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Zahl der Hilfsgesuche nehmen zu

ABiD Logo - Buchstaben ABiD - Text Allgemeiner Behindertenverband in Deutschland für Selbstbestimmung und Würde
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BERLIN (kobinet) Die Lage von Menschen mit Behinderungen in Deutschland hat sich in der Corona-Pandemie erheblich verschlechtert. Diese Einschätzung vertritt der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland (ABiD) und weist aktuell darauf hin, dass es nicht genügt, Personen mit Handicap nun nur allein deshalb in den Fokus zu rücken, weil das Bundesverfassungsgerichts in der Frage der Triage die Rechte der Behinderten gestärkt hat. Menschen mit Behinderungen erfahren in der Pandemie Einsamkeit und Benachteiligung, Zahl der Hilfsgesuche an den ABiD nehmen zu und deshalb braucht es aus Sicht dieses Verbandes auch politische Interventionen.

ABiD-Vorstandsmitglied Klaus Heidrich unterstreicht in diesem Zusammenhang: „Wir unterstützen deshalb ausdrücklich den Vorstoß von SoVD-Präsident Adolf Bauer, der Maßnahmen gegen die Einsamkeit fordert“. Oftmals fristeten Behinderte nach Erfahrung des ABiD in der momentanen Situation ein sehr zurückgezogenes Dasein, wenn sie in Werkstätten nicht arbeiten können oder von ihren Arbeitsplätzen verbannt sind und dann eben die Tagesstruktur fehlt, wenn sie beispielsweise in betreuten Wohngruppen nur sehr eingeschränkt Besuch empfangen können.

"Nicht selten sind Behinderte durch die Isolation besonders von möglichen Folgen der Abschottung betroffen, weil ihnen ihre angestammten sozialen Kontakte im geschützten Raum ausbleiben oder ihnen zuhause die Decke auf den Kopf zu fallen scheint", berichtet Heidrich aus Beratungsgesprächen.

Der Sozialberater des ABiD Dennis Riehle, bestätigt diese Befürchtung und erklärt: „Wir verzeichnen in der Covid19-Krise einen massiven Zulauf zu unserem Beratungsangebot. Es geht dabei einerseits um durchtragende Hilfe in den individuellen Problemsituationen, aber auch um die konkrete Unterstützung beim Beantragen von Leistungen, die momentan mehr denn je abgerufen werden. Wir wollen mit der Mail-Beratung eine gewisse Ermutigung schenken und praktische Tipps geben, wie sich der Alltag auch in solchen Ausnahmelagen so gestalten lässt, dass er ein Anker für die Menschen ist. Behinderte reagieren auf die schnell wechselnden Umstände und Regelungen der Corona-Politik mit besonders viel Furcht, Sorge und nicht zuletzt sogar Verzweiflung. Denn durch ihr Handicap wissen sie bereits um manch scheinbare Ausweglosigkeit und sind deshalb bei jeder Instabilität gefährdet, mit seelischen Reaktionen die Unruhe zu kompensieren".

Hier ist es nach den Erfahrungen der Beratungsarbeit in diesem Verband enorm wichtig, ihnen eine konkrete Orientierung und Wegweisung zu geben, damit sie wieder eine Perspektive entwickeln und durch Tipps und Ratschläge gegebenenfalls ihre Anpassungsfähigkeit modifizieren.

Schließlich appelliert Heidrich an den Gesetzgeber, dass Menschen mit Behinderungen vorrangig Zugang zu den Impfungen und den alsbald erscheinenden Medikamenten gegen SARS-CoV-2 erhalten sollen. „Letztendlich hat die Politik von den Verfassungsrichtern einen klaren Fingerzeig erhalten. Behinderte gehören automatisch zu den vulnerablen Gruppen, welche einen besonderen Gesundheitsschutz durch den Staat erwarten dürfen. Sie brauchen sofortige Zusicherung von inflationären Ausgleichen, leichteren Zugang zu Sozialleistungen und eine prädestinierte Berücksichtigung bei der Bekämpfung der Epidemie mit all ihren Folgen“, so der ABiD-Vertreter.

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