondern auch Signal für Dienstleister, mit diesem fragwürdigen Niveau auf einem "guten Weg" zu sein.

Und heute bekam ich zu der Veröffentlichung der Berichte der EU-Staaten in den Ticker: Der Leiter der Überwachungsstelle BFIT-Bund, Herr Wahl, meinte am 27.01.2022 "Natürlich ist auch der Bericht aus Deutschland vorhanden und – so meine ich – kann sich sehen lassen." Untragbar und mehr als peinlich.

Nicht die Seitenzahl eines Berichtes, die Barrierefreiheit ALLER Webseiten ALLER Ämter zählt.

Es wird laut gelacht in Deutschland. Wenn es nur nicht so traurig wäre mit der Überwachungsstelle BFIT-Bund.

Berlin (kobinet) Kategorien Meinung

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sahorvz