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95 Jahre Interessenvertretung gehörloser Menschen

Logo des DGB
Logo des Deutschen Gehörlosen-Bundes
Foto: DGB

Berlin (kobinet) Vor 95 Jahren, am 15. und 16. Januar 1927, trafen sich Vertreter*innen von Stadt-, Landes- und Fürsorgeverbänden der Gehörlosen in Weimar und gründeten einen Verband, der heute als Deutscher Gehörlosen-Bund (DGB) bekannt ist. Aus diesem Anlass veröffentlicht der Verband ein Video, in dem DGB-Präsident Helmut Vogel die Geschichte des Verbands zusammenfasst und an drei wichtige Begriffe erinnert, die das Handeln des Verbands prägen: Zusammenhalt, Engagement und Verantwortung.

Einen bundesweiten Verband gab es zwar bereits 1892, aber hier war die regionale Repräsentation nach Mitgliederzahlen noch nicht gegeben. Dies wurde erst 1927 umgesetzt – deshalb ist das Weimarer Datum der Gründungszeitpunkt des DGB. Der 2013 vom DGB herausgegebene Dokumentarfilm „Die Gehörlosen in der NS-Zeit" behandelt die Periode von der Gründung des DGB bis in die 1940er Jahre während der nationalsozialistischen Diktatur.

In diesem Jahr werden vonseiten des DGB weitere Informationen auf dessen Homepage veröffentlicht: Dokumentationen, Interviews und Bildmaterial, um die Geschichte des Gehörlosen-Bundes umfassender auszuleuchten. Die drei Kernbegriffe des DGB lassen sich wie folgt bestimmen:

1. Zusammenhalt: Die Mitgliederzahlen wuchsen in den Verbänden und Vereinen, wodurch ein reger Austausch und Zusammenarbeit entstanden. Ab 1950 geschah dies innerhalb der elf Landesverbände der Gehörlosen in der BRD und ab 1957 ebenso innerhalb der Bezirksorganisationen der Gehörlosen und Schwerhörigen in der GSV der DDR. Im Jahr 1990 wurden die 16 Landesverbände zusammengeführt. Hinzu kamen die 2004 neu gegründete Deutsche Gehörlosen-Jugend wie auch neun bundesweite Fachverbände. Die 26 Mitgliedsverbände mit etwa 25.000 Einzelmitgliedern schließen sich im DGB zusammen. Der DGB vertritt nach außen die Interessen der Gehörlosen und Gebärdensprachnutzenden, vergibt Ehrungen und ist auch international im europäischen Gehörlosenverband (EUD) und im Weltverband der Gehörlosen (WFD) vertreten. Darüber hinaus ist der DGB auf Bundesebene, beispielsweise mit der Deutschen Gesellschaft der Hörbehinderten – Selbsthilfe und Fachverbände, der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe und anderen Verbänden vernetzt. "Das ist der Zusammenhalt", heißt es dazu vonseiten des DGB.

2. Engagement: "Viele der im Verein und Verband aktiven Menschen opfern im Ehrenamt ihre Freizeit – sie gehen einem Beruf nach und setzen sich daneben noch ehrenamtlich im Verein für die Verbesserung der Lebensumstände aller Gehörlosen ein. So unterschiedlich die Menschen und Vereine auch sind, das Ziel ist das gleiche: die Förderung, die Pflege und der Schutz unserer Gebärdensprache! Auch Aktivist*innen, Künstler*innen und Pädagog*innen, die sich für Gebärdensprache einsetzen und sie auf Bühnen zum Leben erwecken, sind mit Herzblut dabei: Engagement für unsere Sprache!" so beschreibt der DGB diesen Teil des Wirkens des Verbandes.

3. Verantwortung: An der Spitze aller Verbände stehen Vorstände – sie sind von den Mitgliedern gewählt und tragen die Verantwortung für alles Handeln des Vereins – finanziell und politisch. Das bedeutet viel Verantwortung, die man zu übernehmen bereit sein muss. Beim DGB ist das Präsidium für die strategische politische Arbeit verantwortlich. Seit 1990 gibt es im DGB außerdem hauptamtliche Mitarbeiter*innen, die ein weiteres wichtiges Standbein sind. Derzeit sind sieben hauptamtliche Mitarbeiter*innen beschäftigt. Dazu kommen weitere ehrenamtliche Tätige in mehr als zehn Fachteams bzw. Beauftragte, die sich im Beirat um verschiedene Themen wie Medien, Arbeit, Gesundheit und Senioren kümmern. Derzeit sind dies weitere 20 Personen. Das alles beinhaltet Verantwortung für das Wohl aller, die wir vertreten, betont der Verband.

"Aus diesen Strukturen, die sich aus den Kernbegriffen ableiten, ergibt sich unsere Hauptverantwortung für 83.000 gehörlose Menschen in ganz Deutschland. Die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden und Fachverbänden ist für den DGB unerlässlich und sorgt dafür, dass in allen Teilen der Bundesrepublik die jeweiligen Interessen vertreten werden können. Wir folgen hier – wie auch die Bundesrepublik selbst – dem föderalen Prinzip, um die regionalen Unterschiede besser abdecken zu können. Zusätzlich zu all dem veranstalten wir viele große und kleine Treffen und Tagungen. Die Bundesversammlung ist unsere Mitgliederversammlung als das oberste Organ des DGB, bei der die Mitgliedsverbände über das Walten des DGB besprechen und abstimmen. Weiterhin hat der DGB die alle vier bis fünf Jahre stattfindenden deutschen Kulturtage der Gehörlosen organisiert. Tausende Menschen kommen hierbei zusammen. Bisher fanden diese sechs Mal statt. Wir schließen mit den Worten unseres Präsidenten Helmut Vogel aus seinem Grußwort: 'Bleibt solidarisch, bleibt aktiv, bleibt froh und habt immer im Hinterkopf: Wir sind füreinander da und halten zusammen.'", teilt der DGB in einer Presseinformation mit.

Die DGS-Fassung des Grußworts vom Präsidenten des DGB, Helmut Vogel, gibt's hier:
https://youtu.be/w4tSxFuM6dg

Das komplette Transkript seines Grußworts gibt's als PDF hier:
http://gehoerlosen-bund.de/browser/4279/dgb-95-jahre-transkript_grußwort_final.pdf

Berlin (kobinet) Kategorien Nachricht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/sapvw37